Datennebel

Cloud war gestern. Jetzt liegt der Nebel im Trend.

Vielleicht weil es bald wieder Herbst wird (in den Supermärkten auch schon wieder weihnachtlich), vielleicht auch wegen der ganzen Komplexität, und weil die Wolke viel zu positiv besetzt ist, kommt der Nebel wieder zurück. “Zahlen sind manchmal Datennebel”, sagt WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn im taz-Interview, und begründet damit, warum die ARD in der Woche vor der Bundestagswahl keine Umfragedaten mehr veröffentlicht. Im ganzen Absatz:

“Das Forsa-Institut führt schon lange Befragungen bis ganz kurz vor der Wahl durch. 2005 hat Forsa bis zum Freitag vor der Wahl Umfragen gemacht. Das Ergebnis: 42 Prozent für die Union. Am Sonntag stimmten nur 35 Prozent für die Union. Gerade die aktuellsten Zahlen sind manchmal Datennebel, der viele womöglich irritiert.”

Das Nebel-Bild für irritierende Daten verwendet auch der Hamburger Künstler Hans-Christian Dany in seinem gerade eben erschienenen Buch “Morgen werde ich Idiot” (Edition Nautilus):

“Sich in Nebel zurückzuziehen und den Fühlern der Kontrolle zu entgleiten, bedeutet, alle Angebote der Rückkopplung oder Beteiligung abzuweisen.”

Dany bezieht sich dabei auf einen Text des französischen Autorenkollektivs Tiqqun von 2007: Kybernetik und Revolte. “Der Nebel macht die Revolte möglich”, heißt es dort programmatisch.

Wenn das so ist: herzlich Willkommen im Nebel-Trend!

1 Kommentar

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  1. Da hatte Mörike schon recht:
    Septembermorgen

    “Im Nebel ruhet noch die Welt (…)”

    (Gedacht, pardon: Gedicht, geschrieben am 18.10.1827; im Druck veröffentlicht 1828)