vonbranden-buzz 16.05.2020

Branden-Buzz

Die Provinz summt und Helga Stöhr-Strauch hört zu. Eine Symphonie aus Brandenburg/Havel – ein Hund summt mit.

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Neulich, beim abendlichen Gassi-Rundgang mit meiner Hündin Greta, begegnete mir eine Bekannte. Sie radelte in die Abendsonne und trug Sonnenbrille und Ohrenwärmer. Im ersten Moment glaubte ich, sie habe eine Atemschutz-Maske vor der Nase. Sportlich, dachte ich. Ich würde vermutlich beim Radfahren mit Maske japsend vom Sattel fallen. Beim Näherkommen erkannte ich die richtigen Utensilien, und mein nächster Gedanke war: Logisch. Man mag ja von Corona wirklich nix mehr sehen und hören. Was natürlich völliger Unsinn war, denn die Frau war gleichzeitig von der Abendsonne geblendet und hatte kalte Ohren.
Was ich damit sagen will: Corona ist allüberall und gleichzeitig am Ende. Gibt nix mehr her, ist ausgeleiert wie ein alter Unterhosengummi und einfach fade, fade, fade. Zumindest für Leute wie mich. Dumm nur, dass es sonst auch nichts mehr gibt. Kein Theater, keine Treffen, keine Nachrichten, einfach nichts, was eine wie mich zu einem einigermaßen intelligenten Blogeintrag inspirieren könnte.

Dabei bekam ich gestern so nette Post aus der alten Heimat, Stuttgart. Ein alter Kollege von mir hat mir sein Bedauern bekundet. Er ist auch so ein „freier Journalist“. Das sind entweder Journalisten, die sich in der endlosen Weite der Auftragslosigkeit frei bewegen können. Oder Leute, denen es freigestellt wurde, mit einem warmen Händedruck und einer lustigen „Abfindung“ in der Hand dem sinkenden Schiff Printmedium hinterherzuwinken oder mit unterzugehen.

 

Er jedenfalls fände es bedauerlich, so schreibt er, dass ich nicht mehr für die Kontext:Wochenzeitung schreibe. Woraufhin ich ihm sagte, dass das vielleicht ganz gut sei. Ich wolle ja niemandem mit meinen Brandenburger Geschichten zu nahe treten, zumal sich die Schwaben für die Brandenburger genauso wenig interessieren, wie umgekehrt die Brandenburger für die Schwaben.
Natürlich führte ich in diesem Zusammenhang auch die peinlichen Stuttgarter Demos an, auf denen sich Corona-Leugner, Rechte, Populisten, Verpeilte, Impfgegner, Frustrierte und Andere, denen Rücksicht genauso wurscht ist wie Verantwortung für die Schwachen, ihr Mütchen kühlen. Für Brandenburger, also echte Brandenburger, ist Stuttgart so eine Art Teletubbie-Land. Nur mit fetten Autos und fetten Einkaufstüten. Die Stuttgarter Demos für „Freiheit“ werden hierzulande ebenso kommentiert wie ähnliche Zusammenrottungen in Berlin. Nämlich gar nicht. Zumal man in Sachen „Freiheitsbeschränkung“ hier ja ganz andere Hausnummern hatte. Auch das sehr westdeutsche, neoliberale Gejammer um die Wirtschaft fördert hierzulande allenfalls ein Achselzucken zutage, da Wirtschaften, also Gasthäuser, hier nicht frequentiert werden (alte Stasi-Abwehr-Gewohnheit). Man trifft sich lieber zuhause, im heimischen Garten beim Grillerchen mit der Bierflasche in der Hand und redet über alles, was so ansteht.
Nee, nee. Schwaben und Brandenburger: das geht einfach nicht zusammen. Warum auch? Die Entfernung passt doch. Man begegnet sich nicht so leicht; ganz anders als beim anderen No-Go: Brandenburger und Sachsen. Sächsische Immigranten findet man hier nämlich deutlich häufiger als schwäbische. Nur gemocht werden sie ungefähr genauso wenig.
Mein Fazit für heute: Manchmal ist es einfach besser, wenn der eine Bruder von der anderen Schwester nix weiß und glaubt, man lebe in einer Art friedlichen Koexistenz.

 

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