Archive for November, 2012

29.11.2012 von Detlef Guertler
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seriöslich

von Detlef Guertler

Da haben uns die Piraten doch tatsächlich ein neues Wort geschenkt. Seriöslich bezeichne “unter anderem die übertriebene, aufgesetzte Ernsthaftigkeit vieler Politiker”, konstatierte Laura Sophie Dornheim in der FAZ. Und wenn dann der Oberpirat Bernd Schlömer mal wie heute mit Krawatte auftritt, wird auch er gleich als “seriöslich” bezeichnet.

Der ironisch-distanzierende Beigeschmack kommt sofort rüber – sollte das auch für andere Adjektive gelten, die aus schon vorhandenen Adjektiven durch Anhängen von -lich gebildet werden? Bei klein – kleinlich, süß – süßlich und reich – reichlich ist der Effekt ähnlich. Bei gesündlich oder schönlich könnte ähnlich verfahren werden. Nur damit auch andere als die Piraten mal wieder neue Wörter erfinden können.

Aber da Wörter nicht von “den Piraten” erfunden werden, sondern von Menschen, stellen wir wieder unsere übliche Frage: Wer hat’s erfunden? Der älteste Beleg den ich im Piratenzusammenhang ergoogeln konnte, stammt vom 6. Juni 2012… weiter lesen

19.11.2012 von Detlef Guertler
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schmockkonservativ

von Detlef Guertler

Unfassbar. Ist da wirklich noch niemand vorher drauf gekommen? Musste dafür wirklich erst die Frankfurter Rundschau sterben und die Titanic die Zukunftsaussichten einiger anderer Tageszeitungen analysieren?

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung leidet unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung: Der Politikteil ist schmockkonservativ, das Wirtschaftsressort paläoneoliberal, das Feuilleton so links, wie es Heidegger zuläßt. Zu ihrem Glück ist kein Mensch so verrückt, die FAZ komplett lesen zu wollen.Prognose: Wird noch eine Weile klugen Köpfen beim Versteckspiel helfen.

Wo doch der Schmock geradezu dafür prädestiniert ist, mit dem Konservativen in einen Topf geworfen zu werden:

Schmock ist ein aus dem Jiddischen stammendes Wort, das entweder einen Tölpel bezeichnet oder einen unangenehmen Menschen mit weiteren bestimmten Eigenschaften, meist einen Mann der gehobenen Gesellschaft. Auch eine Verwendung im Sinne von „leeres, geschwollenes Gerede“ lässt sich belegen.

Aber weit und breit gibt es keinen einzigen Beleg dafür, dass schon irgendwo irgendjemand vorher die Kombination schmockkonservativ verwendet hätte. Dann ist… weiter lesen

12.11.2012 von Detlef Guertler
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Candystorm

von Detlef Guertler

Neuwörter können Karrieren retten, wie wir soeben vom Mutterblatt erfahren haben. Nämlich das Wort Candystorm die Karriere von Grünen-Chefin Claudia Roth:

Und die Gedemütigte bedankte sich artig. Sie freut sich über die Wortneuschöpfung #candystorm, twittert sie – die hätte sie sogar ermutigt, weiterzumachen, für den Vorsitz der Grünen erneut zu kandidieren. Toll.

Das stimmt zwar nicht ganz: Claudia Roth twittert nicht selbst, sie lässt twittern. Aber wenn einem neuen Wort und einem (relativ) neuen Medium eine solche Ehre widerfährt, sollten wir uns doch ganz wertneutral und linguistisch über diesen Beweis für die Dynamik der deutschen Sprache freuen.

(Und einen berufeneren Linguisten, nämlich den Jung-Piraten und Flauschstorm-Erfinder Anatol Stefanowitsch darum bitten, uns wegweisende Gedanken zu einer Parteipolitisierung der Sprache zu spenden: Wo kommen wir denn da hin, wenn die Grünen sich zu grün sind, um einen Flauschstorm anzuzetteln und statt dessen lieber ein… weiter lesen

12.11.2012 von Detlef Guertler
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Meinungsbilding

von Detlef Guertler

Was hat Stefan Raab gestern in seiner neuen Sendung “Absolute Mehrheit” gesagt?

“Wir haben hier Speed-Meinungs-Building?”

oder doch:

“Wir haben hier Speed-Meinungsbilding?”

Ich bin eindeutig für Letzteres. Das Bilden von Meinungen ist doch etwas anderes als das Bauen von Meinungen, was ja nun auch eine gewissen Solidität anklingen ließe, die der Sendung ja eher abging; und die Praxis, gute alte deutsche Verben durch -ing zu anglisieren, ist auch jenseits des Bildens durchaus verbreitet, ob mit Dösing, Lalling oder Furzing. Was Raab tatsächlich gesagt hat, weiß allerdings wohl nur er selbst. Er darf es auch gerne für sich behalten.

06.11.2012 von Detlef Guertler
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Dataist

von Detlef Guertler

Wir sind ja hier nun wirklich keine Anhänger der hemmungslosen Eindeutschung von Fremdwörtern im allgemeinen und von Anglizismen im besonderen. Wir erfreuen uns nur, das aber dafür umso intensiver, an der Lebendigkeit der deutschen Sprache und greifen deshalb gerne jeglichen Neuwortvorschlag auf, egal aus welcher Ecke er kommt. Und wenn es sich um einen Vorschlag handelt, mit dem ein deutsches Wort einen gebräuchlichen Anglizismus ersetzen könnte, ist uns das genauso recht wie der umgekehrte Fall: Die große Sprachfamilie in ihrer unerforschlichen Weisheit wird schon selbst entscheiden, welches Wort sie in Zukunft verwendet.

Viel Vorrede für einen kurzen Tweet von Peter Glaser: “Dataist” steht da, und dazu noch ein Pfeil nach oben, der auf sein Foto weist. Und das, also nicht der Pfeil, sondern das Wort, ist doch eigentlich eine großartige Eindeutschung des guten alten “Nerd”. Der ist ja heute in erster Linie dadurch gekennzeichnet, dass er sich möglichst… weiter lesen

05.11.2012 von Detlef Guertler
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hitler

von Detlef Guertler

Eigentlich wollte ich auf dem Spiegelblog ja lesen, wie die Redaktion auf den Vorwurf von Marina Weisband antwortet, ihre Aussagen zu einem möglichen Politik-Comeback aus dem Zusammenhang gerissen zu haben.

Aber weil es noch nicht so weit ist (komisch, das auf Twitter anzukündigen und sich dann so viel Zeit zu lassen), landet man dort bei der Frage “Wie hitler ist der Spiegel?” Ja ja, ein Name als Adjektiv, das war damals bei “Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?” noch echt originell…

Ganz so hitler ist der Spiegel übrigens offensichtlich nicht mehr: War es bislang so, dass Hitler-Stories die Auflage bringen sollten, um den Rest des Heftes zu verkaufen, ist es jetzt offenbar so, dass Weisband-Stories die Klicks bringen sollen, um Hitler-Stories zu verkaufen.

Soll man das jetzt Fortschritt nennen?