vonbranden-buzz 24.03.2020

Branden-Buzz

Die Provinz summt und Helga Stöhr-Strauch hört zu. Eine Symphonie aus Brandenburg/Havel – ein Hund summt mit.

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Laut aktueller Ansage gibt es in Brandenburg/Havel momentan genau zehn mit dem Coronavirus infizierte Menschen. Alle waren entweder in Österreich oder kommen aus dem unmittelbaren Umfeld derer, die in Österreich gewesen sind.
Womit sich Brandenburg/Havel erneut als eine Insel der Glückseligen erweist, auf der der Oberbürgermeister im Zweitagesrhythmus in Erscheinung tritt. Mal um sich mit gut gemeinten Ratschlägen an die armen Schüler zu wenden, die neuerdings keine Corona-Partys mehr am Grillendamm feiern dürfen:

„Helft und unterstützt eure Eltern. Seid freundlich miteinander. Es gibt vieles, was ihr tun könnt: Helft im Haushalt mit, z.B. beim Abwaschen oder Ausräumen des Geschirrspülers, beim Wäscheaufhängen oder dem Rausbringen des Mülls.“

Oder mit so verblüffenden Aussagen wie „Oberbürgermeister begrüßt die Corona-Festlegungen der Bundesregierung und Bundesländer“ zitiert wird.

Also bleibt auch uns Brandenburgern nichts anderes übrig, als zuhause zu bleiben und auf bessere Zeiten zu warten. Alles ist dicht, es passiert sprichwörtlich nüscht. Oberflächlich betrachtet. Aber irgendwas ist immer. Zur Not eben Frost oder genauer gesagt Frostnächte, die auf dem Land besonders klirrend ausfallen und den bislang noch wenig bekannten Phantasiereichtum der Brandenburger auf besondere Art beflügeln, um die Obsternte 2020 nicht zu gefährden.

Da gibt es zum Beispiel Variante 1, nennen wir sie hier mal „Flatternde Hoffnung“. Ihr sind ganze Straßenzüge verfallen, die mit nahezu gespenstischen Kreationen aufwarten.

Modell „Flatternde Hoffnung“: ein in luftiges Material gekleideter Obstbaum

Oder es gibt Variante 2. Ich nenne sie: Corona-Variante. Sie besteht darin, dass man nichts tut und einfach abwartet.

Modell „Corona“: Nichtstun und Abwarten

Und schließlich gibt es die Variante Nummer 3. Sie trägt den Namen „Eistraum“ und
experimentiert streng naturwissenschaftlich mit Frostschutzberegnung, wobei das gezielte Besprühen von Nutzpflanzen mit sehr feinen Wassertröpfchen einen Eismantel erschaffen soll, der dann seinerseits die Blüten vor dem Erfrieren schützen soll.

 

So sollte es aussehen laut Wikipedia

 

Einer unserer Nachbarn verfolgte diese Variante, vernachlässigte dabei allerdings
a) das gezielte Besprühen der Nutzpflanzen, so dass nicht nur seine Thujahecke, sondern auch der ganze Bürgersteig vereist wurde.

Und
b) die Vorgabe der sehr feinen Beregnung, so dass das zugegebenermaßen imposante Blütenkunstwerk heute früh mit so schweren Eiszapfen aufwartete, dass einige der jungen Äste runtergebrochen sind.

 

Modell „Eistraum“

Woraus man mal wieder so einiges ableiten kann. Nämlich: In Corona-Zeiten kann man einfach mal stille halten. Zweitens können flatternde Hoffnungen ebenso zu einer Obsternte gehören wie zu ganzen Landstrichen in der Feldmark, die sich erhoffen, von Corona verschont zu bleiben. Und drittens: ein Eistraum verwandelt sich mitunter schnell zum Eistrauma. Zum Beispiel in Form gebrochener Gliedmaßen, die durch das unsachgemäße Bewässern von gefrorenen Gärten hervorgerufen werden.
Mein Mann, der traditionell den eher rationalen Part in unserer Beziehung übernimmt, merkte noch an, dass das Obst im Sommer im Supermarkt wohl kaum so teuer werden dürfte, dass es den Betrag der Schadensersatzforderungen übersteigt. Wobei er – mal wieder typisch – die Rechnung ohne den Corona-Wirt gemacht hat.

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