vonbranden-buzz 28.07.2020

Branden-Buzz

Die Provinz summt und Helga Stöhr-Strauch hört zu. Eine Symphonie aus Brandenburg/Havel – ein Hund summt mit.

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Zugegeben, die Aufregung, die mein letzter Blogeintrag auslöste, kam für mich gänzlich unerwartet und trug nicht unbedingt zum Wohlfühlklima im schönen Brandenburg bei. Andererseits freut man sich ja, wenn auch mal Resonanz kommt. Lob gab es allerdings kaum, obwohl ich von einem Journalistenkollegen zu hören bekam, dass allein die Tatsache, dass der Beitrag über Facebook geteilt wurde und „wie ein Tsunami“ durch Brandenburg rauschte, darauf schließen lässt, dass man mit einem gewissen Maß an Zustimmung in der Sache rechnen kann. Bei den schriftlichen Bekundungen dominierte die Vorstellung, ich wolle Journalisten verunglimpfen (was natürlich Unsinn ist, weil ich selbst als Journalistin arbeite und für die freie Meinungsäußerung große Sympathien hege). Und dass ich dem scheidenden Dirigenten ans Bein pinkeln wollte (was schon allein deshalb Unsinn ist, weil ich Künstler ungemein schätze).

Es ist vielmehr so, dass ich mich furchtbar aufregen kann über Ungerechtigkeiten. Dass ich stinksauer werde, wenn Menschen, die versuchen, in dieser Stadt ein bisschen mehr auf die Beine zu stellen als die hochgepriesene und ebenso hoch subventionierte Brandenburger Konzertkultur, abgewatscht werden. Die bei ihren Bemühungen um Schauspiel und Darstellende Kunst mit journalistischem Unwillen und Unwissen, mit fachlicher Unfähigkeit und Ungerechtigkeit konfrontiert werden. Und außerdem ärgere ich mich über Journalistenkollegen, die nicht ihre Arbeit tun, dafür aber mit Nebelkerzen hantieren. Im konkreten Fall einen Artikel über ein Konzert verfassen, in dem weder die beiden namhaften Dirigenten, die am Pult standen, noch die hohe Kunstfertigkeit der Brandenburger Symphoniker fachlich gewürdigt werden. Wohl aber Dinge aufs Tapet kommen, die nur darauf ausgerichtet sind, das Klima am Brandenburger Theater weiter aufzuheizen und nachhaltig zu vergiften. So was macht mich richtig zornig. Und dazu stehe ich auch.

Aber sei’s drum.

Mit der Kunst ist es wie mit der Seife. Man kann sie zur Selbstreinigung benutzen oder um andere Zeitgenossen totzublubbern. Oder um unklare Spuren zu hinterlassen, die alle ins Schleudern bringen. Und im schlimmsten Fall dazu führen, dass man hinterher die Zusammenhänge gar nicht mehr auf die Reihe kriegt. Mir passiert so was oft bei ungeliebten Romanen, von denen ich nach dem Lesen gar nicht mehr weiß, wer wann wo und mit wem was wollte. Und vor allem warum.

 

Neulich lief ich mit meinem Hündin Greta durch den Wald. Und da entdeckte ich mal wieder ein Stück Müll. Allerdings handelte es sich diesmal nicht um einen der sorglos hingepfefferten Säcke oder um Renovierungsrelikte, die gerne mal in den Brandenburger Wäldern entsorgt werden. Sondern um ein liebevoll in der Landschaft drapiertes Bild. Welches – und das weckte nun wirklich mein Interesse – ein Stück Natur darstellt. Natur in der Natur sozusagen. Und dann auch noch Kunst. Oder Müll?

Schwer zu sagen. Kunst ist schwer definierbar. Allerdings auch vielseitig verwendbar.

 

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