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vonDetlef Guertler 28.08.2014

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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»Starren« hat ausgedient – wie brauchen ein Smartphone-Verb

schreibt Philippe Wampfler, und beschreibt sein Problem:

„Menschen lesen Bücher. Sie lesen die Zeitung. Sie schauen sich einen Film an. Aber sie starren auf ihre Smartphones. (Als würden) wir uns dem Smartphone gegenüber verhalten wie die Maus vor der Schlange. Da öffnet sich ein Fenster in die Welt – und wir verfallen in eine Schockstarre. Nur: Ich erlebe mich selbst anders. … Wie man immer dieser Tätigkeit sagen will: »Starren« trifft es nicht.“

Das stimmt. Also halb. Denn die Beobachtung von innen – ich bin auf die verschiedensten Weisen aktiv und interaktiv – ist eine ganz andere als die Beobachtung von außen: Da hat sich jemand komplett von seiner Umwelt abgeschottet.

Für den Betrachter von außen ist „starren“ also durchaus ein treffendes Wort, als ein Tätigkeitswort, das eine Nicht-Tätigkeit beschreibt. Für denjenigen, dessen Tun beschrieben wird, stellt sich seine Tätigkeit hingegen ganz anders dar, da er ja mit einem Touchscreen und ein paar Gadgets drumherum ständig neue Aktivitäten vollführt. Was die meisten Betrachter von außen ja inzwischen auch durchaus verstehen, da auch sie von Zeit zu Zeit so etwas wie ein Smartphone oder ein Tablet benutzen. Weshalb in der Tat die Zeit reif ist, von einem kulturkritischen Starren zu einem neutraleren Begriff zu wechseln.

Wie wäre es deshalb, Vorschlag zur Güte, mit einem Verb, das sowohl dem Blick von außen als auch dem von innen nahe kommt? Nämlich „screenen“. Für ein paar Menschen ist das Wort zwar schon belegt für so etwas wie „viele Dinge schnell auf mögliche Eignung prüfen“, aber auch das ist ja gar nicht so weit davon entfernt, was man auf seinem Smartphone veranstaltet. Aber vor allem ist es ein Verb, das das zentrale Element der öffentlichen Smartphone-Nutzung auch begrifflich ins Zentrum stellt – den Bildschirm.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2014/08/28/screenen/

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kommentare

  • Er liest auf dem Smartphone Nachrichten.
    Sie chattet mit ihrem Smartphone auf Facebook.
    Die zwei bestellen sich auf ihrem Smartphone Winterkleidung.
    Oma XY informiert sich auf ihrem Smartphone über den Kuchen beim Seniorentreff.
    Das Kleinkind malt in einer Mal-App den Akku des Smartphones ihrer Mutter leer.
    Der Jugendliche zockt im Bus auf dem Smartphone mit Freunden.
    Der Journalist bearbeitet zügig einige zufällige Fotos auf seinem Smartphone, bevor er sie an die Redaktion mailt.

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    Die Menschen schmarten.

  • Passt fast, wenn ich anonym bezahlen kann.

    Einen höheren Preis als für ein Standardabo der taz? Näi. Mit 41.89 Euro wäre ich einverstanden. Zum Bezahlverfahren. Anonymes digitales Überweisen ist für mich derzeit kein Weg – vorzeitliche Computertechnik, Misstrauen gegenüber digitalen Bezahlverfahren. Außerdem bin ich nach Möglichkeit faul und stelle mir das digital zu umständlich vor.

    Das hieße am liebsten Geld in Scheinen in einem Brief an Sie in der taz, zur weiteren Ausgabe an die/den WortschöpferIn. Münzen in Briefumschlägen passieren nicht alle MitarbeiterInnen in der Transportkette der Post, meine Erfahrung. Diebstahl muss nicht sein. Blieben 40.00 Euro in unzerknitterten Scheinen inklusive Dankes-Karte für ein zeitgemäßes Wort für Bildschirm.

    Gilt?

  • @Max: Interessanter Ansatz. Im Englischen scheint mir unter anderem aus diesem Grund das Wort display zuletzt häufiger verwendet zu werden – denn dort merkt man dem screen noch die Herkunft von der Leinwand an.
    Der Ansatz, für Wortneuschöpfungen zu bezahlen ist auch interessant. Eigentlich bislang nur aus Werbung und Marketing bekannt, aber im Crowd-Zeitalter natürlich auch anderweitig machbar.
    Meine Vermutung: Wenn Sie 50 Euro als Preis für ein moderneres Wort für Bildschirm auf den Tisch legen, sollte hier genügend Kreativität zusammenkommen, um innerhalb von, sagen wir, einer Woche, passable Kandidaten vorweisen zu können.

  • Kann man hier Wortneuschöpfungen bestellen?

    Wenn nicht, geht das sonstwo? Möchte sich jemand etwas dazuverdienen?

    Hier kommt mein Auftrag: Ich hätte bitte gern ein moderneres Wort für Bildschirm. Bei der zunehmenden Wichtigkeit von Bildschirmen im Leben der, wage ich zu behaupten, Mehrheit der DeutschsprecherInnen, ist ein sich aus alten Röhrenfernsehern erklärendes Wort unschön. Der Stand der Massentechnik sind flache, digitale Abspielgeräte für Lichtbilder.

    Außerdem ist das Wort Bildschirm lang und kaum Gemeinsamkeit mit einem Schirm. Man stelle sich vor: screen + umbrella = scrella! Welche grausame Sprachverhunzung wäre denn das? Also, bitte, was würde die Lieferung kosten?

  • Drei Konsonanten hintereinander und dann den Klang „iiieh“?

    Weiß nicht, ob ich das Verb gerne nutzen würde? Dann doch lieber das altgediente Verb lesen in seiner allgemeinen Definition, der visuellen Aufnahme von Information jeglicher Art.

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