Phänomem

Darf sich jemand als Schöpfer eines Neuworts bezeichnen, auch wenn es für dieses Wort schon an die zehntausend Google-Treffer gibt?

Na klar: Wenn die bisherigen Treffer sämtlich aus Schreibfehlern bestehen. Und genau so sieht es auf den ersten Blick bei dem Begriff Phänomem aus (ja, mit m am Ende), den Dirk von Gehlen für sein „Gefällt mir“-Blog auf sueddeutsche.de gefunden hat:
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden vor allem Ausnahmeerscheinungen als Phänomene bezeichnet. Diese Ausnahmeerscheinungen sind Thema dieses Blogs: digitale Ausnahmeerscheinungen, die aus den unzähligen Veröffentlichungen des Netzes herausstechen, weil sie sich fast magisch weiterverbreiten. … Von Viralität wird dann gerne gesprochen. Denn wie ein Virus, der den Menschen befällt, suchen sich auch die Meme (wie man sie im Netz nennt), ihren Weg von ganz alleine.

Phänomeme eben. Wie denn auch der Twittername des Blogs heißt.

So ganz nigelnagelneu ist das Wort zwar nicht: In einem Social-Media-Blog von vor einem Jahr stand es auch schon, und vielleicht gibt es ja noch den einen oder anderen ernst gemeinten Treffer unter den mehreren tausend mit mangelhafter Rechtschreibung. Aber das soll nachsuchen, wer will – denn wenn es das Wort in den allgemeinen Sprachgebrauch schaffen sollte, dann dürfte Dirk von Gehlen die Schöpferkrone gebühren.

Kommentare (5)

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  1. Keine Krönung? Wie schade! Dabei war das Wort „Schöpferkrone“ selbst so schöpferisch…

  2. Ganz schön viel Bescheidenheit hier. Also gut, habe ich mich noch einmal in die Tiefen des Internet-Archivs begeben um zu suchen, ob es denn doch noch einen älteren Beleg gibt.
    Gibt es. Und zwar ein Seminar namens „Phänomeme“ im Studiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin – und zwar im Sommersemester 2010.
    http://www.gwk.udk-berlin.de/blogs/meme/
    Auf wessen Konto der Seminar-Titel geht, geht aus der Webseite nicht hervor. Also erstmal keine Krönung.

  3. Wir beanspruchen die Krone der Wort-Schöpfung auch nicht. Schon alleine deshalb nicht, weil mir beim Lesen des Artikels im „Gefällt mir“-Blog gar nicht mehr eingefallen ist, dass wir das „PhänoMem“ mal in einer Zwischenüberschrift verwendet haben. 🙂

    Mit ebenso phänomemalen Grüßen,
    Stephan Kochs

  4. Oh nein, ich will mich gar nicht als Wortschöpfer bezeichnen und eine Krone will ich damit schon gar nicht verbunden sehen 😉

    Als mir der Begriff „Phänomeme“ einfiel (eben beim Bloggen zu dem Thema), stellte ich fest, dass der Twitter-Name noch frei war und registrierte ihn. Meine Google-Suche führte mich nur zu Tippfehlern und auch den Text aus Aachen kannte ich nicht (was auch daran liegt, dass der Begriff dort im Singular genutzt wird).

    Mit phänomem-alen Grüßen

    Dirk v. Gehlen