17.05.2013 von Detlef Guertler
Springer CEO Mathias Döpfner besucht die “Welt”-Redaktion: “Online ist ihre Berufsversicherung, Lebensversicherung, Zukunftsversicherung…”
steht heute an der Facebook-Pinnwand von “Welt”-Chefredakteur Jan-Eric Peters, dort hingehängt von dessen Assistent Leeor Engländer.
Hm. Zukunftsversicherung? ZukunftsVERsicherung? Die Zukunftssicherung, ja, die ist allgemein bekannt. Aber eine Versicherung? Ist die sowas wie die Pflegeversicherung – die also dann zahlt, wenn die Zukunft was kostet? Oder so etwas wie die Lebensversicherung – die also dann zahlt, wenn die Zukunft verloren geht. Oder so etwas wie die Feuerversicherung – die also dann zahlt, wenn die Zukunft eintritt?
In jedem Fall aber ist eine Versicherung etwas, wofür man erst etwas bezahlen muss, bevor man dann später, unter bestimmten, vorher definierten Umständen etwas ausgezahlt bekommt. Wenn also Online die Zukunftsversicherung der Welt-Redaktion ist, dann müssen die Redakteure heute etwas dafür zahlen, dass ihnen eines Tages das Online etwas bezahlt. Oder war es nicht das Online, sondern doch der… weiter lesen
15.05.2013 von Detlef Guertler
Oha, die neue Spaßpartei AfD ist offenbar doch nicht nur reaktionär und realitätsfern. Die können sich sogar neue Wörter ausdenken. So geschehen bei AfD-Beiratsmitglied Roland Vaubel, über dessen Porträt im “Mannheimer Morgen” Wortistik-Leser Hans-Martine gestolpert ist. Dort heißt es:
“Schäuble hat keine Ahnung von ökonomischen Zusammenhängen. Merkel erst recht nicht. Brüderle ist ein Verbändeknecht”, kritisiert der VWL-Professor. “Viele Menschen in der Politik sind euromantisch veranlagt und handeln realitätsfern.”
Mal ganz unabhängig von der Frage, was für ein Realitätsbild VWL-Professoren so haben: Ist nicht gerade das Heraufbeschwören einer guten alten EWG-Zeit, als noch jeder seine eigene Währung hatte und nur für sich selbst verantwortlich war, Romantik pur?
11.05.2013 von Detlef Guertler
Da ist aber auch was los gerade auf dem Piraten-Bundesparteitag. Lauer droht mit Spaltung, Ponader ist endlich, endlich abgetreten, Nachfolgerin Nocun bekommt sofort das Etikett Piraten-Prinzessin aufgeklebt (zuerst von Zeit Online, wird behauptet), Club-Mate ist alle und dann doch wieder da, für Lebensmittel soll die Mehrwertsteuer erhöht werden, alles Banane eben; man kennt das ja.
Aber dann, immerhin, ein Neuwort. “Mehr Neologismen wagisieren”, tönt es aus der Timeline, als der NRW-Landtagsabgeordnete Joachim Paul meint, die Piraten sollten mehr planetarisch und “humanprogressiv” denken.
Das klänge nach “fiesen ansteckenden Krankheiten”, meint ein sich “Thomas” nennender Pirat, eine Auffassung, der wir uns hier ausdrücklich nicht anschließen. Aber wonach “humanprogressiv” nun so genau klingt, und was es bedeuten soll, ist nicht so klar. Irgendetwas transhuman-esoterisches? Oder etwas christlich-jenseitiges, weil ja das Fortschreiten jenseits des Humanen eher postmortal passiert? Oder eher so etwas linksliberales, wo man gleichzeitig… weiter lesen
11.05.2013 von Detlef Guertler
Das, was ist, muss auch beschrieben werden können. Und je mehr und je häufiger es die Menschen betrifft, desto wahrscheinlicher ist es, dass es dafür dann auch ein eigenes Wort gibt. In Kolumbien beispielsweise muss es Anfang der 90er Jahre ein Wort für nächtliche Ausweiskontrollen und Leibesvisitationen gegeben haben, denn mit genau diesem einen Wort wurden wir damals auf einer Busfahrt geweckt und alle wussten sofort, worum es ging, stiegen gähnend aus und ließen sich von den Polizisten durchsuchen. Wie das Wort hieß, weiß ich leider nicht mehr – es war drei Uhr morgens, und es ist mehr als 20 Jahre her.
