19.02.2012 von Detlef Guertler
Ein ganzes Land im Casting-Show-Fieber:
DSDS – Deutschland sucht den Superpräsidenten
oder doch eher
USFB – Unser Star für Bellevue
Auch mit “The Voice of Germany”, “Germany’s Next Top President”, “Das Super-Präsidententalent” oder “Ich bin ein Star, lasst mich da rein!” werden derzeit gerne Witze gemacht. Ständig fliegen neue Namen durch die Gegend, hier ein Töpfer, da eine Limbach, ein Huber oder eine Käßmann, die Fanclubs basteln eifrig Facebook-Gruppen, die Gegner starten Shitstorms, aber leider hat immer noch kein Fernsehsender auf Live- und Dauerübertragung umgestellt.
Und leider gibt es auch noch immer nicht jene Blitztabelle, die als Innovation auch über das unspannende Baku-Casting hinaus Bestand haben sollte. Gerade hier wäre sie ja bestimmt hervorragend angebracht: mit diesem Hin- und Hergewoge von Kandidaten, die rausgevotet werden (wie alle Regierungsmitglieder durch die SPD) oder neu aus dem Berliner Geraune dazugestoßen werden (wie Huber oder Voßkuhle) oder sich verdächtig… weiter lesen
12.02.2012 von Detlef Guertler
“Raubmordkopieren war Gestern. Heute wird terrorkopiert! UrhG dem Staatsschutz übergeben!” Twitterte vor zehn Minuten Bundesoberpirat Sebastian Nerz und hängte als Hashtag eben jenen #Kopierterrorist an.
Die erste Antwort darauf kam von Jens Bethge: “Kopierterrorist – ist ein schönes Wort, das werd ich mir auf´s T-Shirt schreiben.”
Die zweite vom Wortisten: Kopierterrorist bzw. Kopierterrorismus sind in der Tat hervorragend geeignet, um in den Kampf gegen ACTA und andere Dreistigkeiten der Content-Mafia zu ziehen. Das kandidelt die Strategien der Geistigeigentumsschützer so über, dass es fast so aussieht, als wären Raubkopierer wirklich Robin Hoods.
09.02.2012 von Detlef Guertler
Dem A-Superplus-Blogger Don Alphonso, zu dem ich leider aus bekannten Gründen nicht verlinken kann, sollen in seinem FAZ-Blog “Stützen der Gesellschaft” hin und wieder ordentliche Stücke gelingen, sagen nicht nur die Mitglieder seines Fanclubs. Aber ich lese den Herren ja eigentlich nicht – außer natürlich, ein Text wird mir von unverdächtiger Seite empfohlen.
So wie diesmal von TeraEuro der heutige Wulff-Text. Und da steht doch tatsächlich das Wort “Politikerbewirtschaftung”. Ein Wort, das nicht nur mir, sondern auch Google neu war, und das aufs Trefflichste beschreibt, was Unternehmer, Manager und Lobbyisten so mit den Politikern anstellen, die das mit sich anstellen lassen.
Wie wir bei einem großen niedersächsischen Konzern hinlänglich erfahren haben, gibt es solche etwas unappetitlichen Bewirtschaftungen nicht nur für Politiker, sondern auch für Betriebsräte, Journalisten und Richter. Aber die lassen sich dann ja auch nicht mehr zum Bundespräsidenten wählen.
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Ach: Das mit… weiter lesen
07.02.2012 von Detlef Guertler
Gerade frisch erfunden von Citi-Analyst Willem Buiter als Abkürzung für den Ausstieg bzw. Rausschmiss Griechenlands aus der Eurozone:
We raise our estimate of the likelihood of Greek exit from the eurozone (or ‘Grexit’) to 50% over the next 18 months from earlier estimates of ours which put it at 25-30%.
Hübsch, oder? Und extrem praktisch, wenn es ums Überschriftenmachen oder Tweeten geht, da ist ja jeder Buchstabe kostbar. <ironie on> Nicht dass man das Wort Grexit wirklich brauchen würde, die Eurozone lässt ja niemanden aussteigen. <ironie off> Aber wenn doch, hat man mit dem schon bereitliegenden Wort eben eine Sorge weniger, um die man sich kümmern muss.
06.02.2012 von Detlef Guertler
Gerade den Fernseher eingeschaltet, schwupps, schon sagt Ranga Yogeshwar bei “Hart aber Fair”, dass er ein neues Verb in die deutsche Sprache einführen möchte. Nämlich “Ich werde gemöchtet” – wo doch so viele Hersteller, Händler und wer auch immer versuchen, unser Unterbewusstsein zum Zwecke ihrer Profitsteigerung zu manipulieren, so dass wir gar nicht mehr wissen, was wir selber möchten, und wozu wir gemöchtet werden.
Das ist zwar, genau genommen (so wie Yogeshwar es gerne auch selbst oft nimmt) kein neues Verb, sondern nur eine neue Verbform, der Konjunktiv II Präteritum Passiv von mögen nämlich (wobei “möchte” zwar eigentlich Konjunktiv II Präteritum ist, laut canoonet aber in der Funktion des Indikativ Präsens auftritt). Aber wir wollen hier ja nicht päpstlicher sein als der Sprachpapst oder kleinlicher als seine Kritiker: Yogeshwars “gemöchtet” kann ganz hervorragend in allen Texten über Neuromarketing verwendet werden.
