Archive for the ‘Kindermund’ Category

03.04.2010 von Detlef Guertler
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Reinfahrunfall

von Detlef Guertler

Oster-Ausflug mit der ganzen Familie ins Herz von Andalusien – Jerez und Cadiz. Auf der Rückfahrt nickt Clemens, 8, kurz ein. Als er wieder aufwacht, sagt ihm Lucie, 11: “Fast wäre Papa gerade auf ein anderes Auto aufgefahren.” (Stimmt natürlich nicht – was kann ich dafür, dass der Schleicher die linke Spur nicht schnell genug frei gemacht hat?) Clemens widerspricht: “Drauffahren, das geht doch gar nicht. Das kann vielleicht ein Monster-Truck, aber doch nicht Papa.” – “Doch, das sagt man so”, gebe ich Lucie recht, “wenn man einem anderen Auto hinten rein fährt, nennt sich das eben Auffahrunfall.” – “Blöd”, meint Clemens, “Reinfahrunfall wäre viel besser.”

Gerade will ich meinem Sohn erklären, dass sich die Deutschen wohl kaum von ihrem gewohnten Auffahrunfall abbringen lassen werden, da fällt mir eine viel bessere Verwendung für dieses Wort ein: Dafür dass ein Auto dem anderen in die Seite fährt, gibt es noch kein… weiter lesen

29.12.2009 von Detlef Guertler
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Drehtext

von Detlef Guertler

Erster Tag des Weihnachts-Theaterworkshops. Lucie, 11, und Clemens, 8, sitzen nach dreistündiger Probe wieder im Auto. “Lucie, hast du meinen Drehtext dabei?”, will Clemens wissen. “Na klar”, sagt Lucie, und gibt ihm die vier kopierten Blätter. “Das ist aber deiner!”, protestiert der Junge. “Dein Text ist da mit drauf”, gibt sie zurück.

“Wieso überhaupt Drehtext?”, mische ich mich ein. “Das heißt doch Drehbuch.” Lucie prustet los. “Vier Seiten, das ist ja wohl kein Buch! Das ist nicht mal ein Drehheft, sondern eben nur ein Drehtext.” Wo sie recht haben, haben sie recht.

24.12.2009 von Detlef Guertler
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Weihtagten

von Detlef Guertler

“Papa, jetzt ist Weihtagten, oder?” – “Ja, Lucie.”

20.12.2009 von Detlef Guertler
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umreihenfolgen

von Detlef Guertler

“Nein, das sollst du nicht schreiben”, sagt Leonie (14). “Das hat mir NametutnichtszurSache persönlich erzählt.” – “Aber wie soll ich meinen Lesern denn sonst erklären, was umreihenfolgen sein soll?” – “Also gut”, sagt sie. “NametutnichtszurSache hat eine Reihenfolge seiner “Lieblingsbeschäftigungen”: Sport, Freunde und Musik. Aber manchmal denkt er, dass das auch anders sein könnte – weil Freunde ja eigentlich wichtiger sind als Sport…” – “…oder weil eines Tages “Freundinnen” wichtiger sein könnten als “Freunde”", werfe ich ein. “Oder noch ganz anders”, antwortet Leonie. “Jedenfalls müsste er dann seine Lieblingsbeschäftigungen umreihenfolgen.”

“Da, wo Peter Sloterdijk schreibt: Du mußt dein Leben ändern, würdest du also eher schreiben: Du mußt dein Leben umreihenfolgen?” – “Aber nicht mit ß.”

08.09.2009 von Detlef Guertler
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forschlich

von Detlef Guertler

Beim Abendessen quasselt Clemens, 8, die ganze Zeit von Réunion. Weil sich seine große Schwester Leonie derzeit dort im Schüleraustausch aufhält, haben wir uns vorgestern eine TV-Dokumentation über dieses Stück Frankreich mitten im Indischen Ozean angeschaut. Und Clemens sprudelt noch immer über von Vulkanen, Magma-Flüssen, Tiefseefischen und was da sonst noch so alles vorkam. “Réunion ist eben forschlich sehr interessant”, sagt er zwischen zwei Löffeln Ketchup-Reis.

Wenn er wissenschaftlich gemeint hätte, hätte er sicherlich auch wissenschaftlich gesagt. Aber Wissenschaftler kann man auch im Büro oder Bibliothek sein – Forscher nur im direkten Einsatz in Wald oder (Runinen-)Feld, je nachdem. Von wissenschaftlichem Interesse kann demnach alles mögliche sein; von forschlichem Interesse ist wesentlich weniger. Wohingegen das, was zwar von wissenschaftlichem, aber nicht von forschlichem Interesse ist, für Clemens relativ uninteressant ist.

26.08.2009 von Detlef Guertler
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Geschichtsgymnasium

von Detlef Guertler

“Ich will auch auf so ein besonderes Gymnasium”, fordert Clemens. Der ist zwar mit 8 Jahren noch etwas jung dafür, sieht aber bereits Handlungsbedarf. Seine älteste Schwester Leonie ist vor zwei Jahren auf das Hochbegabtengymnasium St. Afra im sächsischen Meißen abgewandert, und seine andere Schwester Lucie geht ab nächster Woche auf die Salzmannschule, ein Sprachengymnasium im thüringischen Schnepfenthal. 

