Shitstrom

“Oh, jetzt kommt eine Art Shitstrom auf mich zu”,

twitterte gerade @jeanpol, nachdem er vom unterschiedlich starken Sexualtrieb bei Männlein und Weiblein gesprochen hatte. Was natürlich sofort medientypisch beantwortet wurde:

“Das ist die Energiewende! STROM AUS SCHEISSE!”

Leider wurde die Diskussion danach nicht weitergeführt. So dass wir jetzt nicht wissen, ob der ursprüngliche “Shitstrom” nur ein Schreibfehler war, oder doch ein bewusstes Neuwort. Für das es durchaus gute Gründe gäbe:

Beim Shitstorm handelt es sich ja bekanntlich um ein ebenso heftiges wie kurzes Phänomen, bei dem soziale Medien mal schnell zu asozialen Medien werden, um jemand kräftig eins auf den Deckel zu geben.

Der Shitstrom hingegen würde ein zwar auch heftiges, aber lang anhaltendes Phänomen bezeichnen, bei dem man nicht einmal, sondern immer wieder attackiert bzw. attackiert wird. Beobachten lassen sich solche Fälle beispielsweise bei Homöopathie und Esoterik, wo einige Nutzer jeden der Lächerlichkeit preisgeben, der sich über Wirksamkeit von Globuli oder Wünschelruten auslässt. Das hat eigentlich ein passendes Wort wie Shitstrom verdient.

(Und, werte Sprachnörgler, der Shitstrom wäre dann kein reiner Anglizismus mehr wie der Shitstorm, sondern ein Beispiel dafür, wie die deutsche Sprache fremdsprachigen Input kreativ aufnimmt und transformiert. Aber das nur nebenbei.)

1 Kommentar

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  1. Lexikografischer Späteintrag am 03.2013:

    Ein Exempel, wenn und wie man als Schreiber mit dem Anglizismus „Shitstorm“ verkehren kann und die deutschen Wortbestandteile satirisch händeln kann:

    Roger Willemsen in „Es wird Frühling“ (ZEIT 13/2013. S. 54 – 57), das erste Vierteljahr vom 2013. Jahr abschließend:
    “(…) und der Shitstorm regelt den moralischen Haushalt der Allgemeinheit. (…) Wären nur Piraten da, die Scheiße vom Sturm zu trennen! Doch die wurden selbst vom Sturme verweht.“

    Wobei ich das Regulativ „Haushalt“ mit dem Genitiv „der Allgemeinheit“ für irreführend halte.
    Es ist der aufgeregt-unbefriedigte „Haushalt” der vielleicht tausend Unbeschäftigten, von HARTZ IV aufwärts bis A14; mit einigen pflegeleichten Unbeschäftigtinnen.