16.01.2012 von Detlef Guertler
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Massendowngrade

von Detlef Guertler

Ist es nicht jedesmal wieder schön, wenn ein deutsches Wort sich in fremdsprachige Texte einschleicht!? Und noch dazu in der Überschrift! So wie gerade heute bei meinem Lieblings-Analysten Edward Hugh: The Massendowngrade Effect – wie schon irgendeiner dieser Kauders bemerkte, wird in Europa endlich wieder Deutsch gesprochen.

Ach: Sie meinen, Downgrade sei gar kein deutsches Wort? Doch, natürlich ist es das, verwendet doch jeder in diesen Tagen, und versteht doch auch jeder, wäre damit sogar ein prima Kandidat für die Wahl zum Anglizismus des Jahres gewesen, hat aber wieder mal keiner vorgeschlagen; nicht mal der Wortist, von dem stammt diesmal der Vorschlag “Haircut”.

Und unabhängig davon, wie deutsch man den Downgrade empfindet: Der Massendowngrade ist total deutsch. “Wollt Ihr den totalen Downgrade??” Und das begeisterte “Jaaaaa!!!!” kommt diesmal nicht aus dem Berliner Sportpalast, sondern aus der New Yorker Wall Street, wo ja… weiter lesen

13.01.2012 von Detlef Guertler
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Inaktivismus

von Detlef Guertler

“Bist du eigentlich auch bei Twitter?”, frage ich Kollegin Anja beim Arbeitsessen. “Angemeldet schon”, sagt sie, “aber mehr auch nicht. Einige haben mich wegen Inaktivismus auch schon wieder ungefollowt.” Kurzes Stutzen. “Sagt man eigentlich ungefollowt?”, fragt sie mich dann. “Kann man schon”, antworte ich, “es sieht nur geschrieben ziemlich doof aus. Aber Inaktivismus sagt man eigentlich nicht. Man sagt Nichtstun oder Faulheit, oder allenfalls Inaktivität.” – “Das ist dann allerdings ein eher zufälliges oder unbewusstes Nichtstun – man könnte genausogut auch etwas tun, man macht es nur nicht. Aber wenn man ganz bewusst etwas nicht tut, oder gar überhaupt nichts tut, dann ist das doch eigentlich nicht mehr Inaktivität, sondern eben schon Inaktivismus.”

Zum Beispiel, wenn man wie Anja einen Twitter-Account anmeldet, damit niemand anders sich unter dem eigenen Namen anmelden kann, aber diesen dann selbst nicht nutzt. Oder auch, wenn man sich wie der Finanzinvestor Blackstone dutzendweise Domain-Namenweiter lesen

07.01.2012 von Detlef Guertler
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Europa-Populismus

von Detlef Guertler

“Dieser bedingungslose Europa-Populismus von Herrn Brandenstein widert mich an”, kotzt sich Sebastian Bethge auf der Facebook-Seite eben jenes Philipp von Brandensteins aus. Und das nur, weil Brandenstein sich erdreistete, auf eine “weitere Verschärfung des europapolitischen Kurses der CSU” hinzuweisen, “die nun ziemlich genau das Gegenteil von Merkels “mehr Europa” vertritt”.

Europa-Populismus, soso. Als ob irgend jemand in irgend einem Land Europas damit populistisch auf Stimmenfang gehen könnte, “mehr Europa” zu versprechen. Als ob nicht vielmehr in fast jedem Land Europas derzeit der Europa-Populismus darin bestünde, gegen Europa Stimmung zu machen. Anti-Europa-Populismus sozusagen.

Ach, wie sehr würde ich mir es wünschen, dass es wirklich und wahrhaftig so etwas wie einen Europa-Populismus gäbe! Dass die Parteien sich geradezu darin überschlügen, mehr und mehr und mehr Europa zu fordern, ob das nun gerade geht oder nicht. Wenn ich mich recht erinnere, gab es so etwas schon mal: vor mehr als… weiter lesen

05.01.2012 von Detlef Guertler
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bemakeln

von Detlef Guertler

Heribert Prantl in der Süddeutschen über den Noch-Präsidenten und sein heutiges Interview:

“Man kann daher Mitleid haben mit Wulff; man muss Mitleid haben mit dem Amt, das er nicht ausfüllt. Das Amt, das bis vor kurzem ein Glücksfall war in der bundesdeutschen Geschichte, ist bemakelt und blamiert.”

