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vonDetlef Guertler 26.10.2012

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Hurrikans und Monsterstürme gehen ja üblicherweise unter ihrem Namen in die Geschichte ein. Lothar, Katrina, Hugo, Andrew und wie sie alle heißen. Jetzt ist wieder mal so einer unterwegs, und während die Jamaikaner und Kubaner ihn brav bei seinem sehr niedlichen Namen „Sandy“ nennen, braten sich die Amis mal wieder eine Extrawurst:
FRANKENSTORM: The Mother Of All Snowicanes Is Barreling Toward New York City
heißt es bei Business Insider, und

Forecasters warn East Coast about ‚Frankenstorm‘ next week; damage could top $1 billion

bei Foxnews, und
Sandy to become „Frankenstorm“ and ravage New England

meldet CNN. Die es, anders als die in der Regel deutlich unseriöseren Foxnews, sogar fertig bringen, den Hurrikan Sandy, der bislang bereits mehr als 20 Menschen das Leben kostete, als „Wolf im Schafspelz“ zu bezeichnen.

Frankenstorm also: in Anlehnung an Frankenstein natürlich, und wegen der Nähe zu Halloween, und weil es sich dann nicht mehr wirklich um Sandy handeln wird, weil der „Perfect Storm“, der insbesondere New Jersey und New York zum Wochenanfang droht, erst dann entsteht, wenn der sich abschwächende Hurrikan aus dem Süden auf einen Wintersturm aus dem Westen und Polarluft aus dem Norden trifft. Sollte das sich so zusammenballen, wird das Ereignis wohl tatsächlich eher als Frankenstorm denn als Sandy in die Unwettergeschichte eingehen.

(Eine Eindeutschung brauchen wir gar nicht erst versuchen: Frankensturm klingt zu sehr nach nordbayrischem Nazi-Trupp, als dass man damit durchkäme.)

Der Erfinder des Begriffs „Frankenstorm“ ist dabei bislang nicht namentlich bekannt. Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand taucht der Begriff erstmals in einer AP-Meldung von Seth Borenstein auf. Dort heißt es:

An unusual nasty mix of a hurricane and a winter storm that forecasters are now calling „Frankenstorm“…

ohne diese „forecaster“ namentlich zu benennen. Da Borenstein im Text der Meldung zwei Meteorologen zitiert, nämlich Jim Cisco und James Franklin, spricht allerdings einiges dafür, dass einer dieser beiden den Begriff verwendet hat, ohne sich jedoch damit zitieren zu lassen.

Oder natürlich dafür, dass der Journalist sich den Begriff selbst ausgedacht hat, und sich dann von namenlosen Wetterfröschen die für die schnelle Verbreitung nötige Relevanz geliehen hat. Aber vielleicht kommen wir der Namensgeschichte auch noch auf den Grund. Sachdienliche Hinweise gerne hier einwerfen.

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