04.02.2012 von Detlef Guertler
Schön, Herr Posener, dass auch Sie jetzt dort ankommen, wo der eine oder andere Autor der WELT im Meinungsteil schon vergangenes Jahr ankommen durfte: Merkel’sche Krämerseelenpolitik im Stil der schwäbischen Hausfrau droht Europa zu zerstören.
(Im Wirtschaftsteil der WELT würden Sie dafür natürlich standrechtlich erschossen, aber das ist eine andere, für Deutschland und die WELT sehr traurige Geschichte).
Noch schöner, dass Sie diese ja schon etwas ältere Position mit einem neuen Wort verbinden – dem Fiskalradikalismus nämlich. Das schafft Paul Krugman nämlich nie.
03.02.2012 von Detlef Guertler
Eine hübsche Neuwortschöpfung des “konservativen Hardliners” Ludwig Trepl in den Kommentaren zum vorherigen Eintrag. “Nackich” sei Elterninfantilismus, meinte er – und ist damit so ziemlich der erste, der auf dieses Wort gekommen ist (es gibt da bislang nur einen Google-Treffer aus der deutschen Fassung der Webseite des russischen Gebiets Tomsk, und der ist vermutlich eine Fehlübersetzung).
Wobei das Phänomen natürlich vielen Menschen bekannt ist: Frisch gebackene Eltern, vor allem Ersteltern, neigen dazu, in der Kommunikation wieder in Baby- und Kleinkindsprache zu verfallen – und das auch nicht nur dem Kind gegenüber, sondern auch in ganz normalen Unterhaltungen. Was halt frisch gebackene Eltern so als normale Unterhaltungen betrachten.
Vermutlich gibt es für dieses Phänomen auch schon irgendwelche psychologisch-pädagogischen Fachbegriffe und auch ein paar umgangssprachliche Seufzer oder Flüche (wer mag, darf sie gerne hier in den Kommentaren einwerfen) – aber der Begriff Elterninfantilismus, der das Phänomen klar und… weiter lesen
02.02.2012 von Detlef Guertler
“Der Konzern profitiert ja davon, dass sich seine Kunden recht netznackig machen”, schreibt heute Johannes Gernert in der taz über Facebook und dessen geplanten Börsengang.
Hm. Vermutlich ist hier mit “netznackig” gemeint, dass sich Menschen im Internet im allgemeinen und bei Facebook im besonderen entblößen. Aber eben so, wie man sich im Netz entblößt, also nicht so sehr durch freigiebiges Ablegen von Textilien als vielmehr durch freigiebiges Verteilen persönlicher Daten. In der Formulierung “sich im Netz nackig machen” käme das auch sehr deutlich zum Ausdruck.
Aber “sich netznackig machen”? Mir sind bislang nur zwei zusammengesetzte Adjektive bekannt, die auf -nackig enden, nämlich stiernackig und pudelnackig. Wobei schon letzteres eher selten verwendet wird, die weit verbreitetere Variante heißt natürlich pudelnackt. Was vermutlich vor allem daran liegt, dass es eben “stiernackig” gibt – als vom Nacken, nicht von der Nacktheit abgeleitetes Adjektiv. Wer die Assoziation zum Nacken vermeiden… weiter lesen
30.01.2012 von Detlef Guertler
Nein, natürlich bin ich überhaupt nicht beleidigt, dass Sprachblogger Anatol Stefanowitsch meinen Vorschlag “Haircut” für die Wahl zum Anglizismus des Jahres mit 0 von 5 Sternchen bewertet hat (grmpf).
Und nochmals nein, es hat natürlich überhaupt keinen Zweck, sich jetzt ökonomisch mit seiner Behauptung auseinanderzusetzen, dass der “Schuldenschnitt” als deutsches Ersatzwort den Anglizismus nach 15 Minuten Ruhm verdrängt hat – es geht hier ja um die Verwendung von Wörtern, und da sehen es die meisten Schreiber wohl ähnlich wie der Hamburger Anglizistikprofessor (grmpf) Stefanowitsch.
Deshalb steht es natürlich in überhaupt keinem ursächlichen Zusammenhang, dass ich mich hier für “Babbeltee” als Eindeutschung jenes “Bubble Tea” ausspreche, den Stefanowitsch im gleichen Blog-Beitrag mit 4 von 5 Sternchen bewertet hat. Vorgeschlagen hat den Babbeltee eben dort in der Kommentarspalte ein etwas nerviger Sprachschützer, und zwar nach einem fast putzigen Streit über die (Un-)möglichkeit, Bubble Tea mit “Blasentee” zu übersetzen.… weiter lesen
24.01.2012 von Detlef Guertler
“Wenn Worte meine Sprache wären”, seufzt Tim Bendzko. Und “Ich hab die Worte nicht, dir zu sagen, was ich fühl.”
Ja so etwas gibt es. Schön, wenn man das so lösen kann, dass man ein Lied schreibt.
Es gibt aber natürlich auch andere Fälle. Fälle, in denen man mit jemand redet, und feststellt, dass dieser Jemand durch und durch unfähig ist, sich zu dem Problem zu äußern, das der Anlass des Gesprächs war. Oder Fälle, in denen der gut gemeinte Ratschlag, ein Problem durch ein Gespräch aus der Welt zu schaffen, nur zu einem weiteren Desaster führen kann. Oder Fälle, in denen die Kommunikationsebenen so weit voneinander entfernt sind, dass eine Verständigung schlicht unmöglich ist. Und manchmal natürlich auch Fälle, in denen das alles zusammen kommt.
Wenn also das Gespräch keine Lösung ist – kann man es ja mal mit einem Geschreib versuchen. Wie sagte schrieb doch weiter lesen