postwestlich

Es post-et mal wieder. Diesmal heißt der Trendbegriff „postwestlich“, und der russische Außenminister Sergej Lawrow hat ihn auf der Münchner Sicherheitskonferenz rausgehauen – als Bezeichnung für die nächste Weltordnung, die ohne Supermacht USA.

Damit war Lawrow nicht ganz der erste, der sich eine solche Ordnung ausmalte – schon viereinhalb Jahre früher hatte bei einer Konferenz in Istanbul Ibrahim Kalin diesen Begriff ganz ähnlich verwendet. Und wenn ihnen der Name Kalin nichts sagt, den seines Chefs kennen Sie: Kalin ist Sprecher des Präsidialamts von Recep Tayyip Erdoğan.

Da haben sich ja zwei gefunden.

Vielleicht bekommen sie auch recht, sowohl bei den USA als auch bei Europäern ist es ja durchaus möglich, dass sie ihre politische/militärische/ökonomische/ökologische/kulturelle/soziale Sonderstellung versemmeln (wir werden hier wohl noch häufiger darauf zurückkommen). Aber selbst dann wird sich der Begriff nicht lange halten – für die Begründung verweise ich auf das Argument, das hier bereits vor achteinhalb Jahren stand, als gerade der Begriff „postamerikanisch“ im Trend lag.

„Wenn es ein Zeitalter gibt, in dem nicht mehr die USA die einzige Supermacht der Welt sind, dann wird es nicht post-irgendwas heißen, sondern anhand der dann geltenden Regeln oder Mächte benannt werden. Dann heißt es zum Beispiel triadisch (Europa, Amerika, Asien mit ihren jeweiligen regionalen Vormächten) oder tribalistisch oder madmaxistisch oder eben nach jener Ideologie, die heute noch gar nicht existiert aber irgendwann demnächst den Kapitalismus herausfordern wird.“

Das mit dem post-irgendwas kann halt allenfalls eine Übergangsperiode markieren, jene Zwischenzeit, bevor sich das Neue hinreichend klar zeigt, um auf einen Begriff gebracht zu werden. Wobei weder triadisch noch tribalistisch noch madmaxistisch heute als so passende Nachfolger für die verblassende Supermacht-Ära gesehen werden können. Wenn wir noch einen Tipp für die nächste Epoche nach der abendländischen Hegemonie abgeben dürfen, dann könnte es ja vielleicht digitalistisch sein – mit lauter selbstfahrenden Staaten oder so.

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