Archive for the ‘Unword’ Category

08.06.2009 von Detlef Guertler
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lumbacken

von Detlef Guertler

Brezelbacken kennt man, auch für jegliches andere Gebäck sowie Ziegel und Tonkunst (aus Ton, nicht aus Tönen), kann ein Verb mit -backen gebildet werden. Aber lumbacken? Und das in einem Kontext, in dem es gar nicht ums Backen, sondern um die Produktion von Zeitschriften ging? Ich brauchte eine Weile, bis der Groschen fiel: Es ging um die Klebebindung, die auf Deutsch nach ihrem Erfinder Emil Lumbeck eben Lumbecken heißt. Und wenn man das aufschreiben möchte, und wenn man gewöhnt ist, dass Fachbegriffe immer aus dem Englischen kommen, und wenn man weiß, dass der Rücken auf Englisch “back” heißt, dann nennt sich ein geklebter Zeitschriftenrücken eben Lumback, und das Tätigkeitswort dazu lumbacken.

Logisch, klar. Nur eben komplett falsch. Und sicher ein großartiges Beispiel für die Feinde der Anglisierung der deutschen Sprache: Macht doch der Anglizismus im Kopf ehrbare deutsche Nachnamen kaputt. Wer weiß, vielleicht muss ich meine (selbstverständlich gelumbeckte)… weiter lesen

01.03.2009 von Detlef Guertler
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Wirksysteme

von Detlef Guertler

von polyphem:

Als ich vor vielen Jahre in der Bekleidungsindustrie meine berufliche Laufbahn begann, lernte ich, was Spinnmaschinen, Webstühle, Nähmaschinen und Wirkmaschinen sind. Heute habe ich durch den folgenden taz-Artikel erfahren, dass “Wirksysteme” keine erweiterten oder größere Wirkmaschinen sind. “Wirksysteme” sind das, was Waffendealer herstellen und womit sie handeln. Bei mir bewirkt solche “Sprachkunst” leises Frösteln.

P.S.: Natürlich sind es “intelligente Wirksysteme”, die da auf den Markt “geworfen” werden.

22.01.2009 von Detlef Guertler
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Milwortista

von Detlef Guertler

Mileurista ist spanisch, und der Begriff für Erwerbstätige, die nicht mehr als 1000 Euro im Monat verdienen (wie in diesem Blog auch bereits beschrieben und eingedeutscht). Milwortista ist ein daran angelehnter Hispanizismus (sagt man das so?) für Blogger, die nicht mehr als 1000 neue Wörter gefunden haben.

Womit dieses Wort eigentlich im Moment des Aufschreibens zum Unwort wird, da es sich um das tausendste in diesem Blog handelt. Weshalb es in diesem Fall auch kein Drama wäre, wenn sich das Wort nicht über diesen Eintrag hinaus verbreiten sollte.

Zur Feier des Anlasses erlaube ich mir etwas von dem, was sonst in diesem Blog nichts zu suchen hat (sollten Sie es doch an der einen oder anderen Stelle gefunden haben, dürfen Sie es gerne behalten): Selbstbespiegelung, Ichbezogenheit, Behelligung der Menschheit mit Persönlichkeitsfixierung: Warum mache ich das überhaupt und wie geht es mir dabei?

Aber zuerst ein wenig Statistik:

1000… weiter lesen

14.12.2008 von Detlef Guertler
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Gammelfleischparty

von Detlef Guertler

Über das angebliche Jugendwort des Jahres muss hier nicht mehr viel gesagt werden, weil fast alles, was dazu gesagt werden muss, bereits vor drei Monaten von Anatol Stefanowitsch gesagt wurde:

Jugendlichen zu unterstellen, sie interessierten sich für solche Parties ausreichend, um ein Wort dafür zu erfinden zeigt, wieviel die Macher der Liste von Unter-Dreißigjährigen verstehen. Der einzige echte Treffer, den ich finden konnte, ist ein Zitat aus einer Büttenrede — dass die ein Jugendlicher gehalten hat, darf bezweifelt werden.

Ergänzen möchte ich lediglich eine Quelle, die bereits am 30. Dezember 2006 das Wort Gammelfleisch in der hier gefragten Bedeutung verwendet hat – den Wortisten, als er wie jedes Jahr zu Silvester in der WELT einen Rückblick auf das kommende Jahr publizierte:

Sage keiner, die Skandale des Jahres 2007 hätten keinen Unterhaltungswert gehabt. Schon der erste in dieser langen Kette gab da dieweiter lesen

29.11.2008 von Detlef Guertler
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actimelisieren

von Detlef Guertler

In Zeiten so schwerer ökonomischer Krisen und herannahender Advente soll an dieser Stelle einmal nicht über die begonnene 2. Weltwirtschaftskrise gejammert, sondern ein Zeichen der Hoffnung gesetzt werden: Obwohl offenbar schon seit mehr als einem Jahr eine granatendumme Joghurt-Werbung versucht, das Verb actimelisieren in die deutsche Sprache einzuschleusen, gibt es immer noch erst 17 Google-Treffer dazu, und die meisten davon distanzieren sich voll Abscheu von dieser Wortschöpfung.

Danke, Deutschland, für so viel Abwehrkräfte gegen dummdeutsche Werbung.

