vonbranden-buzz 18.08.2019

Branden-Buzz

Die Provinz summt und Helga Stöhr-Strauch hört zu. Eine Symphonie aus Brandenburg/Havel – ein Hund summt mit.

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Demnächst wird ja in zwei ostdeutschen Ländern, darunter auch in Brandenburg, gewählt. Und obwohl Wahlprogramme als notwendig erachtet werden, finde ich es deutlich spannender, die Direktkandidaten vor Ort zu erleben. Dabei liegt mein ganz persönliches Augenmerk auf folgenden Kriterien: „Wer spricht wie lange?“ „Wer unterbricht gerne?“ „Wer wiederholt sich?“ und „Wer verlässt vorzeitig die Runde“? Für mich eine deutlich effektivere Methode als sich stundenlang durch Texte zu hangeln, die sich in ihrer Aufgeblasenheit ohnehin kaum voneinander unterscheiden.

Nun lud der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der sich seit einigen Wochen auch in Brandenburg/Havel mit einer Niederlassung präsentiert, zu einer Podiumsdiskussion ein. Das Thema lautete: „Verkehrswende für Brandenburg – jetzt“ und zu Gast waren alle Direktkandidaten für die Landtagswahl. Und um es gleich vorweg zu sagen: Die verkappte Forderung nach einer Verkehrswende wurde zwar von allen Parteien mit treuherzigem Augenaufschlag goutiert, einen konkreten Plan hatte aber keiner.

Während ein wortreicher Vertreter der CDU stets seinen Mitdiskutanten ins Wort fiel und dabei deutlich machte, dass man schon allein aus Kostengründen die Leute in den Dörfern niemals befriedigend mit einem ausgebauten ÖPNV werde bedienen können (zumal das mit dem Auto doch so super klappt), beteuerten die Grünen, dass sie gerade die Menschen auf dem Land „abholen“ wollten. Wie, wurde nicht ausgeführt; ich vermute, mit dem Lastenfahrrad.

Der Direktkandidat der AfD brillierte mit astreinem, lang anhaltenden Politikersprech und einer bemerkenswerten Offenheit in alle Richtungen. Die FDP schwadronierte viel, unter anderem auch von selbstfahrenden Autos, und der Vertreter der Freien Wähler bestätigte meist die CDU oder verschwand vor die Tür. Dort lud nämlich der örtliche, von der hier ansässigen Familie Tiemann (CDU) betriebene Fernsehkanal SKB ausgewählte Kandidaten zum Zwischeninterview. Die Vertreterin der seit Jahren in Regierungsverantwortung stehenden SPD meinte, man müsse in Sachen Verkehrswende mehr auf Zusammenarbeit setzen. Und die Linke erinnerte daran, dass es durchaus Gleise gebe, die reaktiviert werden könnten, um die Dörfer wieder an die Stadt Brandenburg anzuschließen. Stillgelegt worden seien sie schließlich nach der Wende im Zuge der Bahnprivatisierung, die inzwischen vom Tisch sei. Es bedürfe nur des politischen Willens, um ein funktionierendes Miteinander mit den Landkreisen und der Deutschen Bahn anzugehen…

Hier fährt kein Zug nach irgendwo

 

Aha. Reaktivierung, politischer Wille, funktionierendes Miteinander.
Mit anderen Worten: Phantasie, Kooperation, Arbeit.

Das dürfte – zumindest mit diesem kakophonisch versierten Personal – eher schwierig werden.

 

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