vonaktionfsa 15.09.2019

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Nein, neu sind die Informationen, die Edward Snowden in einem ausführlichen und interessanten Interview dem Spiegel gegeben hat nicht. Nur das Echo der Weltöffentlichkeit auf seine Enthüllungen im Sommer 2013 ist leider soweit verklungen, dass allein ihre Wiederholung uns erschrecken sollte.

  • Jede/r auf der Welt kann überwacht werden.
  • Jede Nadel im gewaltigen Heuhaufen der Kommunikation auf der Welt, der gesammelt wird, kann gefunden werden.
  • Genauso häufig kann die gefundene Nadel ein False Positive, ein/e unschuldig Verdächtigte/r sein.
  • Niemand sieht einem Smartphone auf dem Tisch an, ob gerade mithört oder nur mal seinen Status überprüft.
  • Facebook, Google, Amazon, … „bedienen“ uns nur angeblich kostenlos, weil sie alle Daten aus unserem Leben abschöpfen.

Die hunderte von Details dieser Überwachung musste er nicht wiederholen, wir haben sie in den letzten Jahren in vielen Artikeln gesammelt. Seine Enthüllungen waren auch ungemein wichtig, sie haben die Diskussion angestoßen und die Themen Datenschutz und Datensicherheit in die Öffentlichkeit getragen. Keinen Schritt weiter gekommen sind wir jedoch bei den politischen Folgerungen, die aus seinen Enthüllungen zu ziehen wären.

Nach der Empörung der Kanzlerin über ihr abgehörtes Handy und die illegale Zusammenarbeit von BND und NSA folgte eben nicht eine Abkehr von den „amerikanischen Freunden“ sondern ein BND-Gesetz, welches den Ist-Zustand legalisierte und weitere Überwachungsmöglichkeiten schuf.

Edward Snowden weist in dem Spiegel Interview gerade auf diese Diskrepanz hin: Während seiner 6 Jahre im Exil in Russland hat sich die politische Landschaft weltweit verschlechtert, überall gewinnen rechte Populisten und Scharfmacher Wahlen. Diese können mit den Überwachungs- und Manipulationsmöglichkeiten, die er der Öffentlichkeit enthüllt hat, ihre Macht festigen oder haben die Wahlen sogar damit gewonnen oder zumindest in ihrem Sinne beeinflusst (s. Cambridge Analytica Skandal: Facebook ließ sich „Daten abgreifen“ ).

Zum Thema des freien Wählerwillen meint er: Russland habe „ziemlich sicher“ Wahlen manipuliert, dasselbe gelte jedoch auch für die USA. „Jedes Land, das größer ist als Island, wird versuchen, in entscheidende Wahlen einzugreifen, und alle werden das immer leugnen, weil Geheimdienste das so machen“. Über die Möglichkeiten Wahlen zu manipulieren, haben wir bereits mehrfach berichtet (Wahlcomputer in Minuten manipulierbar ) und erste Berichte über solche Vorfälle bei den laufenden Vorwahlen in der USA waren schon zu hören.

Edward Snowden verweist aber auch darauf, dass Überwachung nicht nur durch Geheimdienste erfolgt, sondern auch von Daten-Konzernen wie Facebook und Google. Jeder Smartphone-Nutzer muss wissen „wie sehr wir auf Schritt und Tritt verfolgt werden“. Die Nutzer sollten selbst entscheiden können, welche Funktionen des Smartphones jeweils aktiv sind und kündigt an: „Und wenn niemand sonst eine Alternative entwickelt, dann werde ich das verdammt noch mal selbst tun.“
Wie das ausgeklügelte Berechtigungskonzept z.B. bei Android umgangen werden kann, haben wir in unserer Publikation über Handys beschrieben.

Im Interview wird Edward Snowden auch eingehend nach seinem persönlichen Befinden gefragt, insbesondere nach dem Vorgehen gegen Julian Assange und der erneuten Beugehaft gegen Chelsea Manning. Er macht sich keine Illusionen darüber, dass die Regierung der USA und die Geheimdienste ihm ein faires Verfahren gewähren würden und stellt vorsichtshalber fest: I am not now, nor have I ever been suicidal …, and if I happen to fall out of a window, you can be sure I was pushed.“

Wichtig ist auf jeden Fall noch die Information, dass sein biografisches Buch „Permanent Record“ am 17. September weltweit veröffentlicht wird – und Weihnachten steht vor der Tür …

Wir danken ihm für seine unermüdliche Arbeit und wünschen ihm weiterhin alles Gute!
Edward Snowden ist Ehrenmitglied im Verein „Aktion Freiheit statt Angst e.V.“

Mehr dazu bei https://www.spiegel.de/international/world/interview-with-edward-snowden-about-his-story-a-1286605.html
und https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/edward-snowden-wir-muessen-die-massenhafte-datensammlung-stoppen-a-1286691.html
und alle unsere inzwischen 140 Artikel über Edward Snowden https://www.aktion-freiheitstattangst.org/cgi-bin/searchart.pl?suche=snowden&sel=meta
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/7013-20190915-neues-von-edward-snowden.htm

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

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https://blogs.taz.de/bewegung/2019/09/15/edward-snowden-auch-gegen-facebook-und-google/

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kommentare

  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich habe soeben den Artikel “ Edward Snowden auch gegen Facebook und Google“ gelesen. ich finde ihn informativ und ok. Daher verstehe ich nicht , wieso Sie am Ende des Artikels den Hinweis gegeben „Die Meinung der/s Autor*s entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion“ Ich verstehe nicht was dieser Hinweis soll. Eigentlich schüren Sie ja mit dieser Bemerkung Misstrauen gegen diesen Artikel und Sie verunsichern die Leser. Warum veröffentlichen Sie einen Artikel in Ihrer Zeitung, wenn Sie inhaltlich nicht dahinter stehen. Eigentlich finde ich diese Vorgehensweise unseriös und es ärgert mich maßlos.

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