Public Value

Wir haben hier bekanntlich nichts gegen Anglizismen, ganz im Gegenteil schätzen wir sie sogar sehr, wenn sie das Deutsche bereichern, worüber ja die Deutschen mit ihrer Sprache und Schreibe selbst entscheiden.

Aber wenn sich in einem Koalitionsvertrag ein Anglizismus versteckt, sollte man wohl davon ausgehen, dass dort ein Hund begraben liegt. Michael Schmalenstroer hat gerade bei Carta auf einen solchen aufmerksam gemacht. Denn im aktuellen Koalitionsvertrag steht auf Seite 134:

Bei marktbeherrschenden Plattformbetreibern sind eine diskriminierungsfreie Informationsübermittlung und der neutrale Zugang zu Inhalten sicherzustellen. Private und öffentlich-rechtliche audiovisuelle Medienangebote und journalistisch-redaktionelle Inhalte, die einen Beitrag im Sinne des Public Value leisten, sollen einen diskriminierungsfreien Zugang zu Distributionswegen und eine herausgehobene Auffindbarkeit erhalten.

Aha. Beitrag im Sinne des Public Value. Und WAS IST DAS?

Wie wir Wikipedia entnehmen können, wird darunter im allgemeinen so etwas verstanden wie ein Beitrag zum öffentlichen, gesellschaftlichen oder Gemeinwohl, in der Regel erbracht durch staatliche Stellen oder Behörden. Im Medienwesen soll er bei den öffentlich-rechtlichen Anbieter verbreitet sein, um sich ihre eigene Existenzberechtigung zu begründen: Wir bekommen Gebühren, weil wir Public Value schaffen, oder so ähnlich. Und was Public Value ist, definieren unsere Rundfunkräte und letztlich unsere gewählten Vertreter, also die Politik.

Soweit korrekt? Dann heißt das doch, ins Deutsche zurückübersetzt:

Inhalte, von denen die Politik meint, dass sie dem Gemeinwohl dienen, müssen von „marktbeherrschenden Plattformbetreibern“ bevorzugt behandelt werden.

Ja, so etwas kenne ich auch noch, von meiner Zeit bei der Schülerzeitung, da klang die Argumentation unseres Direktors ähnlich. Wir nannten das damals ZENSUR. Ich wüsste nicht, warum man das heute anders nennen sollte.

1 Kommentar

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  1. Volle Breitseite – blubb – blubb – blubb. Versenkt.