Archive for the ‘Leservorschlag’ Category

08.08.2011 von Detlef Guertler
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einleiden

von Detlef Guertler

von bschl:

Verkäufersprech ist bekanntlich meist eine stark eingeschränkte, zu häufig eine dröge Teilmenge des Deutschen, die wenig von der möglichen grammatischen Vielfalt unserer Sprache nutzt. Es richtet sich an den typischen Interessenten der jeweils angepriesenen Ware und gehorcht in seiner Entwicklung strikten Erfolgsprinzipien: Wer nicht verkauft, darf nicht sprechen. Daher wirkt es in seinem spezifischen Umfeld in der Regel eloquenter als das durchschnittlich gesprochene, geschwatzte und gegrunzte Deutsch. Wird Verkäufersprech seinem Umfeld entnommen, dann wirkt es jedoch meist fad und abgeschmackt.

Meine Tanzpartnerin (ausschließlich „Standard“, also Walzer, Slowfox, Quickstep, Tango und Wiener Walzer) ist Geschäftsführerin eines Fachgeschäftes für Tanzschuhe und Zubehör. Sie überraschte mich vor zirka zwei Wochen mit einem Wort, das ich a) für ein Neuwort halte und das ich b) der sprachlichen Schöpfungskraft eines Verkäufers niemals zugetraut hätte!

Wenn Damen Schuhe kaufen, dann wird Begehrlichkeit geweckt, weil der Schuh schick ist (nicht aus profanen Erwägungen, etwa, weil… weiter lesen

07.08.2011 von Detlef Guertler
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Servicekratie

von Detlef Guertler

von Polyphem:

Nebenan beim Reptilienfonds fand ich einen Link zum Wahlkampfflyer einer deutschen Partei. Diese versucht in Berlin durch Erfindung der “Servicekratie” zu skoren.

Lohnt es sich, dieses Neuwort zu veröffentlichen oder wird die FDP schneller abgebaut sein als die Bürokratie?

29.07.2011 von Detlef Guertler
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überwettbewerbsfähig

von Detlef Guertler

von J. Kopka:

Ich bin im ZEIT-Online-Interview mit Nouriel Roubini auf das schöne Wörtchen “überwettbewerbsfähig” gestoßen, das Deutschlands wirtschaftliche Stärke auch sprachlich in einen passenden Kontext setzt, wie ich finde. Denn Deutschland als wettbewerbsfähigstes Land der Eurozone zu bezeichnen, greift in gewisser Hinsicht ja zu kurz, da die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit zwischen den einzelnen Ländern der Eurozone so gravierend sind, dass nicht ohne Grund ihr Auseinanderbrechen diskutiert wird. Insofern ist überwettbewerbsfähig ein treffender Ersatz für den einfachen Superlativ “wettbewerbsfähigstes” (Land).
Eine kurze Google-Recherche erbrachte je nach Schreibweise (mit bzw. ohne “”) 3 oder 39 Treffer und den Korrekturvorschlag “über wettbewerbsfähig”, das Wort kann also vielleicht nicht als neu, mindestens aber als selten angesehen werden.

28.06.2011 von Detlef Guertler
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enttiteln

von Detlef Guertler

von A.S. Reyntjes:

“Das zeigt zurzeit niemand so deutlich, wie die gerade erst enttitelte Koch-Mehrin” formuliert der Sprach-Professor Anatol Stefanowitsch in seinem SPRACHLOG, mit dem Titel “Das Ende der Lügen”, am 22. Juni 2011.

Google meldet zwar auch ältere Verwendungen, aber innerhalb der Diskussionen um die entehrten Möchtegern-Doctores bildet Stefanowitsch direkten, konkreten und darüberhinaus sinnigen Sprachgebrauch.

(Zur Zeit einsehbarer VroniPlag-Stand der Überprüfungen bzw. Nachweisverfahren von Ent- oder Noch-Doktor-Graden politischer Elite.)

25.06.2011 von Detlef Guertler
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Dissertationsblüte

von Detlef Guertler

“Mir”, schreibt Wortistik-Leser Steffen Skalé, “ging in den letzten Monaten immer wieder mal die Wortschöpfung „Dissertationsblüte“ durch den Kopf, als ich von diversen Blüten, nicht nur im Stil der Arbeiten, las und hörte. Und eigentlich fehlt doch dieses Wort noch im allgemeinen Sprachgebrauch, da der Wert einer Blüte durch die promovierende Aufhübschung doch nicht unerheblich steigt.”

Ich würde die Blüte da eher anders verstehen wollen, nämlich so wie beim Falschgeld. So wie eine Blüte ein falscher Geldschein ist, wäre dann eine Dissertationsblüte eine falsche Dissertation, also eine, die nicht den an eine solche wissenschaftliche Arbeit zu stellenden Anforderungen genügt. Da gibt es bestimmt noch ein paar mehr Blüten am Wegesrand, die es zu pflücken gilt.

23.06.2011 von Detlef Guertler
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Ferngehen

von Detlef Guertler

“Habe ein schönes neues Wort gefunden: Ferngehen”, schreibt Wortistik-Leser Rico Grimm. Gefunden im Blog Simple Wahrheiten, und der wiederum hat das Wort auf einer Kneipenwand gefunden: “Lieber Ferngehen als Fernsehen!” steht da.

Und was soll das sein: Ferngehen? dachte ich zuerst. Und habe dann aber sehr schnell eine Erklärung gefunden – nämlich beim für Trendwörter sonst eher unzuständigen Verkehrsclub Österreich:
“Neue Medien: Vom Fernsehen zum Ferngehen”, heisst es dort, und weiter:
“Junge Menschen leben in einer globalen, digital vernetzten Welt, in der nicht das Kaffeehaus, sondern der Bildschirm, am Mobiltelefon und Computer, der Treffpunkt mit der Welt ist. Die wachsende virtuelle Mobilität wird genützt, um die physische Mobilität zu optimieren.”

