vonMargarete Stokowski 03.03.2020

taz Buchmesseblog

Margarete Stokowski und taz-Autor*innen bloggen live von den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. | Alle Infos unter: taz.de/buchmesse

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Nun ist die Messe wegen Coronagefahr abgesagt und die Menge gespalten. War es richtig, war es falsch? Meine Meinung: Es ist natürlich wahnsinnig traurig für die Veranstaltungen, die geplant waren, für die Autor_innen und ihre Bücher, die Cosplay-Kids und ihre Kostüme. Und trotzdem richtig und gut und vernünftig. Vorhin erst hab ich für den Spiegel meine Kolumne darüber geschrieben, dass Profit nicht über Gesundheit gehen darf und ob irgendwer sich vorstellen kann, wie eine solche Epidemie ohne Kapitalismus aussähe (hab mich gefühlt wie der letzte Hippie beim Schreiben, denke das alles aber genau so). Hatte natürlich einen langen Absatz zur Buchmesse drin, der jetzt rausgeflogen ist, und während ich die letzten Tage immer dachte: „jetzt sagt doch endlich ab, meine Fresse“, dachte ich heute dann, als die Absage kam: „Warum denn jetzt und nicht erst in drei Stunden, wenn mein Text raus ist?“ Schlimm!

Manche Cosplayer fahren trotzdem hin, hab ich auf Twitter gelesen und treffen sich stattdessen vielleicht einfach am standardkeimigen Hauptbahnhof, Punks not dead. Stelle mir gerade vor, der Literaturbetrieb würde das auch machen: Einfach aus Liebe zu den Büchern nach Leipzig fahren und vier Tage lang in den Kneipen der Stadt über Neuerscheinungen diskutieren, Lesungen an Kreuzungen, Preisverleihungen in Parks… und ja, am Ende wären dann halt alle krank (oder gesund, aber Keimschleudern). Was hätten wir die Jahre später noch an „weißt du noch“-Momenten! Zumindest die, die überleben würden.

Die Hoffnung bleibt, dass es den neu erschienenen Büchern nicht so sehr schadet, beziehungsweise, was ich sagen will: Lest Paula Irmschlers „Superbusen“! Leute, es ist so lustig und so schlau. Eine Geschichte über Frauen in Chemnitz, die eine Band gründen (die Band heißt Superbusen). Ein feministisches, politisches, wichtiges Buch. Es geht um Freundschaft und Nazis und Klauen und Essen, ich glaube, mein liebster Satz ist: „Klauen ist wie Containern, nur vorher.“ Oder nein, auch dieser: „Wir waren nicht anti-intellektuell, wir hatten nur immer anderes zu tun.“

In diesem Sinne: Kommt alle gut durch die Corona-Zeit!

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https://blogs.taz.de/buchmesse/2020/03/03/sonderpreis-der-leipziger-buchmesse-geht-an-die-vernunft/

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