entpören

„Alle Menschen, die ein bess’res Leben wünschen, soll’n sich widersetzen“, meinte einst in meiner friedensbewegten Jugend mein kurzzeitiger Lieblingsliedermacher Jürgen Slopianka, mit jener feinen Spitze, dass es ja auch genau das Gegenteil heißen konnte:

„Alle Menschen, die ein bess’res Leben wünschen, soll’n sich wieder setzen.“

Das war cool, mit dem gleichen Satz sowohl das eine als auch das andere sagen zu können (und gleichzeitig den viel zu kommerziell gewordenen Bots und deren Aufstehn eins auszuwischen). Und wie der Sänger selbst es gemeint oder geschrieben hatte, war ja nebensächlich – wobei ich vermute, dass in seinem Manuskript „wi(e)dersetzen“ stand, mit einem nur halben Zwischenraum zwischen r und s.

Wie kam ich da jetzt gleich noch mal drauf … ? … Ah ja. Weil Klaus Peukert gerade meinte, mir würde „entpören“ als Gegenteil von „empören“ gefallen. Stimmt auch. Alle, die sich gerade empört haben, sollen mal wieder sich entpören. Ob’s ums Wetter, ums Fernsehprogramm oder um Wahlkampfslogans geht, meistens ist ein bisschen Abregung gut, für den Blutdruck und für die Gesellschaft.

Allerdings zwingt mich die Wortistenpflicht darauf hinzuweisen, dass entpören eigentlich, also ganz wirklich, zumindest früher mal, ein Synonym von – empören war. So im Grimmschen Wörterbuch: „entpören für empören“ steht da. Wohingegen im Etymologischen Wörterbuch von Friedrich Schmitthenner von 1837 das Verb „empören“ von „empor“ abgeleitet wird, wobei „por“ für „Höhe“ steht, empören also „aufbringen“ bedeute, was nahe legen würde, dass „entpören“ bedeuten könnte, die Aufgebrachten wieder auf den Boden zurückzubringen.

Heißt also: Entpörung klingt wie das Gegenteil von Empörung, könnte aber auch genau das Gegenteil des Gegenteils sein. Wenn ich nochmal 16 wäre, fände ich das cool.

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*