vonbranden-buzz 21.02.2020

Branden-Buzz

Die Provinz summt und Helga Stöhr-Strauch hört zu. Eine Symphonie aus Brandenburg/Havel – ein Hund summt mit.

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„Ein guter Mensch in sei’m Gestaltungsdrange
ist sich des rechten Bohrlochs kaum bewusst…“
J.W. Goethe, „Faust I“, leicht modifiziert

Angesichts der letzten beiden Sommer kamen wir zu dem Schluss, dass unser Garten doch viel zu schön sei, um ihn einfach verdursten zu lassen. Und da wir im Sommer gerne mal unsere schöne Stadt Brandenburg verlassen, um das nicht minder schöne Mecklenburg-Vorpommern mit seiner fast gleichnamigen Seenplatte zu besuchen, haben wir uns für eine Beregnungsanlage entschieden. Nach wenigen Besichtigungen durch ansässige Gärtner (Gärtner sind Handwerker. Und diese haben, wie alle Handwerker, kaum Zeit) entschieden wir uns für den nettesten und kompetentesten. In genau dieser Reihenfolge. Denn ob er wirklich kompetent ist, wird sich ja erst im Sommer zeigen.

 

Helga Stöhr-Strauch

Zur selben Zeit bereitete ich meinen Theaterkurs vor, der im nächsten Monat Premiere haben wird. Er ist eigentlich ein Versuchsballon, zu dem ich die Leute von der hiesigen Volkshochschule überreden konnte. Mit dem Ziel, den Menschen dieser Stadt den direkten Kontakt mit den Theatermachern zu ermöglichen.
Die erste Station unserer Theaterreise ist Goethes „Faust“, den ich seit Tagen genauestens studiere, mit heißem Bemüh’n, sozusagen. Mit Textstellenanalyse, Interpretationsansätzen, Motiven, also allem, was dazugehört. Und so kam es, dass ich angesichts der vielen ober- und unterirdisch verlegten Wasserleitungen, die sich durch den Garten schlängeln, ganz schön ins Grübeln kam,

was wohl das Feld im Innersten zusammenhält.
Ist es das Wasser, das mit Macht
die Landschaft einst zum Blüh’n gebracht?
Und ob des Unkrauts bunte Wiese
sich nicht vielleicht vermeiden ließe,
wenn Dürre übers Land sich streckte.
Doch schadet die der güldnen Hecke
der Rosen, die ich fleißig schneide,
und damit wilden Wuchs vermeide…

Zugegeben. Es ist Fassenacht und gelegentlich geht mein rheinisches Temperament mit mir durch. Jedenfalls freue ich mich auf den Theaterkurs und auf den Garten, der mit einem neuen Pumpenhäuschen noch hübscher aussieht als zuvor.
Allerdings – und das ist der einzige Wermutstropfen dieser ganzen Berieselungsgeschichte – es hat auch jemand bluten müssen. Und zwar der tapfere Monteur des Pumpenhauses, der sich gemeinsam mit meinem Mann einen unfairen Häuserkampf lieferte, als sie versuchten, die falsch gebohrten Löcher im vorgefertigten Blechhaus durch neue zu ersetzen. Und es huschte durch meinen Kopf:

Da steht er nun, der arme Wicht
Und find’t das rechte Bohrloch nicht.

Natürlich verletzte er sich dabei. Und zwar so stark, dass ich am Abend das Blut von der Terrasse wischen musste.

Letzte Spuren eines unfairen Häuserkampfs

Er tat mir aufrichtig Leid. Und doch dachte es in mir:

Blut ist ein ganz besonderer Saft

Über mich selbst erschrocken, beendete ich dann sehr schnell diese wirklich gruselige Putzorgie. Nicht ohne zu grummeln:

Goethe! Mir graut’s vor dir!

 

„In der Hexenküche“ by ulrichzeuner is licensed under CC BY-NC-SA 2.0
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