vonaktionfsa 15.05.2019

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Nun ja, mit über 3000 Verkehrstoten und noch viel mehr Verletzten pro Jahr in Deutschland kann man eigentlich nicht von gut, geschweige denn von „besser“ sprechen. Es geht aber wieder einmal um den Vergleich mit der berühmt berüchtigten „künstlichen Intelligenz“.

In dem Forschungsprojekt Pegasus wurde in den vergangenen dreieinhalb Jahren mit 34,5 Millionen Euro untersucht, wie man Prüfverfahren entwickeln kann, um Algorithmen bestimmte Fähigkeiten zuzuordnen. So wird beim „autonomen Fahren“ glücklicherweise unterschieden, was man dem Algorithmus überlassen darf und worauf man selbst achten muss.

So gibt es eine Kategorisierung, die folgendes fordert

  • Stufe 1: Assistiertes Fahren, der Fahrer beherrscht ständig sein Fahrzeug
  • Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren, der Fahrer haftet für Verkehrsverstöße und Schäden
  • Stufe 3 Hochautomatisiertes Fahren, der Fahrer darf sich vorübergehend von Fahraufgabe und Verkehr abwenden. (Nach letzter Änderung des Straßenverkehrsgesetzes bereits prinzipiell möglich): Fahren auf der Autobahn bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h, Spurwechsel, Stop-and-Go-Fahren und automatisiertes Notbremsen, ohne das Durchfahren von Baustellen und das Auf- und Abfahren von der Autobahn,
  • Stufe 4: Voll automatisiertes Fahren, der Fahrer kann die Fahrzeugführung komplett abgeben und wird zum Passagier
  • Stufe 5: Autonomes Fahren, es gibt nur noch Passagiere ohne Fahraufgabe

Die interessante Feststellung der Projektteilnehmer: „dass der Mensch doch verdammt leistungsfähig ist im Verkehrssystem“. Es sei in der Diskussion um autonome Autos „nicht unbedingt angemessen, nur mit dem Fehlverhalten des Menschen zu argumentieren.“ Eine wichtige Erkenntnis im Vergleich zur KI war, dass der Mensch
„sehr viel sicherheitsfördernde Dinge tut, obwohl er sich dabei teilweise nicht in vollem Umfang regelkonform verhält.“ Wie soll sich denn die KI da auskennen, wenn der Mensch mit seinem Überlebenswillen sich plötzlich unkonform verhält.

Kommen wir zur Stufe 4, da darf sich der Mensch auch mal seinem Handy zuwenden oder Zeitung lesen oder nur mal die Augen schließen. Wenn jetzt die KI nicht mehr weiter weiß, gibt sie Alarm. Wie lange braucht es bis der Mensch wieder verantwortlich sein soll? Nach übliche Messungen beträgt dieses Zeitfenster 7 bis 14 Sekunden. Das heißt, dass der Alarm bei Tempo 130 bereits 250 bis 500 Meter vor der unbekannten Gefahr ausgelöst werden muss – und dass der Mensch bei der „Übernahme seiner Verantwortung“ nicht trödeln darf. Der Fall, dass plötzlich 50m voraus eine Gefahr entsteht, dafür müsste dann voll die KI (oder ihre Hersteller) haften – da sind die Hersteller sich anderer Meinung.

Fazit: So schnell wie es die Digitalministerin und die Werbebosse der Autoindustrie versprechen, wird es mit dem autonomen Fahren nicht klappen. Ein großes Hindernis ist dabei auch, dass alle Firmen in gegenseitiger Konkurrenz entwicklen anstatt die Probleme gemeinsam und mit offenen Schnittstellen anzugehen. Dann könnten die einzelnen Hersteller mit teilweise gleichen oder ähnlichen Daten und Szenarien testen, so dass die Ergebnisse anschließend ebenfalls bestimmten Standards entsprechen könn(t)en. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegt erst einmal ein großer Berg offener Fragen vor den Entwicklern.

Mehr dazu bei https://www.golem.de/news/zulassung-autonomer-autos-der-mensch-faehrt-besser-als-gedacht-1905-141190.html und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/6884-20190515-mensch-faehrt-besser-auto-als-gedacht.htm

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

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https://blogs.taz.de/bewegung/2019/05/15/beim-autonomen-fahren-entwickeln-alle-firmen-gegeneinander/

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kommentare

  • Eigentlich besteht ein verstärkter Wille zur Kooperation. Vor einiger Zeit haben BMW und Daimler eine Kooperation in dem Zusammenhang bekanntgegeben und über die Zeit entwickelten sich auch Kooperationsblöcke. Aktuelles Beispiel ist, dass BMW-Technik in Maseratis eingebaut werden soll. Fiat-Chrysler ist Teil des BMW-Kooperationsblock. Auch bei Pegasus haben quasi alle Hersteller und andere Branchenbeteiligte zusammengewirkt. Das betrifft zudem nicht nur die Automobilbranche, auch andere Branchen kooperieren mit den Autoherstellern. Nur so lässt sich die Technik überhaupt entwickeln, da die Hersteller in Sachen Software kaum Kompetenz haben.

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