Hobbyniveau

Ein interessanter Begriff, auf den Wortistik-Leser Alexander Ross hinweist:

“Ich betreibe jetzt Journalismus auf Hobbyniveau, mehr Zeit bleibt mir einfach nicht”,

begründete Medienblogger Thomas Knüwer, warum er nicht mehr als “Editor at large” bei der deutschen “Wired”-Augabe tätig ist.

“Heißt Hobby zwingend niedriges Niveau?”, wundert sich Ross. “Hobby heißt doch eher: Engagiert, aber ohne Erwerbsziel. Professionell, aber nicht permanent. Mit Liebe, aber nicht als Lebensarbeitszeit.”

Wie man’s nimmt.

– Ersterseits ist Niveau nicht immer nur eine qualitative Angabe, sondern kann auch quantitativ gemeint sein, sowohl in der Geografie als auch in der Geometrie. Beschäftigung auf Hobbyniveau kann deshalb theoretisch auch als eine Aussage über die quantitative Beschäftigungsmenge gemeint sein.

– Zweiterseits hat gerade die Bloggerszene, zu der Knüwer ziemlich gehört, massiv gegen die Anmaßung vor allem von Printjournalisten gesprochen, das mit der Bloggerei sei ja gar kein richtiger Journalismus – wobei sich als Zwischen-Konsens herausgeschält hat, dass die Professionalität eines Publizierenden nicht an der Quantität des damit verdienten Geldes, sondern an der Qualität des dabei abgelieferten Werkes gemessen wird. Da gibt es dann keinen Raum mehr für so etwas wie ein Hobbyniveau.

– Und dritterseits haben diejenigen, die bislang das Wort Hobbyniveau verwendet haben (hier ein typisches Beispiel), damit durchaus ein Qualitätsurteil verbunden. Nämlich das einer minderwertigeren Qualität als bei professionellem Niveau.

Woraus schließlich der Schluss gezogen werden kann, dass Knüwer rein theoretisch das Wort “Hobbyniveau” hier verwendet haben könnte, um bewusst Klischees der Medienschaffenden aufzubrechen und die Branche zweinulliger zu machen. Da es hierfür allerdings keinen Beleg gibt, kann er es genausogut nur ganz einsnullig gemeint haben: Wer wenig Zeit aufwendet, kann auch nur wenig Qualität liefern.

Kommentare (4)

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  1. Tja, Herr Knüwer, das Thema mit der Differenz zwischen Blatt und Blog hatten wir hier vor bald fünf Jahren schon mal – damals mit einem Blog des Handelsblatts, Sie erinnern sich vielleicht noch:
    http://blogs.taz.de/wortistik/2008/10/05/geschmacksvolatil/
    Eine Webseite ist nicht das gleiche wie ein Blog ist nicht das gleiche wie eine Zeitung. Wenn zu Ihrer Vorstellung von taz-Qualität gehören sollte, dass über öffentliche Äußerungen nur berichtet werden kann, wenn vorher mit der betreffenden Person Kontakt aufgenommen wurde, wäre dies allerdings eine sehr weit von den üblichen journalistischen Gepflogenheiten und dem Presserecht entfernte Vorstellung.
    Und zu meiner persönlichen Bilanz im nunmehr siebten tazblog-Jahr: Ich wurde zweimal vom hiesigen Blogwart gefragt, ob mir bewusst sei, dass ich mich im inhaltlichen Gegensatz zur Zeitung befände. Ja, in beiden Fällen war es mir bewusst. Anders als das Handelsblatt damals hat die taz allerdings nicht die Konsequenz gezogen, mir den Saft abzudrehen oder meine Beiträge zu zensieren. Sonst würde ich hier sicherlich nicht mehr schreiben.

  2. In einem Punkt bin ich verwundert: Selbst wenn Sie nicht fest angestellt für die taz arbeiten – hier steht taz drüber. Und das bedeutet: Ich muss als Leser die gleiche Qualität erwarten können – oder einen Hinweis, dass dem nicht so ist.

  3. Danke für die Aufklärung über die Hobbyniveauentstehung.
    Ansonsten: Ich bin nicht die taz, wenn überhaupt dann tazblogger. Also bitte aus meiner Arbeitsweise keine Rückschlüsse auf die der Zeitung ziehen.
    Mir geht es bei Neuwörtern grundsätzlich eher nicht darum, was sich derjenige gedacht haben könnte, der sie in die Welt setzt, sondern eher darum, was davon im Sprachgebrauch ankommt bzw. ankommen sollte.
    Auf dieses Beispiel angewendet: Ob Sie Hobbyniveau quantitativ oder qualitativ gemeint haben, ist weitgehend unerheblich, da es bei einer relevanten Zahl der Leser als qualitative Aussage ankommen wird. Nach meiner Auffassung liegt der Anteil der Leser, die es so verstehen, zwischen 50 und 100 Prozent, aber ich kann das natürlich nicht belegen.
    Ihrem PS stimme ich übrigens nicht zu. Es gibt m.E. eine positive Korrelation zwischen Zeitaufwand und Produktqualität – aber ich bin ja auch Wolf-Schneider-Schüler.

  4. Tja, veilleicht habe ich ja Recht mit der Medienkritik. Denn wenn Journalisten im Auftrag von Medienhäusern genauso vorgehen, wie Blogger, die das Schreiben als Hobby sehen – darf die Frage gestellt werden: Brauchen wir erstere noch?

    Sprich: Sie hätten ja mal fragen können, wie ich das Wort “Niveau” definiere. Mich zu erreichen, auch am Wochenende ist nicht so fürchterlich herausfordernd. Twitter und so.

    Nun gut…

    Die Geschichte des Wortes “Hobbyniveau”: Der Begriff entstand im Rahmen eines spontan geführten Telefonats, dessen Zweck keine Story oder Interview war. Wir haben nur so geredet. Dabei stellte sich heraus, dass Newsroom noch nicht klar war, dass ich bei Wired ausgeschieden war. Spontan entstand also ein Artikel, bei dem ich nicht um Zitatfreigabe bat, weil ich Zitatfreigaben eigentlich schlecht finde.

    Das beschriebene Niveau bezog sich dabei auf die Finanzierung meines Lebens. Die bestreite ich weitestgehend über Unternehmensberatung. Journalismus ist für mich ein Hobby, ich betreibe es auf Hobbyniveau. DIes ist keine qualitative Einordnung – die dürfen andere vornehmen. Immerhin scheint es aber nicht so doof zu sein, was ich schreibe, Es reicht, damit gelegentlich Redaktionen um Artikel anfragen.

    Aber man lernt ja dazu. Denn wenn selbst die geschätzte “taz” eine leicht zu bewältigende Anfrage nicht mehr vornimmt, dann ist es wohl an der Zeit, jedes Zitat abstimmen zu lassen.

    Übrigens: Die Wired-Meldung haben fast alle Mediendienste von Newsroom abgeschrieben. Keiner hat mich nochmal kontaktiert. So sieht er heute halt aus, der deutsche Journalismus.

    PS: Wer wenig Zeit aufwendet, bringt wenig Qualität? Unsinn. In diesem Punkt rate ich zur Beschäftigung mit der aktuellen Arbeitsweise von David Hockney.