07.03.2009 von Detlef Guertler
Mit Lucie auf großer Fahrt von Berlin nach Meißen. Besser gesagt: auf langer Fahrt. Man hat die Auswahl zwischen erstens ICE nach Leipzig, Bummelzug nach Riesa, Bus nach Meißen, oder zweitens EC nach Dresden, S-Bahn nach Meißen oder drittens Bummelzug nach Elsterwerda, Bummelzug nach Coswig, S-Bahn nach Meißen. Mehr als drei Stunden braucht man mit der Bahn selbst im besten Fall, und dieser beste, und billigste, Fall geht über Elsterwerda. “Warum braucht der Zug so lang?”, will Lucie wissen. “Weil er an jeder Milchkanne hält”, antworte ich, und weil ich im Zweifel bin, ob der historische Zusammenhang zwischen Milchkannen und Bummelzügen in der jungen Generation noch präsent ist, erkläre ich ihn gleich mit.
Stunden später. Wir haben Stationen wie Luckau-Uckro, Doberlug-Kirchhain, Walddrehna, Hohenleipisch, Golßen und Rückersdorf passiert und konnten uns beim Halt in Prösen-Ost der hoch interessanten Frage widmen, ob es auch Prösen-Süd, -West, -Nord oder gar Prösen-Zentrum gibt. Als… weiter lesen
08.02.2009 von Detlef Guertler
“Ich hab’ ein Wort für dich”, sagt Leonie, als sie endlich wieder auf unserer Terrasse in Marbella sitzt (Winterferien in Sachsen): “Nub.” – “Nub? Was soll das denn sein?” – “So nennen wir in Afra jemand, der zwar ganz viel für die Schule lernt, aber trotzdem nicht wirklich gut ist.” – “Also sowas wie ein Streber, aber mit durchschnittlichen Noten?” – “Genau.” – “Nub oder Noob?” – “Weiß ich nicht, wir haben das noch nie geschrieben, sondern nur gesagt.” – “Selbst erfunden oder von irgendwo übernommen?” – “Keine Ahnung, kannst ja mal googeln.”
Also google ich. “Noob” (gesprochen Nuhb) gibt es: als Abkömmling des Newbie, der wiederum ein Neuwort für einen Neuling ist. ”Nub” (gesprochen Nabb) gibt es auch: als Kernstück, aber auch als Knopf oder Noppe. Beides stimmt nicht mit der von Leonie genannten Bedeutung überein. Muss es aber auch nicht, wer von uns kennt sich… weiter lesen
06.02.2009 von Detlef Guertler
Im strömenden Regen barfuß und mit hochgekrempelter Hose auf der Dachterrasse geschuftet, um den Abfluss wieder freizubekommen und damit den See trockenzulegen, der sich auf dem Dach gebildet hatte und durchs Mauerwerk ins darunter liegende Schlafzimmer tropfte. Durchgefroren (ja, auch in Marbella kann es kalt sein) sitze ich am Kamin und entbibbere mich langsam. Clemens kommt zu mir und kuschelt sich an. “Ich mag Regen nur, wenn es Schönheitsregen ist.” – “Schönheitsregen?” – “Ja, so ein ganz leichter, weicher Regen. Den mag ich.”
Doch, da kann man drüber reden. Aber wenn ich mir so die Decke in unserem Schlafzimmer anschaue: Die knapp 200 Millimeter Niederschlag, die in dieser Woche über Marbella niedergingen, sind ganz bestimmt kein Schönheitsregen gewesen.
22.01.2009 von Detlef Guertler
Mileurista ist spanisch, und der Begriff für Erwerbstätige, die nicht mehr als 1000 Euro im Monat verdienen (wie in diesem Blog auch bereits beschrieben und eingedeutscht). Milwortista ist ein daran angelehnter Hispanizismus (sagt man das so?) für Blogger, die nicht mehr als 1000 neue Wörter gefunden haben.
Womit dieses Wort eigentlich im Moment des Aufschreibens zum Unwort wird, da es sich um das tausendste in diesem Blog handelt. Weshalb es in diesem Fall auch kein Drama wäre, wenn sich das Wort nicht über diesen Eintrag hinaus verbreiten sollte.
Zur Feier des Anlasses erlaube ich mir etwas von dem, was sonst in diesem Blog nichts zu suchen hat (sollten Sie es doch an der einen oder anderen Stelle gefunden haben, dürfen Sie es gerne behalten): Selbstbespiegelung, Ichbezogenheit, Behelligung der Menschheit mit Persönlichkeitsfixierung: Warum mache ich das überhaupt und wie geht es mir dabei?
