Gerade frisch erfunden von Citi-Analyst Willem Buiter als Abkürzung für den Ausstieg bzw. Rausschmiss Griechenlands aus der Eurozone:
We raise our estimate of the likelihood of Greek exit from the eurozone (or ‘Grexit’) to 50% over the next 18 months from earlier estimates of ours which put it at 25-30%.
Hübsch, oder? Und extrem praktisch, wenn es ums Überschriftenmachen oder Tweeten geht, da ist ja jeder Buchstabe kostbar. <ironie on> Nicht dass man das Wort Grexit wirklich brauchen würde, die Eurozone lässt ja niemanden aussteigen. <ironie off> Aber wenn doch, hat man mit dem schon bereitliegenden Wort eben eine Sorge weniger, um die man sich kümmern muss.
Archive for the ‘Krankbank’ Category
Ist es nicht jedesmal wieder schön, wenn ein deutsches Wort sich in fremdsprachige Texte einschleicht!? Und noch dazu in der Überschrift! So wie gerade heute bei meinem Lieblings-Analysten Edward Hugh: The Massendowngrade Effect – wie schon irgendeiner dieser Kauders bemerkte, wird in Europa endlich wieder Deutsch gesprochen.
Ach: Sie meinen, Downgrade sei gar kein deutsches Wort? Doch, natürlich ist es das, verwendet doch jeder in diesen Tagen, und versteht doch auch jeder, wäre damit sogar ein prima Kandidat für die Wahl zum Anglizismus des Jahres gewesen, hat aber wieder mal keiner vorgeschlagen; nicht mal der Wortist, von dem stammt diesmal der Vorschlag “Haircut”.
Und unabhängig davon, wie deutsch man den Downgrade empfindet: Der Massendowngrade ist total deutsch. “Wollt Ihr den totalen Downgrade??” Und das begeisterte “Jaaaaa!!!!” kommt diesmal nicht aus dem Berliner Sportpalast, sondern aus der New Yorker Wall Street, wo ja… weiter lesen
“Dieser bedingungslose Europa-Populismus von Herrn Brandenstein widert mich an”, kotzt sich Sebastian Bethge auf der Facebook-Seite eben jenes Philipp von Brandensteins aus. Und das nur, weil Brandenstein sich erdreistete, auf eine “weitere Verschärfung des europapolitischen Kurses der CSU” hinzuweisen, “die nun ziemlich genau das Gegenteil von Merkels “mehr Europa” vertritt”.
Europa-Populismus, soso. Als ob irgend jemand in irgend einem Land Europas damit populistisch auf Stimmenfang gehen könnte, “mehr Europa” zu versprechen. Als ob nicht vielmehr in fast jedem Land Europas derzeit der Europa-Populismus darin bestünde, gegen Europa Stimmung zu machen. Anti-Europa-Populismus sozusagen.
Ach, wie sehr würde ich mir es wünschen, dass es wirklich und wahrhaftig so etwas wie einen Europa-Populismus gäbe! Dass die Parteien sich geradezu darin überschlügen, mehr und mehr und mehr Europa zu fordern, ob das nun gerade geht oder nicht. Wenn ich mich recht erinnere, gab es so etwas schon mal: vor mehr als… weiter lesen
Es mag vielleicht ein bisschen verfrüht scheinen, wenn ich hier den Namen für eine Krise vergebe, die es noch gar nicht gibt. Aber erstens ist sie eigentlich schon da, zweitens wird sie sich nach meiner Einschätzung mit Herdentriebsdynamik in den nächsten Wochen entwickeln, und drittens ist der Jahresanfang ohnehin eine gute Zeit, um das eine oder andere vorwegzunehmen, was in diesem Jahr noch so passieren wird. In diesem Fall also die Prognose, dass es im ersten Quartal, also ab jetzt, zum Endgame um den Euro kommt, weil die Banken auf Teufel komm raus auf den Zusammenbruch der Eurozone spekulieren und am Ende Deutschland mit ein paar hundert Milliarden Euro oder D-Mark Verlusten hängen bleibt. Es sei denn natürlich, man verstaatlicht vorher eurozonenweit die Banken…
Kurz zusammengefasst, was ich anderswo deutlich länger aufgeschrieben habe: Die Kapitalmärkte im allgemeinen und die Eurozonen-Banken im besonderen spekulieren in rapide steigendem Ausmass auf… weiter lesen
War ein paar Tage ziemlich offline und mit allem möglichen anderen beschäftigt, unter anderem mit einem Beitrag für den Wettbewerb um den Wolfson-Preis (mehr wird natürlich hier noch nicht verraten), so dass es jetzt doch schon eine Woche her ist, dass ich im Funkloch am Fusse der Pyrenäen zusammen mit Edward Hugh darüber diskutierte, was kurz-, mittel- und langfristig vom in der Tat reichlich historischen EU-Gipfel in Brüssel zu halten bzw. zu erwarten sei. Edward hat sich bereits ausführlich schriftlich dazu gemeldet, ich empfehle die Lektüre ausdrücklich, und möchte mich hier nur mit einem Aspekt beschäftigen, ausgehend von folgendem Satz aus seiner Analyse:
At the end of the day one thing is clear, and this has not been emphasised enough in the press reporting of the summit, this is the end of Keynesian demand management as a policy tool as it has been practised… weiter lesen
Ganz neu ist der Begriff natürlich nicht. Schon vor vier Jahren etwa wurde in einem Nutzer-Forum des Computerspiel-Entwicklers Paradox Interactive ein Eurogeddon-Spiel diskutiert – als Strategiespiel auf der Basis des Europas im 16. Jahrhundert. Varianten dazu gab es zwei Jahre später unter dem gleichen Namen auf der Basis des Europas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das ja in der Tat einige der furchtbarsten Ereignisse in der Geschichte des Kontinents versammelte.