23.11.2008 von Detlef Guertler
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Kreditersatzgeschäft

von Detlef Guertler

Banken sammeln Geld bei Anlegern ein und vergeben Kredite an Kreditnehmer, und mit der Differenz zwischen Guthaben- und Kreditzinsen zahlen sie ihre Beschäftigten, ihre Filialen, die Zahlungsausfälle von Schuldnern und ihre Dividenden. So weit das ganz klassische Modell. Was aber macht eine Bank, die mehr Anlegergeld als Kreditnachfrage hat? So wie traditionell die Postbank und vor einigen Jahren die Landesbanken, die sich noch vor dem Wegfall der Gewährträgerhaftung im Jahr 2005 günstig mit Fremdkapital eingedeckt hatten? Sooo günstig, dass man das Geld einfach in den Tresor legen könnte, war es denn doch nicht, und auch die Zinsen aufs Postsparbuch müssen ja irgendwie verdient werden. Die grenzgeniale Antwort dieser Banken: Wir machen Kreditersatzgeschäft. Das Geld, das wir eigentlich als Kredit vergeben könnten, legen wir selbst irgendwo an.

Besonders hübsch hat das die Postbank in ihrem Geschäftsbericht für 2007 formuliert: (PDF)

Der hohe Einlagenüberhang der letzten Jahre wurdeweiter lesen

14.09.2008 von Detlef Guertler
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purchen

von Detlef Guertler

Oh Scheiße, ist das peinlich:

“Uns stellte sich die keineswegs nahe liegende Frage, wie es zu nennen sei, wenn während des Schnarchens an einer anderen Stelle des Körpers Luft entwiche, unfreundlich als “furzen” oder verniedlicht als “pupsen” bezeichnet. Beides beklagenswert unschöne Beschreibungen für diesen völlig unbeabsichtigten, oft geräuschlosen, laut nur allein lustvoll ausgeübten allzu menschlichen Vorgang.

Ohne auf die Albereien beim Wortfindungsprozess näher einzugehen: Wir haben uns für den unwahrscheinlichen Fall der Dualität der beschriebenen Ereignisse auf die Bezeichnung “purchen” geeinigt. Ein Wort, das sich nicht zwingend ergibt, aber der Sache die Peinlichkeit nimmt.”

Und das in einer sich immer noch als progressiv-überregional verstehenden Tageszeitung! Und das von einer Autorin, die von 1998 bis 2002 zweite stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung gewesen sein will! Da eben jene Charima Reinhardt auch mit all ihren fantasiebegabten Freunden, mit denen sie in entspannter Stimmung auf einem idyllischen Fleckchen Erde in Italien in… weiter lesen

30.06.2007 von Detlef Guertler
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Nachrichtenvernichtung

von Detlef Guertler

Daten kann man löschen und vernichten, keine Frage. Bei Informationen ist das mit dem Vernichten ebenfalls einfach, aber das Löschen klappt schon nicht mehr. Da die Information nicht der physischen Welt angehört, sondern nur im Zusammenhang mit unseren Gehirnen ihr Eigenleben entfaltet, lässt sich allenfalls das Trägermedium löschen, mit dem die Information transportiert werden sollte, wodurch sie durchaus vernichtet werden kann.

So viel zur Vorrede. Und jetzt zu Winfried Nachtwei. Dieser, von Beruf Grünen-Bundestagsabgeordneter und Verteidigungsexperte, äußerte zur Datenlöschungsaffäre im Verteidigungsministerium, er habe “keine Anhaltspunkte, dass es eine bewusste oder gewollte Nachrichtenvernichtung gegeben haben könnte”. Das ist natürlich ebenso richtig wie nichtig, da Nachrichten nicht vernichtet werden können. Bei ihnen handelt es sich schließlich um jene Untergruppe von Informationen, die für den Empfänger einen gewissen Neuigkeitswert haben (sollen), was in der englischen Übersetzung “news” noch deutlicher zum Ausdruck kommt.

Solange es keinen Empfänger gibt, kann es sich also… weiter lesen

18.02.2007 von Detlef Guertler
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Wissensmanagement

von Detlef Guertler

These 26 des Optimistischen Manifests:

Wer Wissen managen möchte, wird scheitern.

08.01.2007 von Detlef Guertler
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Winterhitze

von Detlef Guertler

Nee, liebe Kollegen von der FTD, so nicht. “Winterhitze treibt Klimadebatte an”, schreibt ihr heute. Aber so etwas wie Winterhitze existiert schlicht nicht und wird nie existieren. 10 Grad in Deutschland sind keine Winterhitze, und übrigens auch nicht die 22 Grad, die an diesem Wochenende im New Yorker Central Park gemessen worden sein sollen.

Zugegeben, 22 Grad in New York, das ist für die Jahreszeit bei weitem zu warm. Winterwärme wäre also voll und ganz gerechtfertigt. Aber Hitze kann nur genannt werden, was heiß ist.  Und 22 Grad sind nun mal nicht heiß. Als Wasser sind sie kalt, allenfalls lauwarm, als Luft sind sie frühlingshaft bis sommerlich warm, aber Hitze fängt bei 30 Grad an, und nicht früher.
Winterhitze wäre in den Tropen möglich, wo es um diese Zeit genau wie zu jeder anderen Zeit höllisch heiß werden kann. Aber exakt deswegen, weil es sich um die… weiter lesen