vonbranden-buzz 06.07.2019

Branden-Buzz

Die Provinz summt und Helga Stöhr-Strauch hört zu. Eine Symphonie aus Brandenburg/Havel – ein Hund summt mit.

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Wenn ich dieser Tage Zeitung lese, komme ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Zum Beispiel über Ursula von der Leyen, die eigentlich für die Bundeswehr arbeitet, derzeit aber lieber alte Männer in Brüssel umarmt und in die Kamera lächelt. Mühelos schafft sie es, ganze Talkshows und Kommentarspalten thematisch zu besetzen und wirkt dabei doch so bescheiden, als hätte man sie gerade vom Mittagstisch mit ihren sieben Kindern weg geholt. Sie hat sich – ganz im Gegensatz zum bis vor kurzem ebenfalls noch dauerlächelnden Manfred Weber – nie um Junckers Nachfolge gerissen, sondern immer nur gelächelt, Steuergelder (und nicht Schiffe) versenkt und dabei stets eine gute Figur gemacht. Uschi ist einfach toll.
Genauso wie Dietlind Tiemann. Auch sie ist eine erfolgreiche Sympathieträgerin aus den Reihen der CDU und dabei so dezent, dass einem die Ohren sausen. Nach ihrer Mitgliedschaft in der SED legte sie als Oberbürgermeisterin von Brandenburg/Havel eine sagenhafte Karriere hin und sitzt jetzt im Deutschen Bundestag.

In diesem Haus in Brandenburg/Havel residiert Frau Dr. Dietlind Tiemann

Noch zu DDR-Zeiten promovierte sie gemeinsam mit ihrem Mann Klaus-Peter. Der prosaische Titel ihrer gemeinsamen Doktorarbeit hieß „Technisch-ökonomische Aspekte des Standes und der Entwicklung von Messeinrichtungen zur Ermittlung der Körpertemperatur in der Human- und Veterinärmedizin unter besonderer Berücksichtigung des ökonomischen Nutzeffektes“, was mit Politik vermutlich ähnlich viel zu tun hat wie das Medizinstudium von Uschi. Während also Dietlind in die Politik ging, unterhielt Klaus-Peter noch bis vor kurzem den privaten Kabelnetzbetreiber RFT (samt dem ebenfalls privaten „Stadtsender“ SKB). Und genau in dieser Funktion hat er neulich auch gegen die hiesigen Stadtwerke geklagt. Der Grund: Wettbewerbsverzerrung.
Letzten Monat zog er sich dann aus dem Geschäft zurück, so dass inzwischen ihr gemeinsamer Sohn Stefan den Familienbetrieb leitet. Klaus-Peter aber, der auch im Brandenburger Stadtparlament sitzt, wurde derweil von der CDU in den Aufsichtsrat der hiesigen Stadtwerke StwB entsandt. Vermutlich weil sich sonst niemand fand und er als angehender Rentner so richtig viel Zeit hat. So wird er demnächst die Stadtwerke Brandenburg gegen seinen Sohn Stefan und dessen Kabelnetzfirma in einer Angelegenheit verteidigen, die er selbst als Problem gesehen und zum Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung gemacht hat. Das nenne ich eine kreative Karriere. Dabei hat das Ganze ganz sicher nichts mit der Rentabilität dieses Familienbetriebes zu tun, dessen Alleinstellungsmerkmal bislang noch alle Brandenburger unter seine Knute zwingt.
Laut eigener Aussage sieht Dr. Klaus-Peter Tiemann jedenfalls keinen Interessenskonflikt, weil er – so sein scharfsinniger Hinweis – ja nicht mehr RFT-Kabel vertrete. Wo er Recht hat, hat er Recht. Auf die Begegnung der beiden Tiemanns vor Gericht dürfen wir aber schon heute gespannt sein.

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