vonbranden-buzz 08.12.2019

Branden-Buzz

Die Provinz summt und Helga Stöhr-Strauch hört zu. Eine Symphonie aus Brandenburg/Havel – ein Hund summt mit.

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Alle Jahre wieder

schlägt man sich (um) den Baum …

In Brandenburg scheint es Sitte zu sein, sich in froher Erwartung der Jahresendfeier entweder seinen Baum selbst zu schlagen oder selbst auszubuddeln. Eine andere Variante: man kauft für viel Geld ein vollständig überdimensioniertes Mammutteil, lädt es mit geballter Manpower auf die Familienkutsche und karrt es dann durchs halbe Havelland. Was danach in den Häusern passiert, wo die toten Wesen aufgerichtet und mit Kugeln bestückt werden, entzieht sich dankenswerter Weise meiner Kenntnis. Allerdings dauert es nicht lange und man stolpert beim großen Gassigang nach der Krisenzeit Silvester über wild entsorgte Baumleichen, die einfach in die Wälder geworfen wurden. Fallen ja auch nicht weiter auf bei dem ganzen Bruchholz, das hier rumliegt.

Bei uns in der Nähe wirbt derzeit ein Bauer mit seinem Weihnachtsbaumverkauf. Mit Glühwein und Romantik, versteht sich.

Weihnachtliches Glühweinidyll

 

Allerdings würde ich dort im Leben keinen Baum holen, denn ich sehe ja übers Jahr, was der Landwirt da so alles ausbringt. Das ist sicher kein Biodünger, der in Vollmontur mit Mundschutz auf die Tannenbaumreihen versprüht wird. Meine Hündin Greta darf dort jedenfalls nicht frei laufen.

Darf hier nicht frei laufen…

Derzeit herrscht beim Bauern Hochsaison. SUVs poltern über Hubbelpisten. Väter, mit Äxten und Sägen bewaffnet und hinterher zockelnde Frauen mit dicklichen Kindern im Schlepptau, stürmen die zum Schlag freigegebenen Bäume. Und auf die Nachfrage, ob man die wild entschlossene Familieneinfalt auch fotografieren darf, streikt erst das Kind und dann die Kamera, so dass es jetzt eben kein Foto gibt.

Ich persönlich hätte mich auch in diesem Jahr wieder für unsere seit Jahren im Topf befindliche Zuckerhutfichte entschieden. Nur habe ich sie dummerweise im Herbst auspflanzen müssen, weil sie anfing zu zicken. Verlor einfach die Nadeln rund um ihre Doppelspitze. So, als wolle sie schon im Herbst gegen den ganzen Weihnachtszauber in der SPD protestieren, die ja demnächst auch viele Federn lassen wird.

kommentarlos

Also brauchen wir einen Baum fürs Fest. Aldi Nord hat demnächst Nordmanntannen im Angebot für schlappe 12 Euro. Eine Investition, die sich angesichts der Kürze der Nutzungsdauer durchaus rechnet, finde ich. Die Bäume kommen vermutlich aus Dänemark und sind voller Pestizide. Aber man hat etwas für den skandinavischen Export und somit indirekt auch etwas für den Wirtschaftsstandort Deutschland getan. Denn a) müssen wir ja auch mal was importieren, damit wir exportieren dürfen. Und b) ist Export ja nicht nur das Wichtigste überhaupt, sondern das Synonym für unsere Autoindustrie, die in Zeiten von Elektromobilität doch auch von irgendwas leben muss. Und sei es nur vom Import von Weihnachtsbäumen, die kreuz und quer durch die Republik gekarrt werden. Wer diesen Zusammenhang nicht versteht, sollte sich näher mit der Argumentation in „Trumps little World“ befassen. Das Buch muss allerdings noch geschrieben werden.

Apropos leben und Trump: Da haben wir doch Stuttgart wegen der Dreckluft und der Autoindustrie verlassen und glaubten reinen Herzens daran, dass sich hierher nie und nimmer ein autonotierter Konzern verirren würde. Und was passiert? Tesla kommt nach Brandenburg und wählt als Geschäftsadresse ausgerechnet Brandenburg an der Havel. Genauer gesagt: den Ortsteil Kirchmöser, in der Brandenburger Allee 4.

Glauben Sie an Zufälle?

 

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