vonaktionfsa 05.07.2019

Bewegungs-Blog

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… und nach der Ankunft?

Das war eine der Fragen in unserem Film FRONTex – FORT EUROPE , den wir vor einigen Jahren gemacht haben, als die Probleme der Geflüchteten vielen Menschen in unserem Land nach „so fern“ vorkamen. Inzwischen sind die Todesnachrichten aus dem Mittelmeer in fast jeder Nachrichtensendung zu vernehmen.

Vor einigen Wochen war eine Aktive von Aktion Freiheit statt Angst auf der griechischen Insel Lesbos und hat dort die Flüchtlingslager gesehen und war auch einige Zeit bei der Hilfsorganisation „One Happy Family“ zu Gast.

Worum geht es bei diesem Hilfsprojekt?

Es geht genau darum, was nach der Ankunft geschehen soll. Diejenigen, die die gefährliche Reise über das Meer geschafft haben, müssen eine Perspektive bekommen. Sie müssen die Sprache lernen, ihren Status als Geflüchtete bekommen, sie suchen nach Familienangehörigen und Freunden. Dabei benötigen sie Hilfe.

One Happy Family schreibt: Wir sind ein Gemeinschaftszentrum auf der griechischen Insel Lesbos. Lesbos ist aufgrund der Nähe zur Türkei eine Zwischendestination für Menschen auf der Flucht von Kriegen und Krisen im Mittleren Osten und Afrika. Die Menschen bleiben nach ihrer Ankunft viele Monate auf der Insel, da sie aufgrund des EU-Türkei-Abkommens nicht auf das Festland weiterreisen dürfen, jedoch aufgrund der Menschenrechtslage in der Türkei meistens auch nicht zurückgeschickt werden können. Mit unserem Zentrum, welches stetig wächst und mehrere hundert Besucher pro Tag zählt, füllen wir Lücken, welche durch unzureichende humanitäre Hilfe und fehlende staatliche Interventionen entstanden sind.

Unser Ziel ist, den mehreren tausend auf Lesbos festsitzenden Menschen ein Stück Würde und Selbstbestimmung zurückzugeben. Innerhalb des Gemeinschaftszentrums gibt es viele verschiedene Projekte, welche auf Wunsch und Initiative der flüchtenden Menschen entstanden sind. Das Community Center wird nicht FÜR geflüchtete Menschen gebaut und betrieben, sondern MIT ihnen. Gemeinsam mit Leuten aus verschiedensten Nationen, freiwilligen Helfern und geflüchteten Menschen soll es ein Ort für die Gemeinschaft sein.

Freiwilige Helfer sind dabei das wichtigste neben den Spenden, auf die der Verein angewiesen ist. Helfer können sich direkt auf der Webseite https://ohf-lesvos.org/de/freiwilligeneinsatz/ anmelden. Man kann aber auch das Camp nach Anmeldung einfach mal ansehen und wird dann schnell sehen, wo am dringendsten Hilfe gebraucht wird.

One Happy Family (OHF) betreibt im Camp ein “Klinikhaus” mit Volontären mit medizinischer Ausbildung, ein „Ausbildungszentrum“ mit zwei Klassenzimmern, eine Bibliothek, ein Esszimmer, ein Café, einen Friseur, eine Fahrradwerkstatt, das „Nest“ – das Kinderzimmer und eine Bank. Die „Bank“ gibt die OHF-Lokalwährung «Drachma» aus und stellt sicher, dass die Menschen fair und zu gleichen Teilen von den Projektangeboten profitieren können; zudem entsteht durch das «Bezahlen statt Betteln» ein Gefühl der Normalität. Jeder Besucher erhält eine gewisse Anzahl von Drachma pro Tag von der “Bank” und kann dann aussuchen, welche Angebote er damit beziehen möchte. Natürlich gibt es auch genügend Platz für einen Garten, einen Sport- und einen Spielplatz und einen Ort für Internetzugang.

Das hört sich alles viel an – ist aber gerade das Nötigste für die Menschen, die auf ihrer Flucht alles verloren haben …

Mehr dazu bei https://ohf-lesvos.org/
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/6937-20190705-integration-und-hilfe-gelebt.htm

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

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