vonbranden-buzz 26.08.2019

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Die Provinz summt und Helga Stöhr-Strauch hört zu. Eine Symphonie aus Brandenburg/Havel – ein Hund summt mit.

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Kürzlich hielt der AfD-Wahlkampftross in Brandenburg/Havel. Und wie es sich für eine ordentliche Stadt gehört, standen natürlich auch die Gegendemonstranten auf der Matte, so dass die blaue Wahlkampfveranstaltung mit einem bunten „Familienfest“ beantwortet wurde. Mit ehemaligen Bürgerrechtlern, linken Gruppierungen, Lokalpolitikern, Flüchtlingsorganisationen, KlimaaktivistInnen, Künstlern und vielen anderen Bürgerinnen und Bürgern dieser schönen Stadt. Getrennt wurden beide Lager nur durch eine Straße und viele Polizisten, was mulmige Gefühle hervorrief. Viele auf der „linken“ Seite wollten zudem gar nicht so genau wissen, wer sich alles auf der anderen Straßenseite versammelt. Eine Frau berichtete, sie habe gerade ein paar ihrer ehemaligen Schüler zur AfD gehen sehen. Andere wiederum klauten sich AfD-Flyer, weil es für jeden Flyer von „rechts“ bei den „Linken“ ein Stück Kuchen gratis auf die Hand gab.
Ich flanierte von links nach rechts und wieder zurück. Dabei stellte ich fest, dass meine gute Laune, die mir die flotte Musikauswahl auf der „linken“ Seite bescherte, erdrutschartig versackte, sobald ich mich auf der „rechten“ Seite des Geschehens befand. Es gab keine Musik, keinen Applaus, sondern nur hallendes Geknödel, was vermutlich mit einer nicht ganz optimal eingestellten Tonanlage zu tun hatte. Jedenfalls lauschte man ziemlich verspannt.

Wahlkampf der AfD in Brandenburg/Havel

Neben den Landtagskandidaten hatte man auch den Parteivorsitzenden Gauland eingeflogen. Bei ihm fiel mir besonders auf, dass keiner klatschte. Und außerdem das Konterfei von Willy Brandt mit dem berühmten Spruch „Mehr Demokratie wagen“.

Parteivorsitzender Gaulandt mit Zitat von Willy Brandt

 

 

Inhaltlich ging es um „Wende vollenden“ und den AfD-Wahlkampfruf „Freiheit statt Sozialismus“, also um Sachen, die entweder auch plagiiert oder aus anderen Zusammenhängen gerissen und neu verwurstet wurden. Den Rest habe ich vergessen, denn ich musste die Parabel von der Krähe aus meinem Hirn graben, mit der ich mich vor gefühlten hundert Jahren im Lateinunterricht herumgequält hatte: Eine Krähe findet Pfauenfedern und will damit ihr lahmes Gefieder aufpeppen. Dummerweise merken das die Pfauen und reißen ihr zur Strafe nicht nur die fremden Federn, sondern auch noch die eigenen raus, was das gerupfte Viech aus naheliegenden Gründen gar nicht lustig fand.

Gestern erschien nun in Meetingpoint, dem eigentlichen Leitmedium der Stadt Brandenburg/Havel, folgender Leserbrief, der sich ebenfalls mit geklauten Federn befasste:

Nicht mit uns – Gegen den Missbrauch der Friedlichen Revolution 1989 im Wahlkampf

Erstellt: 25.08.2019 / 13:02 von Erhard Gottschalk
Ehemalige DDR-Bürgerrechtler aus Brandenburg an der Havel schließen sich der bundesweiten Erklärung von DDR-Bürgerrechtlern an: Nicht mit uns: Gegen den Missbrauch der Friedlichen Revolution 1989 im Wahlkampf. 30 Jahre nach den Ereignissen des Jahres 1989, die in der friedlichen Revolution und dem Sturz der Diktatur in der DDR gipfelten, wird allerorten an diese Zeit erinnert. Diese Erinnerung ist aus unserer Sicht wichtig und richtig. Die Wahlkampagne der AfD suggeriert den Wählern jedoch, dass die Zustände in der heutigen Bundesrepublik vergleichbar wären mit dem Alltag in der DDR.
Mit Parolen „Vollende die Wende“ suggeriert sie, dass die Wende nicht erfolgreich war.

Ziele dieser Revolution waren Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und offene Grenzen.

Das Führungspersonal der AfD auf Bundes- und Landesebene stammt mehrheitlich aus den alten Bundesländern und hat die Wende hier nicht miterlebt und gestaltet.

Gegen die Vereinnahmung der friedlichen Revolution von 1989 und ihrer Ziele zu Wahlkampfzwecken verwahren wir uns ausdrücklich!

Christina und Bernd Schulze,
Dr. Hans Hoffmann
Pfarrn. Cornelia Radeke-Engst
Raymund Menzel
Superintendent S.-Thomas Wisch
Martina Geiersberg
Dr. Michael Engst
Ulrike und Philipp Mosch
Christina Behrendt
Christian Radeke
Erhard Gottschalk
u.v.m.

Was beweist, dass bunte Familienfeste nicht nur schön, sondern oft auch inspirierend sein können.

 

 

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