vonbuergerrundfunkrat 13.03.2019

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Zweifellos: Die Serie „Bad Banks“ gehört mit zum Besten, was das Deutsche Fernsehen in den letzten Jahren hervorgebracht hat. – Sie wird hoch gelobt. – Doch von einem Rundfunk mit 8 Milliarden Jahresbudget ist mehr erwartbar, weit mehr – und zweifellos können Autor und Regisseur auch mehr.

Bemerkenswert sind vor allem die für´s Deutsche Fernsehen ungewöhnlich guten Schauspielleistungen. – Und ein Qualitätskriterium ist es auch, wenn man immer weiter schauen will. – Auch von den üblichen Drehbuchschwächen der ARD und ZDF Produktionen bezüglich des gesprochenen Worts habe ich hier nichts bemerkt. Die Monologe und Dialoge waren lebensecht. (Sollte es doch die eine oder andere Schwäche geben, ist sie mir entgangen, weil es so spannend war – das wäre dann auch ein Qualitätskriterium…)

Doch die Serie ist uninformativ: Daß Bänker manchmal Zahlen fälschen und Verlustgeschäfte in Tochterfirmen verstecken, um die Aktionäre an der Nase herumzuführen; daß es Intrigen gibt und sich die Mitarbeiter um der Karriere willen gegenseitig in die Pfanne hauen; daß manche Bänker Kokain schnupfen und andere ihre Familie vernachlässigen – wer hätte das gedacht!

Die Bänkerei ist in „Bad Banks“ nur die Kulisse für das, was zwischen den Menschen geschieht. Es ist wie ein Kung-Fu-Film ohne Kung Fu: Die überlegene Kunstfertigkeit der Heldin von „Bad Banks“ wird immer nur beteuert, aber ist nie erlebbar. Um sie erlebbar zu machen, wäre es erforderlich gewesen, etwas über Struktur und Dynamik der Finanzwelt zu erzählen. Die Entscheidung des Autors, dieses „Faß“ nicht aufzumachen, ist nachvollziehbar. Aber es ist ein künstlerisches Vermeidungsverhalten, das der Autor nicht nötig hätte. Ihm wäre zuzutrauen, daß er einen Weg findet, alles zum Verständnis der Sache Erforderliche faßlich und spannend zu erzählen. (Mehr dazu im Nachsatz.)

Da man die Kunstfertigkeit der Heldin nicht zeigen kann, muß der Zufall ran, um ihren Erfolg zu erklären: Ein Kunde hat Krebs, den gleichen, wie die Mutter der Heldin, das erkennt nur sie. Sie weiß, daß der Mann nicht mehr lange zu leben hat, unterbietet gewagt die üblichen Zeitvorgaben – und bekommt den Auftrag.

Zufall ist immer ein Stringenzbruch. Und immer nur zu beteuern, daß jemand gut ist, aber nie zu zeigen, wie er gut ist, ist billig. Diese künstlerischen Mängel muß ich dem Drehbuch attestieren. – Aber wie gesagt: sie beruhen nicht auf der Unfähigkeit des Autors sondern auf der des Senders. Es ist vorstellbar, daß der Autor anderes vorgeschlagen hat und davon abließ, als sein Redakteur Schnappatmung bekam…

 

Nachsatz:

Ein Kung-Fu Film ohne Kung-Fu könnte immerhin noch als Provokation gemeint sein: um den Zuschauern den Genuß der Identifikation mit dem Helden vorzuenthalten, damit sie bemerken können, wie sehr sie noch uneingestandenen unreifen Allmachtsphantasien verhaftet sind.

Weglassen gibt es sonst nur noch bei Kinderfilmen: das, was die Kinder noch nicht verstehen können, braucht auch nicht gezeigt zu werden. – „Bad Banks“ gehört in dieser Hinsicht formal in die Kategorie des Kinderfilms und liegt damit ganz auf der Linie des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks: das Publikum zu infantilisieren.

Wem das zu provokant klingt, den bitte ich, das Wirkliche mal aus dem Blickwinkel des Möglichen zu sehen:

Um die abstrakten und komplexen Vorgänge der Bänkerei publikumswirksam anschaulich zu konkretisieren, ist ein souveränes Sachverständnis erforderlich. Den dafür notwendigen Aufwand an Expertenhonoraren, Zeit und Mühe haben die Verantwortlichen bei „Bad Banks“ offenbar gescheut.

Eine künstlerische Umsetzung von soviel dokumentarischer Information würde freilich ein ganz anderes Konzept erfordern, vielleicht eines, das es überzeugend noch gar nicht gibt. Aber genau dafür wird der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ja von den Marktkräften freigehalten: damit er solche Konzepte einer gewagten Verbindung von Fiktionalem mit hochkomplexem Dokumentarischen entwickelt. – Eine „Verbindung“ läßt – im Gegensatz zu einer Kombination – aus verschiedenen Elementen etwas Neues entstehen, das selbst wie ein Element wirkt und eine sinnliche Unterscheidung seiner Komponenten unmöglich macht (so wie man dem Wasser nicht mehr ansieht, daß es aus zwei Gasen besteht).

Die Meisterschaft, die Regisseur und Autor von Bad Banks zeigen, läßt keinen Zweifel aufkommen, sie seien für die Entwicklung solcher Formate nicht geeignet. Es gibt keine Ausrede für den Sender, hier mal wieder seiner ureigensten Aufgabe nicht gerecht geworden zu sein.

Statt innovative fiktionale Formate zu entwickeln, verballern ARD und ZDF ihre Mittel für eine unfaire Wettbewerbsverzerrung auf dem Markt der Sport-Übertragungsrechte – ohne daß dadurch die Bürger irgendeinen Vorteil hätten (denn sie könnten den Sport sonst bei den Privaten schauen). Es ist die Frage, ob diese einfalllose Strategie der Quotenbeschaffung nicht schon Veruntreuung genannt werden kann (nicht im juristischen doch im wörtlichen Sinne).

(Weitere Texte zum Rundfunk gibt es hier!)

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

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