Bemakeln kenne ich als Verb bisher nicht, nur das ganz andere Makeln. Genau wie vermakeln ist es mit dem Beruf des Maklers verbunden, den viele zwar für einen Makel halten, der aber sprachlich eine ganz andere Herkunft hat als eben jener Makel. Makler kommt sprachgeschichtlich aus dem Niederdeutschen und bezeichnet einen Unterhändler, der Makel hingegen vom lateinischen macula, was Fleck bedeutet.

Bemakelt ist demnach befleckt, und bemakeln ist beflecken. Das kommt zwar ein bisschen sehr getragen daher, aber, ja doch, in diesem Zusammenhang ist ein Griff in die Pathos-Kiste völlig gerechtfertigt. Man wird ja nun wirklich nicht… weiter lesen

02.01.2012 von Detlef Guertler
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Target-Krise

von Detlef Guertler

Es mag vielleicht ein bisschen verfrüht scheinen, wenn ich hier den Namen für eine Krise vergebe, die es noch gar nicht gibt. Aber erstens ist sie eigentlich schon da, zweitens wird sie sich nach meiner Einschätzung mit Herdentriebsdynamik in den nächsten Wochen entwickeln, und drittens ist der Jahresanfang ohnehin eine gute Zeit, um das eine oder andere vorwegzunehmen, was in diesem Jahr noch so passieren wird. In diesem Fall also die Prognose, dass es im ersten Quartal, also ab jetzt, zum Endgame um den Euro kommt, weil die Banken auf Teufel komm raus auf den Zusammenbruch der Eurozone spekulieren und am Ende Deutschland mit ein paar hundert Milliarden Euro oder D-Mark Verlusten hängen bleibt. Es sei denn natürlich, man verstaatlicht vorher eurozonenweit die Banken…

Kurz zusammengefasst, was ich anderswo deutlich länger aufgeschrieben habe: Die Kapitalmärkte im allgemeinen und die Eurozonen-Banken im besonderen spekulieren in rapide steigendem Ausmass auf… weiter lesen

01.01.2012 von Detlef Guertler
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Nahseher

von Detlef Guertler

“Nichts los hier im Nahsehprogramm”, quengelt Leonie, 16, gerade. Mindestens fünf Minuten lang ist niemand mehr durch jene kleine Gasse Calle Buitrago in Marbellas Altstadt gelaufen, die man vom Esstisch in unserer neuen Wohnung so gut im Blick hat – vor allem, wenn man direkt vor dem Kamin sitzt.

Nach zwei Wochen mitten in der Altstadt bekommen wir langsam ein Gefühl für den Rhythmus der Gasse. Jeden Morgen gegen acht Uhr fegt die städtische Reinigungskraft hier entlang; eine gute Stunde später stellen die Jungs von der Churreria ihre Stühle raus, bald danach donnert der erste Fußball an das Gitter unseres Wohnzimmerfensters (in der Schulzeit hoffentlich erst später), und das alte Ehepaar von nebenan schlurft spazieren. Das Abendprogramm schließlich läutet David ein, wenn er sich gegen 21 Uhr zur Arbeit in seine Bar „Barbella“ begibt (Es kann gar nicht illegal sein, wenn ich ihn dort mit unseren minderjährigen Kindern besuche, weil… weiter lesen

29.12.2011 von Detlef Guertler
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Abgrundtrend

von Detlef Guertler

“Für die Entwicklung der FDP muss man schon fast ein neues Wort erfinden”, twittert Daniel Eckert: “Abwärtstrend reicht da nicht. Vielleicht: Abgrundtrend.”