Aber jetzt kommen wir gerade aus der Spiele-Welt in die Realität. “Death of a Currency as Eurogeddon approaches” meldet der Daily Telegraph mit vielen Worten, wofür Paul Krugman vor zehn Tagen nur einen Chart und zwei Sätze brauchte:
“ECB bailout or bust. And it’s looking like bust.”
Die Financial Times und der Economist vergleichen den Euro mit der Titanic (mit Deutschland als einzigem Passagier der Ersten… weiter lesen
Huch, da ist aber jemand aufgebürstet:
“So bleibt am Ende nur der Appell an all jene, die sich zur Spitze der internationalen Ökonomenzunft zählen: Positioniert euch zum Thema “Grenzen des Wachstums”. Oder schweigt für immer.”
Wobei es diesem Aufgebürsteten, Bernward Janzing, nicht so sehr ums Positionieren geht (das wäre ja mit ein bisschen Meinungsäusserung schon getan), die Ökonomen sollen richtig arbeiten:
“Dass die Postwachstumsgesellschaft kommt, daran kann – zumal in der aktuellen Weltlage der inflationierenden Rettungspakete – niemand mehr ernsthaft zweifeln. Nur die Frage, auf welche Weise sie kommt, ist offen. Entweder kommt sie so, wie wir sie aktiv gestalten, also “by design”. Oder sie bricht über uns herein mit unübersehbaren wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen, also “by desaster”. … Was wir brauchen, ist eine intensive öffentliche Debatte darüber, wie unsere Wirtschaft zu strukturieren ist in einer Welt, die kein quantitatives Wachstum mehr zulässt.”
Diese Forderung an “jene, die… weiter lesen
Bei den gigantischen Summen, die seit geraumer Zeit in den diversen Subprime-, Finanz-, Wirtschafts-, Staats- und Bankenkrisen hin- und hergeworfen werden, kann man schon mal den Überblick verlieren. Insbesondere, da sich die amerikanische und die deutsche Zählweise hier uneinig sind: “2 billion Euro” sind wahrscheinlich (aber nicht sicher) 2 Milliarden Euro, manchmal können es allerdings auch 2 Billionen Euro sein, was immerhin das Tausendfache wäre. Und da auch solche Beträge heutzutage vorkommen, siehe die berüchtigte “firepower” des EFSF, bleibt man oft ziemlich ratlos zurück.
Da ist es doch wirklich einfacher, wenn man zu den guten alten griechischen Zahlwörtern Zuflucht nimmt, die wir alle aus der Energiewirtschaft kennen: Kilo(=Tausend)wattstunden verbraucht man zuhause, Mega(=Million)watt haben Kraftwerke, Kernkraftwerke manchmal auch Giga(=Milliarden)watt. Der Stromverbrauch von ganzen Ländern wird am liebsten in Tera(=Billionen)wattstunden gemessen, und für den Brennwert der globalen Ölreserven rechnet man gerne mit Peta(=Billiarden)joule.
Das geht doch auch, wenn’s ums Geld geht: Deutschlands… weiter lesen
Ein schöner Vorschlag von Philipp Freiherr von Brandenstein:
Henkel sollte schleunigst eine eigene Partei gründen. Diese könnte dann – analog zu einer “bad bank” – als “bad party” die Verwirrten aller anderen politischen Formationen aufnehmen. Ich fürchte, die Sarrazins, Henkels und Gauweilers könnten sich leicht auf gemeinsame Grundsätze einigen.
In meinem traditionellen Jahresvorblick hatte ich für 2011 sogar zwei solcher Parteigründungen prophezeit.
- Eine von Manfred Brunner: “Der ehemalige bayerische FDP-Chef und EU-Politiker galt in den 1990er Jahren als Sonderling, weil er erst die Euro-Einführung bekämpfte und dann eine rechtsliberale Splitterpartei führte, den “Bund Freier Bürger”. Jetzt gründet der Krawall-Liberale gemeinsam mit Thilo Sarrazin und Hans-Olaf Henkel “Die Wutbürgerlichen”, eine Anti-Euro-, Anti-Kopftuchmädchen- und überhaupt Anti-Bewegung, die sich schnell eines regen Zuspruchs erfreut.”
- Und eine von Frank Schäffler, den ich am Rande des Dreikönigstreffens der FDP die “Stuttgart Tea Party” gründen ließ. Doch, leider, “vom… weiter lesen
Achtung, hier kommt die Lösung für die Eurokrise.
Doch, wirklich. Und ganz einfach.
Also:
- Problem Nummer Eins: Niemand will mehr die Staatsanleihen der Südeuro-Staaten kaufen, die Zinsen gehen durch die Decke.
- Problem Nummer Zwei: Alle wollen nur noch deutsche Staatsanleihen (Bunds) kaufen, die Zinsen sacken in den Keller und werden vielleicht bald sogar negativ, wie in der Schweiz.
- Problem Nummer Drei: Die Ausgabe gemeinsamer Eurozonen-Staatsanleihen, den sogenannten Eurobonds, wird zwar von vielen Ökonomen als beste Lösung für die Euro-Krise gesehen, aber in Deutschland von Regierung, Verfassungsgericht und Bevölkerung mit Abscheu zurückgewiesen. Zudem würde ihre Einführung ziemlich lange dauern, weil dafür jede Menge europäischer Verträge und Institutionen geändert und/oder geschaffen werden müssen.
- Problem Nummer Vier: Die derzeit praktizierte Lösung, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) Anleihen der Problemländer (PIIGS) aufkauft, verhindert zwar den sofortigen Zusammenbruch der Eurozone, widerspricht aber dem eigentlichen Auftrag der EZB, die sich nur um… weiter lesen