vonbranden-buzz 04.07.2019

Branden-Buzz

Die Provinz summt und Helga Stöhr-Strauch hört zu. Eine Symphonie aus Brandenburg/Havel – ein Hund summt mit.

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Vor drei Tagen hatte ich Kontakt mit einem Wespennest. Es hatte sich unser Gartentürchen als Heimat ausgesucht. Und da ich die Absicht hatte, das Stückchen Wiese, das sich direkt vor unserm Grundstück befindet, zu mähen, wurde ich gleich zweimal gestochen. Denn es war heiß und die Wespen, die ansonsten friedlich vor sich hinsummen, litten ganz offensichtlich unter einer Art Dauerverpeilung, so dass sie Alles und Jeden als potentiellen Eindringling in ihr Revier interpretierten. So viel zum Thema Grenzüberschreitung.
Wobei wir direkt beim Thema sind. Hat Kapitänin Carola Rackete nun eine Grenze übertreten oder nicht?

Um diese Frage abschließend zu klären, stand auch in Brandenburg/Havel die Frage im Raum, ob man sich der am kommenden Samstag im ganzen Bundesgebiet stattfindenden Protestumzüge gegen die Kriminalisierung der deutschen Kapitänin mit dem klingenden Namen anschließen wolle. Die Frage war vermutlich falsch gestellt, denn nicht das Wollen, sondern das Können war entscheidend; in diesem Fall also das Nichtkönnen. Denn wenn man erst am Mittwoch davon erfährt, ist es unmöglich, bis Samstag eine Kundgebung auf die Beine zu wuchten. In Stuttgart geht sowas natürlich, denn die Schwaben haben das Protestieren inzwischen zur Königsdisziplin erhoben und demonstrieren schon aus reiner Gewohnheit. Aber die Brandenburger?
Nun bin ich ja nicht ungeübt im Organisieren solcher Sachen, aber die Widrigkeiten waren dann doch immens. So verwiesen die angefragten potentiellen Mitstreiter, sofern sie nicht bereits nach Lissabon oder auf die Malediven geflogen waren, auf akut anstehende Freizeitaktivitäten wie Familienfeste, Boote putzen oder Geburtstagsfeiern. Einen besonders interessanten Grund, sich von der momentan angesagtesten Form der politischen Willensbekundung abhalten zu lassen, kam bezeichnenderweise von einem Schauspieler, der mir erklärte, er müsse am Samstag unbedingt seine Kühe melken. Und habe außerdem kein Auto.
Technik fand sich auch keine, denn am Samstag steppt mal wieder der Bär am Grillendamm. Und Leute, die sich einfach mal um den Kleinkram wie Bühnenaufbau, Spendenbüchsen und Ordner kümmern, muss man sich vermutlich von irgendwoher kommen lassen. Wie die rumänischen Spargelstecher. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

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