Aber man muss gar nicht so weit fahren, um auf merkwürdige Begriffe für merkwürdige Sachverhalte zu stoßen. Bei mir reichte gestern eine Fahrt nach Biel, wo in einem ganz normalen Gespräch mit ganz normalen Bürgern völlig selbstverständlich und von allen das Wort “Heiratsstrafe” verwendet wurde. Jedem Schweizer sicherlich… weiter lesen
08.05.2013 von Detlef Guertler
Jedes Land hat seinen Nationalfeiertag. Gerne den Tag der Staatsgründung (wie den 3. Oktober in Deutschland) oder der Unabhängigkeiterklärung, oder der Königskrönung, oder ein (in der Regel erfolgreiches) Kriegsende. Vereinzelt nehmen Staaten ihr nationales Fest auch etwas lässiger, so wie die Jamaikaner, die arbeitnehmerfreundlich am ersten Montag im August feiern, oder die Inder, die sich gleich drei Nationalfeiertage gönnen: den 26. Januar (Inkrafttreten der Verfassung), den 15. August (Unabhängigkeit von Großbritannien) und den 2. Oktober (Geburtstag Mahatma Gandhis), aber in der Regel gilt: ein Ereignis, ein fester Feiertag. Das älteste nationalfeiernde Ereignis in der Wikipedia-Liste der Nationalfeiertage ist die Gründung San Marinos (am 3. September 301), das jüngste die Unabhängigkeit des Südsudan (am 9. Juli 2011). Es sei denn, man nimmt den Vatikanstaat mit in die Wertung, dann wäre der 19. März 2013 der jüngste – die Amtseinführung von Papst Franziskus.
Wenn wir jetzt gerade mit irgendwie halbvoller… weiter lesen
27.04.2013 von Detlef Guertler
Hach, ist das schön, wenn der Fußball in die Hände der Feuilletonisten fällt. Wie bei “Ulis Schmerzmittel” von Michael Horeni in der FAZ. Da heißt es dann nämlich:
Nichts ist mehr wie vorher.
Der FC Bayern ist die leibhaftig gewordene Idee von Hoeneß.
Die Bayern schlugen zurück. Auf eine neue, aber auch auf die alte Hoeneß-Art.
Man kann sich für den Bayern-Macher Hoeneß auch keine größere Strafe vorstellen, wie sie die Fußball-Götter ersonnen haben.
Die Deutschen müssen nicht die besseren Spanier werden, um zu gewinnen, sondern ihre fußballkulturellen Stärken klug erneuern.
Diese Tage waren nicht nur ein Lehrstück durch den deutschen Fußball, sie waren auch ein Lernstück für den deutschen Fußball.
Ah ja: ein Lernstück. Auf neue, aber auch alte Art, von den Fußball-Göttern ersonnen, um deutsche fußballkulturelle Stärken klug zu erneuern. Schön.
Aber was soll das jetzt den deutschen Fußball ganz konkret lernen? Dass man sich zwar… weiter lesen
14.04.2013 von Detlef Guertler
“Steueroasen sind Gerechtigkeitswüsten”, sagte Peer Steinbrück heute beim Wahlkampfparteitag der SPD (und schrieb es auch schon in eine Pressemeldung vom 8. April).
Starker Satz, nicht wahr? Und starkes Wort. Und endlich mal kein Fettnapf!
Obwohl: Wie war das noch mal mit den Wüsten?
Eine Sandwüste ist – voller Sand. Viel zu viel Sand, und nichts anderes.
Eine Eiswüste ist – voller Eis. Viel zu viel Eis, und nichts anderes.
Eine Steinwüste ist – voller Steine. Viel zu viel Steine, und nichts anderes.