Aber zuerst ein wenig Statistik:
1000… weiter lesen
01.01.2009 von Detlef Guertler
Die hungrige Kinderschar stürzt sich mit satter Zweidrittelmehrheit (Clemens natürlich nicht) auf die frisch aus dem Backofen kommenden Yuffka-Blätter mit Brokkolicreme. Man kann kaum so schnell schauen, wie das Essen in den Mündern der Mädchen verschwindet. Nur ein kleines Stück vom Rand des Backblechs bleibt übrig, fast reines Yuffka, kein Brokkoli. “Für dich, Papa”, sagt Lucie gönnerhaft, und schiebt mir den Rest zu, “das ist mir zu randig.”
26.12.2008 von Detlef Guertler
Küchenschränke aufgeräumt; was soll man auch sonst am 2. Feiertag machen, wenn man nicht ans nächste Buchkapitel heranwill und die Quittungen für die Spesenabrechnungen schon sortiert sind? Dabei ganz hinten eine Pralinenschachtel gefunden, die niemand von uns je gekauft hat, und von der sich auch keiner erinnert, sie jemals geschenkt bekommen zu haben. Jetzt aber nichts wie weg damit, das Haltbarkeitsdatum ist immerhin schon seit einem halben Jahr abgelaufen.
“Kinder, Pralinen!”, rufe ich durch die Wohnung – der Kakao für beiden Kleinen ist schon warm, die 13jährige Leonie hingegen trainiert sich gerade auf Tee um. Sie greift nach den Pralinen, isst eine, verzieht sparsam das Gesicht und sagt: “Schmeckt ja wie Kalenderschokolade.” Mit all dem Abscheu in der Stimme, den diese kleinen, allzu gut abgehangenen Milchschokoladestückchen in ihr erweckt haben, als sie noch Schoko-Adventskalender bekam. Von den gestern selbst gebackenen Vanillekipferln kann sie hingegen gar nicht genug bekommen.
Und da… weiter lesen
24.12.2008 von Detlef Guertler
“Papa, jetzt ist Heiligmorgen, oder?” – “Ja, Lucie.”
20.12.2008 von Detlef Guertler
“Lucie ist zu jung für ihr Alter” ätzt die große Schwester Leonie beim Lebkuchenhausverzieren. “Lucies Gehirn ist erst acht, obwohl sie schon zehn ist.” Das lässt sich Lucie natürlich nicht bieten: “Dann ist Leonie zu alt für ihr Junger”, sagt sie. “Junger gibt’s gar nicht”, trumpft Leonie auf. “Gibt’s wohl”, gibt Lucie zurück, und wendet sich an mich. “Papa, du hast doch damals auch geschrieben, dass es die Kleine gibt, obwohl es eigentlich immer die Größe heißt.”- “Stimmt, Lucie.” – “Dann kannst du doch jetzt auch schreiben, dass es Junger gibt: Wenn jemand nicht alt, sondern jung ist, hat er eben kein Alter, sondern Junger.” – “Okay, mach’ ich.”
15.12.2008 von Detlef Guertler
“Los Papa, Playmobil!”, ruft Clemens, und will mich in sein Zimmer ziehen. “Erst aufräumen”, antworte ich, “wir fliegen morgen wieder nach Deutschland, da muss dein Zimmer vorher aufgeräumt sein.” – “Aber das geht doch nicht”, wendet Clemens ein, “ich kann doch das Playmobil erst aufräumen, nachdem wir gespielt haben.” Stimmt eigentlich. “Aber dann fang doch wenigstens schon mal an, die Bücher wieder ins Regel zu stellen”, schlage ich vor. “Okay, anräumen”, sagt Clemens, und läuft los, dreht sich noch mal zu mir um und sagt: “Aber du kommst mit.” – “Gleich, Clemens”, antworte ich, “ich muss erst noch das Anräumen in die Wortistik eintragen.”
02.12.2008 von Detlef Guertler
“Hast du mein Wort schon geschrieben?”, fragt mich Lucie gerade, als ich ein ganz anderes Wort hier eintragen wollte (siehe nächsten Eintrag). “Welches Wort”, frage ich, völlig un-schuldbewusst. “Na, märchen”, sagt Lucie. So wie Märchen, nur als Verb. “Ach das”, antworte ich, “das gefällt mir nicht. Das klingt nicht gut: Ich märche, du märchst und so weiter, und man braucht es eigentlich auch nicht, weil meistens noch genannt werden sollte, was mit dem Märchen so passieren soll. Es ist ja doch ein Unterschied, ob du mich bittest, dir ein Märchen vorzulesen, dir ein Märchen zu erzählen, oder mir ein Märchen auszudenken.”
“Na gut.” Lucie gibt tatsächlich klein bei. Aber nicht lange. “Hast du denn mein Wort von letzter Woche überhaupt aufgeschrieben?” – “Von letzter Woche?” -”Ja. Als wir beim Chiropraktiker waren. Ich wegen Osgoid Schlatter, und du wegen deiner Schulter.” – “Ach, ich erinnere mich wieder. Auf der Rechnung stand… weiter lesen