Wutindustrie

Sehr schön, was Craig Silverman da entdeckt hat: Eine Firma in Miami produziert reichlich merkbefreite Clickbait-Medien für Rechtsdeppen, Linksdeppen und christliche Fundamentalismusdeppen, teilweise sogar mit den gleichen Inhalten und fast den gleichen Texten – nur dass es bei einer Linksdrall-Geschichte eine trumpkritische Meldung mit „Are you glad?“ gewürzt wird, während die Rechtsdrall Geschichte mit „Prepare to be infuriated“ aufputscht.

„Das sind Marketing-Webseiten“, kommentiert der Medien-Professor Jonathan Albright dieses Gebaren, „und das Produkt, das sie verkaufen, heißt Empörung“. Also handelt es sich auch nicht wirklich um einen Teil der Medien-Industrie, sondern um einen noch recht neuen Industriezweig – die Wutindustrie.

Der Begriff ist nicht ganz neu: Schon vor fünf Jahren sprach Salman Rushdie von einer Wut-Industrie, damals in Zusammenhang mit Protesten gegen Mohammed-Karikaturen und -Videos, Hamed Abdel-Samad widmete 2010 der islamischen Wut-Industrie sogar ein ganzes Kapitel in seinem Buch „Der Untergang der islamischen Welt“.

Eher neueren Datums hingegen ist, dass es sich tatsächlich nicht um Aktionen von Fanatikern handelt, sondern dass das Erwerbsinteresse im Vordergrund steht. Im vergangenen Jahr tauchte dieses Phänomen im Zusammenhang mit Fake-Medien-Betreibern auf dem Balkan auf, seit diesem Jahr verwendet es Gerald Hensel für seine Initiative „Fearless Democracy“. Und wenn die Leute weiterhin nicht informiert, sondern empört werden wollen, ist da auch allemal Geld zu verdienen.

Allerdings könnte dann doch ernsthaft debattiert werden, ob die Wutindustrie nicht auch tatsächlich anders behandelt werden könnte als die Medien-Industrie. Hat da nicht neulich jemand so etwas angeregt? Ach ja, hier hab ich’s:

„I want you all to know that we are fighting the fake news. It’s fake, phony, fake. A few days ago I called the fake news the enemy of the people. And they are. They are the enemy of the people. Because they have no sources, they just make ’em up when there are none. … There are some great reporters around. They’re talented, they’re honest as the day is long. They’re great. But there are some terrible dishonest people and they do a tremendous disservice to our country and to our people. A tremendous disservice. They are very dishonest people.“

Okay, der Autor dieses Zitats, ein gewisser Donald Trump, meinte mit „fake news“ die New York Times und CNN. Das ist natürlich Blödsinn. Aber für wutindustrielle Erzeugnisse wäre dieser Ansatz gar nicht so falsch.

 

1 Kommentar

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  1. „Wutindustrielle“ Produkte … scheinen unseren Alltag mit den Medien versauen zu wollen. Gut, dass es Aufmerksamkeit für die bösesten Fakes gibt.