Unterhaltungsanspruch

Eigentlich hatte sich Christian Edom ja nur verschrieben:

Wieviele Unterhaltungsansprüche werden eigentlich in eingetragenen Lebenspartnerschaften eingeklagt?

wollte er während der Debatte um die Gleichstellung von Lebenspartnerschaften mit Ehen auf dem CDU-Parteitag wissen. Aber natürlich hatte er Unterhaltsansprüche gemeint. Wie bei fast allen anderen Treffern, die Google für den Unterhaltungsanspruch findet: Es geht jeweils um den (materiellen) Unterhalt, nicht um die (immaterielle) Unterhaltung.

Aber wenn wir dieses Wort einfach einmal so ernst nehmen, wie es ist: Ist dann nicht der Unterhaltungsanspruch eines, ach, das Grundübel unserer Zivilisation? Dieses Sofakartoffelige, dieses konsumistische, diese schlechtere Hälfte des römischen Klassikers “Brot und Spiele”? Dessen “Brot” ist physisch und sozial, der Unterhaltsanspruch – und dessen “Spiele” sind psychisch und asozial, der Unterhaltungsanspruch eben.

“Für 50 Pfennige Eintritt kann ich erwarten, dass an meine niedrigsten Instinkte appelliert wird”, hieß das früher einmal, und der Unterschied zu heute besteht da ja wohl eher darin, dass die gleiche Erwartung auch bei Angeboten der Kostenloskultur besteht. Amüsieren wir also mit unserem Unterhaltungsanspruch, um mit Neil Postman zu sprechen, nicht nur uns zu Tode? Sondern auch noch die Medien, und die Medienschaffenden gleich mit? Denn um mit John Ruskin zu schreiben, gibt es ja bekanntlich “nichts Gutes, das nicht irgend jemand ein bisschen schlechter und ein bisschen billiger machen könnte”.

Wäre also, so gesehen, der CDU-Bundesparteitag am Ende doch noch ein wichtiger Markstein in der deutschen Kulturgeschichte, weil er, ganz im Vorübergehen, einem Begriff ins Leben verholfen hat, der wie kein anderer vor ihm die hohle Leere der postmodernen Postdemokratie entlarvt?

Nein? Wäre er nicht? Habe ich mich hiermit dann wenigstens für einen vorderen Platz im Frank-Schirrmacher-Nachfolgerennen qualifiziert, zu dem der große Meister ja gerade erst selbst durch das Drucken des Namens “Naomi Klein” den Startschuss abfeuerte?

Auch nicht? Ach, dann werdet doch glücklich mit DSDS und Dschungelcamp!

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