Nun sind wir im Moment zwar etwas angespannt bei dem Gedanken, das dritte Kind irgendwo zwischen dem mecklenburgischen Greifswald und dem westfälischen Holzwickede unterzubringen, aber natürlich sollte dem Jungen recht sein, was den beiden Mädchen billig ist – schon gar, wenn der Vater gerade ein ganzes Buch lang dafür plädiert, jedem Kind die bestmögliche, individuell zu ihm passende Bildung zu ermöglichen.

“Was soll das denn für ein Gymnasium sein, Clemens?” – “Ein Geschichtsgymnasium natürlich.” Natürlich, was sonst. Wir Eltern schauen uns fragend an: Gibt es sowas… weiter lesen

24.06.2009 von Detlef Guertler
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Hochdeutscher

von Detlef Guertler

“Woher kommt eigentlich der NametutnichtszurSache?”, will Lucie (10) am Frühstückstisch wissen. “Aus Schwaben vermutlich”, antworte ich, “zumindest redet er ziemlich Schwäbisch.” – “Wusst` ich`s doch, dass der kein Deutscher ist”, triumphiert Lucie. “Natürlich ist ein Schwabe ein Deutscher”, protestierte ich, doch Lucie gibt sich nicht so schnell geschlagen: “Aber kein Hochdeutscher.”

Interessanter Ansatz. Als ich in Schriesheim bei Heidelberg aufs Gymnasium ging, gab es dort zwar jede Menge eingeborener Kurpfälzer, darunter auch einige, die in breitestem Kurpfälzisch kommunizierten, aber so etwa ab der 8. Klasse wurden letztere immer seltener – beim Abitur waren die Hochdeutschen unter sich. Vermutlich lässt sich auch heute noch ähnliches erleben. Zumindest für soziolinguistische Studien (und Gürtlersche Frühstücke) müsste das Substantiv Hochdeutscher also eigentlich brauchbar sein.

22.05.2009 von Detlef Guertler
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Babyheit

von Detlef Guertler

“Was wisst ihr noch von eurer Babyheit?”, fragte uns Clemens gestern abend. Nichts natürlich – aus seiner Kindheit mag man sich noch an das eine oder andere erinnern, aber auch die klügsten Eltern mit dem besten Gedächtnis haben keine eigene Erinnerung an ihre Zeit als Baby; allenfalls das, was ihnen von anderen wiederum erzählt wurde, kann ihnen einfallen.

Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum die deutsche Sprache das Wort Kindheit sehr wohl, die Babyheit hingegen gar nicht kennt. Aber ein bisschen ungerecht ist das schon. Vielleicht könnten wir uns dann wenigstens auf einen Mittelweg einlassen: die Kleinkindheit?

17.04.2009 von Detlef Guertler
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bad-bye

von Detlef Guertler

Weil Lucie, 10, beim Frühstück gerade nichts anderes zu tun hat, zitiert sie aus dem Gedächtnis drei Sätze, die sie vor Monaten mal für den Unterricht auswendig gelernt hat. “Integration ist die Eingliederung eines oder mehrerer Menschen in eine Gruppe. Das integrierte Mitglied erhält die gleichen Rechte und Pflichten wie alle anderen Mitglieder der Gruppe. Die Mitglieder der Gruppe respektieren das neue Mitglied, so wie es ist.”

(Oder so ähnlich)

Leonie, 13, versucht das nachzusprechen. “Integration ist, wenn…” – “Falsch!”, kräht Lucie, und sagt ihr Sprüchlein nochmal auf. Nächster Versuch von Leonie: “Integration ist die Eingliederung eines Menschen…” – “Schon wieder falsch!” Da hat Leonie die Nase voll. “Mir reicht’s”, ruft sie, räumt ihren Teller ab und stampft aus der Küche zurück in ihr Zimmer – nicht ohne uns vorher ein “Bad-Bye” zuzuschnauben.

“Wenn du Bad-Bye in deine Wortistik reinschreibst, ist Leonie bestimmt wieder besser gelaunt”, sagt Lucie. Hoffentlich hat… weiter lesen

07.03.2009 von Detlef Guertler
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Milchkannenort

von Detlef Guertler

Mit Lucie auf großer Fahrt von Berlin nach Meißen. Besser gesagt: auf langer Fahrt. Man hat die Auswahl zwischen erstens ICE nach Leipzig, Bummelzug nach Riesa, Bus nach Meißen, oder zweitens EC nach Dresden, S-Bahn nach Meißen oder drittens Bummelzug nach Elsterwerda, Bummelzug nach Coswig, S-Bahn nach Meißen. Mehr als drei Stunden braucht man mit der Bahn selbst im besten Fall, und dieser beste, und billigste, Fall geht über Elsterwerda. “Warum braucht der Zug so lang?”, will Lucie wissen. “Weil er an jeder Milchkanne hält”, antworte ich, und weil ich im Zweifel bin, ob der historische Zusammenhang zwischen Milchkannen und Bummelzügen in der jungen Generation noch präsent ist, erkläre ich ihn gleich mit.

Stunden später. Wir haben Stationen wie Luckau-Uckro, Doberlug-Kirchhain, Walddrehna, Hohenleipisch, Golßen und Rückersdorf passiert und konnten uns beim Halt in Prösen-Ost der hoch interessanten Frage widmen, ob es auch Prösen-Süd, -West, -Nord oder gar Prösen-Zentrum gibt. Als… weiter lesen