vonaktionfsa 09.10.2018

Bewegungs-Blog

Informieren! Aktivieren! Bewegen! – Hier bloggen die Mitglieder der taz Bewegung über ihr Engagement.

Mehr über diesen Blog

Nicht mehr „wir suchen etwas im Internet“ sondern einige wenige Internetkonzerne bestimmen „was wir zu suchen haben“ und liefern uns das Ergebnis, meist zusammen mit weiterer Werbung, die wir nicht bestellt haben. Unsere Daten, unsere Kommentare, unsere Bilder landen dabei „in der Cloud“, irgendwo auf uns unbekannten Servern im Besitz uns unbekannter Firmen, die damit Milliarden verdienen.

Das war nicht seine Absicht als er, Tim Berners-Lee, vor 30 Jahren das World Wide Web, bzw. seine Sprache HTML erfunden hat. „Wie können wir selbst über unsere Daten bestimmen, statt sie großen Konzernen zu überlassen?“ war seine Frage als er sich in den letzten Jahren damit beschäftigt hat, ein freies und faires Internet zu schaffen.

Das Ergebnis seiner Arbeiten: es ist möglich den Konzernen das Internet wieder abzunehmen und vor allem die  eigenen Daten wieder selbst zu verwalten. Das benötigt auch keine neue Sprache – immer noch kann HTML dabei helfen. Im letzten Jahr ist er nun mit „Solid“ an die Web-Öffentlichkeit getreten, einer Open-Source-Software, mit der das Web ganz neu organisiert werden kann.

Kern-Elemente von Solid sind persönliche Daten-Lager, sogenannte PODs, die sich jeder schon jetzt gratis überall auf der Welt -also dezentral – anlegen kann. Nicht mehr auf den Servern von Google, Amazon und YouTube werden unsere Daten gespeichert, sondern mein Name, meine Adresse, aber auch alle Fotos, Videos, Fitnessdaten, Gesundheitsdaten, Adressbücher, Bestellhistorien, ja selbst Kommentare, die wir zu irgendwelchen Webseiten hinterlassen – alles das landet künftig in meinem privaten Pod.

Wie kann man da den Überblick behalten?

Jeder Datenschnipsel in meinem Pod, jedes Bild, jeder Kommentar, jedes Like besitzt künftig genau eine URL, eine eindeutige Adresse im Web – und die kenne nur ich selbst und nicht ein Internetkonzern verwaltet meine Daten und sagt mir nichts darüber. Jeder Nutzer kann selbst genau festlegen, welche App was aus seinem Pod lesen darf, beziehungsweise etwas reinschreiben darf. Viele Apps können dann, wenn sie denn dürfen, Daten aus allen möglichen Pods zusammensuchen, zusammenfügen und anzeigen. Die Knoten unseres neuen Webs sind also unsere Pods, nicht mehr die Server irgendwelcher Konzerne.

Kann man das schon ausprobieren?

Ja, Solid ist freie Software und es gibt eine Reihe von Pod-Anbietern. Man holt sich also die Software, sucht sich einen Pod, z.B. bei „inrupt“, das ist eine Firma, die Tim Berners-Lee gegründet hat, um seine Solid-Technik voranzubringen. Jede/r kann auch selbst einen Pod im Netz aufmachen.

Und dann beginnt (noch) der Ärger. Alles ist noch neu, ungewohnt und auch unfertig. Tim Berners-Lee ist so früh an die Öffentlichkeit gegangen, um Entwickler für das Projekt zu begeistern, aber auch, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Nun sind weltweit Software-Entwickler gefragt daraus etwas Ganzes zu bauen – schließlich hat das WWW auch mehrere Jahre gebraucht, um die Nutzer zu überzeugen.

Die Frage ist, was die Konzerne tun werden. Sie werden sicher nicht Solid in ihre Umgebungen einbauen und sich die Kontrolle über unsere Daten nehmen lassen. Die Menschen müssen selbst aktiv werden und das nicht nur zu 2% sondern möglichst viele. Noch immer suchen in Deutschland 98% im Internet mit einer Google Suchmaschine obwohl viele Alternativen wie z.B. Startpage, Searx u.v.a. existieren.

Wie groß die Gefahren, auch für Leute, die angeblich „nichts zu verbergen haben“ ist, zeigen die Berichte aus Indien und über Facebook (s.u.).

Mehr dazu bei https://www.deutsachlandfunkkultur.de/datenhoheit-den-nutzern-zurueckgeben-wie-www-erfinder-tim.1264.de.html?dram:article_id=429819
und passend dazu https://www.deutschlandfunkkultur.de/internet-zensur-und-massenueberwachung-der-glaeserne-inder.1005.de.html?dram:article_id=418067
und https://www.deutschlandfunkkultur.de/datenskandal-wie-investoren-bei-facebook-mitmischen.1008.de.html?dram:article_id=415344

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/bewegung/2018/10/09/www-erfinder-tim-berners-lee-will-das-internet-retten/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.