23.06.2011 von Detlef Guertler
“Habe ein schönes neues Wort gefunden: Ferngehen”, schreibt Wortistik-Leser Rico Grimm. Gefunden im Blog Simple Wahrheiten, und der wiederum hat das Wort auf einer Kneipenwand gefunden: “Lieber Ferngehen als Fernsehen!” steht da.
Und was soll das sein: Ferngehen? dachte ich zuerst. Und habe dann aber sehr schnell eine Erklärung gefunden – nämlich beim für Trendwörter sonst eher unzuständigen Verkehrsclub Österreich:
“Neue Medien: Vom Fernsehen zum Ferngehen”, heisst es dort, und weiter:
“Junge Menschen leben in einer globalen, digital vernetzten Welt, in der nicht das Kaffeehaus, sondern der Bildschirm, am Mobiltelefon und Computer, der Treffpunkt mit der Welt ist. Die wachsende virtuelle Mobilität wird genützt, um die physische Mobilität zu optimieren.”
Wenn jemand also sich unterwegs von seiner Umgebung abkapselt und in sein eigenes Umfeld eintaucht, ist er kopfmässig ganz ganz woanders als dort, wo seine Beine laufen – er geht also fern.
Doch, das gefällt mir.
07.06.2011 von Detlef Guertler
von Ludwig Trepl:
Ich möchte ein Wort vorschlagen, das zwar nicht neu ist, aber sehr, sehr selten und dessen Seltenheit seiner Bedeutung nicht angemessen ist.
Den Kritikern der Anglisierung des Deutschen stehen ja im allgemeinen nur recht schwache Argumente zu Gebote. Manche meinen, das Deutsche sei irgendwie reicher als andere Sprachen, was aber wohl die Sprecher dieser anderen von ihrer Sprache auch meinen. Manche sind der Auffassung, man solle halt beim Hergebrachten bleiben, was mich jedoch nur in meiner Eigenschaft als Konservativer überzeugt, und das ist nicht meine einzige. Manche meinen, die Anglizismen hören sich einfach blöd an, was aber nur manchmal gilt, z. B. im Falle von „Job“, denn das klingt nach Verstopfung, während „Dimmer“ sich auch nicht blöder anhört als „Helligkeitsregler“.
Der entscheidende, ja einzig relevante Kritikpunkt entgeht den Kritikern aber in aller Regel. Die meisten Anglizismen kommen dadurch zustande, daß der Sprecher fürchtet, man könnte ihm hinter… weiter lesen
04.06.2011 von Detlef Guertler
“Wunderschön! Danke, taz!”, schwärmt Wortistik-Leser Ludwig Trepl in seinem Blog über die Unterzeile eines taz-Beitrags (offenbar nicht online) zum Kirchentag:
“Leidenschaftlich wirken die Christen nur, wenn es um die Sonntagsruhe geht. Bei Themen wie Atomkraft, Migranten oder Frauen wirken sie zauderhaft.”
Was ihm nicht so sehr inhaltlich, als vielmehr wortistisch gefällt:
“Endlich eine Formulierung, die mit Lob überhäuft zu werden verdient. Zauderhaft! Die taz hat’s nicht erfunden, das Wort kommt durchaus vor, allerdings sehr selten, wenn man es mit Google sucht; meist benutzt man es wohl nur versehentlich. Aber immerhin, Grillparzer kannte es, im Gegensatz zu meinem Duden und Canoonet.”
Dem folgen wir gerne – allerdings nicht ohne darauf hinzuweisen, dass dieses Adjektiv auch schon vor einem Monat in der taz auftauchte, damals in einem Text über Philipp Rösler. Was dafür spricht, dass die taz keine Kirchentag braucht, um kreativ zu werden…
31.03.2011 von Detlef Guertler
von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:
Drei Gründe, warum +1 von Google scheitern wird
http://yuccatree.de/2011/03/drei-grunde-warum-1-von-google-scheitern-wird/
1. +1 ist zu nerdig und das Verb fehlt
Für den normalen Nutzer ist dieses “+1″ zu nerdig und abstrakt. Wirklich jeder kapiert sofort, was ein “Like”, “Gefällt mir” oder der erhobene Daumen bedeuten. Was dieses “+1″ soll, wird man den Leuten immer wieder erklären müssen. Die meisten werden es ignorieren und die Google-Suche einfach weiterhin nutzen, wie bisher.