Das Wort ist in der Tat neu – im ganzen Google-Reich ist kein einziger Treffer dafür zu finden. Und es wäre nicht nur für die FDP brauchbar, sondern gerade dort, wo Eckert eigentlich beruflich zuhause ist: an den Kapitalmärkten. Ob es sich um die Anleihenkurse von Staatspleitenkandidaten wie Griechenland oder um die Aktienkurse von Pleitefirmen wie Solon handelt, es gibt eine ganze Reihe von Kurs-Entwicklungen, die Chart- oder sonstige -Analysten einen kurz bevorstehenden Exitus prophezeien lassen. Und so lässig wie ihnen Abwärts-, Aufwärts- und Seitwärtstrend von den Lippen gehen, könnte es in solchen Extrem-Situationen auch mit dem Abgrundtrend gehen. Er signalisiert, dass sich eine Kursentwicklung eben nicht mehr irgendwie normalisiert, sondern komplett aus dem bisherigen Rahmen herausgefallen ist. So dass nur noch ein Wunder… weiter lesen

18.12.2011 von Detlef Guertler
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Flauschstorm

von Detlef Guertler

Marina Weisband geht auf dem Zahnfleisch dieses Wochenende. Und wie sich das für die Geschäftsführerin der Piratenpartei gehört, lässt sie uns alle daran auf Twitter teilhaben:

“Bin so fertig…” … “Erschöpft und müde und keine Lust auf Gesellschaft” … “Ich bin zu fertig, um Vampire zu spielen. Das ist das Ende des Abendlandes.” … “Ich wollte seit 4 Stunden mit einem Buch auf dem Sofa liegen, und ich arbeite Emails ab. Hört auf, mir Emails zu schreiben” … “Super, die tolle “Fan-Mail” hat mich zum ersten mal zum Weinen gebracht. Wenn ihr nur beleidigen wollt, warum lasst ihr das Schreiben nicht?” … “Warum hält irgendjemand auf dieser Welt es für produktiv, andere ohne Not zu beleidigen?”

Es ist aber auch wirklich anstrengend, eine Person öffentlichen Interesses und Ärgernisses zu sein. Denn es melden sich ja auch wirklich nur diejenigen, die sich über dich ärgern, die dich fertig machen… weiter lesen

16.12.2011 von Detlef Guertler
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Ein deutsches Wort für austerity

von Detlef Guertler

War ein paar Tage ziemlich offline und mit allem möglichen anderen beschäftigt, unter anderem mit einem Beitrag für den Wettbewerb um den Wolfson-Preis (mehr wird natürlich hier noch nicht verraten), so dass es jetzt doch schon eine Woche her ist, dass ich im Funkloch am Fusse der Pyrenäen zusammen mit Edward Hugh darüber diskutierte, was kurz-, mittel- und langfristig vom in der Tat reichlich historischen EU-Gipfel in Brüssel zu halten bzw. zu erwarten sei. Edward hat sich bereits ausführlich schriftlich dazu gemeldet, ich empfehle die Lektüre ausdrücklich, und möchte mich hier nur mit einem Aspekt beschäftigen, ausgehend von folgendem Satz aus seiner Analyse:

At the end of the day one thing is clear, and this has not been emphasised enough in the press reporting of the summit, this is the end of Keynesian demand management as a policy tool as it has been practisedweiter lesen

12.12.2011 von Detlef Guertler
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swaghalsig

von Detlef Guertler

von Antoninus Reyntjes:

Der Sprachloger (nein: nicht Sprachbloger) Prof. A. Stefanowitsch hat das englisch-deutsche Adjektiv “swaghalsig” gekürt, ach: kreiert; eine waghalsige Operation, nahe am Herzen der deutschen Sprache: draufgängerisch, heldenhaft, heldenmütig(oder nur simpel: mutig), kühn, vermessen, verwegen, tatendurstig, taten-, nein: ta-pfer, todesmutig, tollkühn, kämpferisch, unerschrocken, herzhaft unverzagt, wagemutig, (nein, nicht wagekundig); ja, auch beherzt; auch wenn es nur Umarmung am Hals sind: Umhalsungen zwecks Nachweis des Kreativitätpotenzials zweier Sprachen und eines Sprachfroschers, pardon: -forschers:
http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachmythen/2011-12-06/swaghalsige-jugendwoerter