Wenn jemand also sich unterwegs von seiner Umgebung abkapselt und in sein eigenes Umfeld eintaucht, ist er kopfmässig ganz ganz woanders als dort, wo seine Beine laufen – er geht also fern.

Doch, das gefällt mir.

07.06.2011 von Detlef Guertler
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anriechen

von Detlef Guertler

von Ludwig Trepl:

Ich möchte ein Wort vorschlagen, das zwar nicht neu ist, aber sehr, sehr selten und dessen Seltenheit seiner Bedeutung nicht angemessen ist.

Den Kritikern der Anglisierung des Deutschen stehen ja im allgemeinen nur recht schwache Argumente zu Gebote. Manche meinen, das Deutsche sei irgendwie reicher als andere Sprachen, was aber wohl die Sprecher dieser anderen von ihrer Sprache auch meinen. Manche sind der Auffassung, man solle halt beim Hergebrachten bleiben, was mich jedoch nur in meiner Eigenschaft als Konservativer überzeugt, und das ist nicht meine einzige. Manche meinen, die Anglizismen hören sich einfach blöd an, was aber nur manchmal gilt, z. B. im Falle von „Job“, denn das klingt nach Verstopfung, während „Dimmer“ sich auch nicht blöder anhört als „Helligkeitsregler“.

Der entscheidende, ja einzig relevante Kritikpunkt entgeht den Kritikern aber in aller Regel. Die meisten Anglizismen kommen dadurch zustande, daß der Sprecher fürchtet, man könnte ihm hinter… weiter lesen

04.06.2011 von Detlef Guertler
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zauderhaft

von Detlef Guertler

“Wunderschön! Danke, taz!”, schwärmt Wortistik-Leser Ludwig Trepl in seinem Blog über die Unterzeile eines taz-Beitrags (offenbar nicht online) zum Kirchentag:

“Leidenschaftlich wirken die Christen nur, wenn es  um die Sonntagsruhe geht. Bei Themen wie Atomkraft, Migranten oder Frauen wirken sie zauderhaft.”

Was ihm nicht so sehr inhaltlich, als vielmehr wortistisch gefällt:

“Endlich eine Formulierung, die mit Lob überhäuft zu werden verdient. Zauderhaft! Die taz hat’s nicht erfunden, das Wort kommt durchaus vor, allerdings sehr selten, wenn man es mit Google sucht; meist benutzt man es wohl nur versehentlich. Aber immerhin, Grillparzer kannte es, im Gegensatz zu meinem Duden und Canoonet.”

Dem folgen wir gerne – allerdings nicht ohne darauf hinzuweisen, dass dieses Adjektiv auch schon vor einem Monat in der taz auftauchte, damals in einem Text über Philipp Rösler. Was dafür spricht, dass die taz keine Kirchentag braucht, um kreativ zu werden…

31.03.2011 von Detlef Guertler
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plusone

von Detlef Guertler

von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:

Drei Gründe, warum +1 von Google scheitern wird
http://yuccatree.de/2011/03/drei-grunde-warum-1-von-google-scheitern-wird/

1. +1 ist zu nerdig und das Verb fehlt

Für den normalen Nutzer ist dieses “+1″ zu nerdig und abstrakt. Wirklich jeder kapiert sofort, was ein “Like”, “Gefällt mir” oder der erhobene Daumen bedeuten. Was dieses “+1″ soll, wird man den Leuten immer wieder erklären müssen. Die meisten werden es ignorieren und die Google-Suche einfach weiterhin nutzen, wie bisher.

Wie schon andere moniert haben: Google schlägt als Verb allen Ernstes “to plusone” vor. Man hat dann eine Seite “geplusoned” oder auf Deutsch “gepluseinst”. Bin ich wirklich der einzige, der da spontan an “einself” denken muss? Das Facebook-Verb “liken” ist schon hässlich genug, aber Googles Plusonanie völlig daneben. Naja, falls die Leute es wider erwarten lieben, werden sie andere Verben dafür finden, vielleicht einfach nur “plussen”. Dass Google-Mitarbeiter Matt Cutts sich auf der… weiter lesen

29.03.2011 von Detlef Guertler
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erdbebenkrank

von Detlef Guertler

von A.S. Reyntjes:

Als Krankheitsbegriff nicht endgültig definiert, dass es sich um eine psychosomatische Erkrankung handelt, die im Nachklang eines Erdbebens oder in der manischen Furcht vor einem gemeinten weiteren Erdbebens (als psychoseismische Körpererregung).
Vorläufig also, bis zum Eintritt weitere Fatalitäten, in einfachster Deutung: Die Angst vor dem nächsten Erdbeben (sozusagen das irdische Erwartung wie das priesterliche „Gelobt sei Jesus Christus“, als Formel zum Gesprächs- oder Briefende):
Hier zu verfolgen, solange die Bilder nicht wieder geophysikalisch wackeln.

Dort lese ich in feinstimmiger Sprachpoesie: «Erdbeben-Trunkenheit» nennen die Japaner diese Erkrankung.

In DIE ZEIT begegnete ich dem Begriffchen zuerst; sie berichtete unter „Erdbebenkrank“ von Niino Shinobu, 51, Übersetzerin und Museumsführerin in Tokyo:
„Selbst wenn die Erde nicht wackelt, wird mir schwindelig. Das nennt man »erdbebenkrank«. Es kommt wohl von der seelischen Belastung und dem Stress. In Gedanken bin ich bei den Helfern von Fukushima. Um… weiter lesen