Und eine Gerechtigkeitswüste wäre folglich – voller Gerechtigkeit. Viel zu viel Gerechtigkeit, und nichts anderes.
Hat das der Steinbrück wirklich so gemeint?
10.04.2013 von Detlef Guertler
“Ist das nicht vielleicht Würstchenjournalismus?”,
lässt Thomas Hillenbrand einen imaginierten “Zeit”-Redakteur sich selbst fragen. Die Frage, so stellt es sich Hillenbrand vor, könnte in jenem schicksalhaften Moment gestellt worden sein, nachdem jener Redakteur auf der Webseite beratersprech.de lustige Sprüche von Unternehmensberatern gefunden hatte, und bevor er mit diesen einfach das Layout eines Zeit-Artikels bestückte. In der Hillenbrand’schen Imagination:
“Du willst schon zum Layout rennen und ein Scribble machen lassen, da beschleichen Dich Zweifel, ob Du die Inhalte von Beratersprech.de einfach kopieren und in deiner Zeitung verwursten darfst. Ist das nicht vielleicht Würstchenjournalismus? Weil, so Copyright irgendwie? Das Konzept ist Dir nicht völlig fremd. Du weißt, dass der Zeitverlag, bei dem Du beschäftigt bist, bei seinen eigenen Inhalten relativ humorfrei ist. Journalistenverbände haben sich bitterlich über “Die Zeit” beschwert, als Ihr seinerzeit von Euren freien Mitarbeitern extrem umfängliche Verwertungsrechte haben wolltet. Aber Du könntest die Sprüche so gut… weiter lesen
08.04.2013 von Detlef Guertler
“Deshalb sind die Versuche, dieses Blog als Textbausteinbruch von Anders Breivik zu diffamieren, m.E. gescheitert”,
schreibt Tobias Kaufmann heute auf der “Achse des Guten”. Diesem Satz hätte ich bis vor kurzem noch zustimmen können. Eine selbstorganisierte Autoren-Webseite mit starken Meinungen, in der Wahl der Worte und Waffen nie zimperlich, manchmal ärgerlich, manchmal verzichtbar, meistens ein Gewinn, und in jedem Fall meilenweit entfernt von der ressentiment-geladenen Dumpfheit von Seiten wie “Politically Incorrect” (nein, kein Link). Einige der Teilnehmer der “Achse des Guten” kenne ich persönlich. Ich schätze sie allesamt sehr. Einige weitere Autoren dieser Webseite lese ich mehr oder weniger gerne – weil sie mich anregen, oder auch aufregen. Nicht alles gut, aber alles im grünen Bereich.
Und dann kam Akif Pirincci mit einem Doppelschlag (1, 2), und nichts ist mehr gut. Denn diese Beiträge auf der Achse des Guten (die in etwa prophezeien, dass schon bald… weiter lesen
25.03.2013 von Detlef Guertler
Guthabensteuer hatten wir hier vor ziemlich genau einer Woche eingeführt, natürlich auf die Situation in Zypern bezogen. Jetzt ist es anders gekommen, es werden nicht so sehr Guthaben besteuert als vielmehr Banken abgewickelt, mit den entsprechend schmerzhaften Folgen für alle, die diesen Banken Geld gegeben haben, ob als Eigenkapital (weg) oder als Spareinlage (heftig gerupft jenseits von 100.000 Euro).
Womit es natürlich noch wichtiger für alle Betroffenen geworden ist, möglichst viel Geld von eben jenen Banken, nämlich Laiki und Bank of Cyprus, abzuziehen. Bei Twitter hat pgk1966 hierfür das schöne Wort “Guthabenhinterziehung” gefunden – möglicherweise nicht wissend, dass genau das in der vergangenen Woche massiv stattgefunden hat. Mehrere hundert Millionen Euro seien aus zyprischen Banken vergangene Woche abgeflossen, obwohl doch alle Banken geschlossen waren, berichtetet Reuters. Und nennt auch gleich einige der vermutlichen Abflusswege: die englischen Filialen von Laiki und Bank… weiter lesen