Wie schon andere moniert haben: Google schlägt als Verb allen Ernstes “to plusone” vor. Man hat dann eine Seite “geplusoned” oder auf Deutsch “gepluseinst”. Bin ich wirklich der einzige, der da spontan an “einself” denken muss? Das Facebook-Verb “liken” ist schon hässlich genug, aber Googles Plusonanie völlig daneben. Naja, falls die Leute es wider erwarten lieben, werden sie andere Verben dafür finden, vielleicht einfach nur “plussen”. Dass Google-Mitarbeiter Matt Cutts sich auf der… weiter lesen
29.03.2011 von Detlef Guertler
von A.S. Reyntjes:
Als Krankheitsbegriff nicht endgültig definiert, dass es sich um eine psychosomatische Erkrankung handelt, die im Nachklang eines Erdbebens oder in der manischen Furcht vor einem gemeinten weiteren Erdbebens (als psychoseismische Körpererregung).
Vorläufig also, bis zum Eintritt weitere Fatalitäten, in einfachster Deutung: Die Angst vor dem nächsten Erdbeben (sozusagen das irdische Erwartung wie das priesterliche „Gelobt sei Jesus Christus“, als Formel zum Gesprächs- oder Briefende):
Hier zu verfolgen, solange die Bilder nicht wieder geophysikalisch wackeln.
Dort lese ich in feinstimmiger Sprachpoesie: «Erdbeben-Trunkenheit» nennen die Japaner diese Erkrankung.
In DIE ZEIT begegnete ich dem Begriffchen zuerst; sie berichtete unter „Erdbebenkrank“ von Niino Shinobu, 51, Übersetzerin und Museumsführerin in Tokyo:
„Selbst wenn die Erde nicht wackelt, wird mir schwindelig. Das nennt man »erdbebenkrank«. Es kommt wohl von der seelischen Belastung und dem Stress. In Gedanken bin ich bei den Helfern von Fukushima. Um… weiter lesen
25.03.2011 von Detlef Guertler
von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:
“Seit Fukushima ist Spiegel Online total vertazt”, meint ein Kommentator im Primaklima-Blog.
Und so sieht Google dieses Wort.
17.03.2011 von Detlef Guertler
von A. St. Reyntjes:
Das sog., seit Fukushima plus 5 Tagen postulierte, von Frau Merkel und ihren Mitsprechern vehement vorgetragene “Moratorium” möchte ich eine „Merkelpause“ nennen.
Ich greife ansatzweise, nicht vollständig, zurück auf die bisher üblichen Definitionen des Begriffs „Moratorium“:
1. Aufschub,
2. Stundung,
3. Unterbrechung von Arbeitsvorgängen,
4. Zahlungseinstellung
5. Denkpause
6. Ein ehrlicher Versuch, den Fukushima-AKW-Schock zu verarbeiten.
Oder unbekanntes, undefinierbares, mit Schmackes unters
Wahlvolk gebrachte Plastikwort:
7. Ein wahlkampftaktisches Manöver, das in drei Monaten oder kurze Zeit später abgeblasen wird.
8. …. als meine Folgerung ist „Merkelpause“, um die diffusen Konnotationen des Ad-hoc-Begriffs einigermaßen anzudeuten.
26.02.2011 von Detlef Guertler
Gleich zweimal wurde in den Kommentaren zu guttenbergen für eine Alternative zu jenem Verb plädiert, nämlich für plaggen. Einmal von Antoninus:
Vielleicht wird sich “p l a g g e n” als Verbum zum einfacheren Synonym für unrechtmäßige, nicht nur universitäre Pseudo-Leistungen erweisen.
Und dann noch einmal von Walter:
“plaggen” könnte sich ähnlich wie “simsen” etablieren. “Plaggen Sie nicht!” geht einem auch leichter von den Lippen als “Plagiieren Sie nicht”. Plaggen passt phonetisch und inhaltlich auch zu “unplugged”, zwar nicht direkt im Sinne von “Musik ohne elektrische Hilfe” spielen, aber im übertragenem Sinn von “ohne unerlaubte Hilfe” schreiben.
Die Kombination aus Vorschlag und Begründung überzeugt mich schon ziemlich. Hinzu kommt noch, dass angesichts der ständig wachsenden scheinbar frei verfügbaren Content-Mengen und des dramatisch sinkenden Unrechtsbewusstseins (offensichtlich eben nicht nur bei pirativen Kids) es einen ebenfalls wachsenden Bedarf für ein eigenes Wort für diesen Vorgang des sich… weiter lesen
20.02.2011 von Detlef Guertler
von Hans-Martin:
Neues Verb? “guttenbergen” für hemmungslos plagiieren und anschließend die Tat herunterspielen?
30.12.2010 von Detlef Guertler
“Sagt mal, passiert euch das auch manchmal?”, fragt Dr. Stefan Schneider, Noch-Deutschlehrer in Marbella, beim Abendessen: “dass ihr so aufgeregt seid, dass ihr gleich zwei Wörter auf einmal sagt? So dass dann so etwas herauskommt wie ‘Mein Gott, bist du bloof!’”
Naja, also eigentlich passiert mir das nicht, glaube ich. Also zumindest nicht mit blöd und doof. Aber klingt trotzdem gut, oder?