vondragonlair 06.05.2019

dragonlair

Technologie ohne Weichzeichner und Softlayer wie grafische Oberflächen.

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Wenn ich im Internet unterwegs bin, habe ich genau zwei Probleme. Erstens suche ich Informationen ist dies nicht einfach, da ich versuche keine persönlichen Filterblase im Netz zu haben. Suche ich z.B. bei google nach einem spezifischem Computerthema bekomme ich in 0,33 Sekunden 48 Ergebnisse angezeigt, die nahezu nichts mit der eigentlichen Anfrage zu tun haben. Wiederhole ich die Suche etwas später wird das Ergebnis auch nicht besser: 14 Dokument in 0,26 Sekunden. Die wechselnden Ergebnisse sind dann wohl dem Tor-Browser zu verdanken, der mich mal aus diesem mal aus jenem Land erscheinen lässt. Das zweite Problem ist die eigentliche Ursache für meine reduzierte Filterblase.

Ich lege Wert darauf die Hoheit über meine Daten im Netz zu behalten. Ich möchte darüber entscheiden welche meiner Bewegungen im Netz an welche Unternehmen gesendet werden.

So finde ich es in Ordnung an Webseiten die Künstlerin und Autorinen unterstützen zu kommunizieren, dass dieses oder jenes Werk betrachtet wurde. Im speziellen werden die Autorinnen von der VGWort vergütet, wenn ihre Artikel im Netz gelesen wurden. Auch creative commons hat die Idee eines Reuse-Trackers um Informationen über die Widerverwendung von Werken zu bekommen. Was ich nicht möchte ist, dass ein Bewegungsprofil von mir erstellt wird, das Aussagen über mich als Einzelperson treffen kann.

Werbung aus Werbenetzwerken wird bei mir größtenteils nicht angezeigt. Tracker, soweit erkannt, nicht informiert. Firefox bietet in den Einstellungen die Möglichkeit die Trackingprotection einzuschalten. Mit den Plugins NoScript, Privacy Badger und uBlock origin ist das Meiste abgedeckt. Für Handynutzerin sieht es etwas dunkler aus.

Das lightbeam plugin für den Firefox nutzt Kreise für alle Seiten die angesurft wurden. Dreiecke werden verwendet für Seiten die im Hintergrund der Seite geladen wurden. Sind zwei Kreise über ein Dreieck verbunden ergibt sich ein Bewegungsprofil

So ziehmlich jede Webseite bindet Tracker ein. Dabei ist zwischen den lokalen Trackern und den externen Trackern zu unterscheiden. Lokale Tracker sind dabei solche, die in die Architektur der Webseite integriert sind. Ihre „Meldungen“ über meine Nutzung der Webseite gehen nur an den Betreiber der Webseite. Sie sind spezifisch für diese Webseite. Sie überwachen und melden wie ausgezeichnete Elemente auf der Webseite genutzt werden.

Es gibt Firmen die sich darauf spezialisiert haben andere Webseiten zu tracken. Externe Tracker melden ihre Daten an eine zentrale Instanz.  Je mehr Webseiten den gleichen externen Tracker einbinden, desto vollständiger wird das Bewegungsprofil der einzelner Surferin. Der Quelltext der Tracker ist meist als JavaScript-Datei in der Cloud angesiedelt. Für Webseitenbetreiber bieten diese externe Implementierungen eine schnelle Lösung um Fragen nach Besucherzahlen, Kampanienerfolgen oder Endgeräten der eigenen Webseite zu beantworten. Diesen Unterschied der Einbindung machen sich Plugins und Trackinprotection zu nutze um Externe zu blockieren. Einrichtungen wie VGWort und ivw zählen auch dazu.

Und dann gibt’s da natürlich auch noch Plugins die jede Webseite die besucht wird einlesen um sie nach ein paar Augenblicken automatisiert zu übersetzen. Sie funktionieren zur Zeit noch so, dass sie den Text oder die URL eines Textes in die Cloud senden und diese dann das Ergebnis der Übersetzungsarbeit mitteilt. Damit kennt der Dienstleister dann wirklich jede Webseite auf der man unterwegs war.

Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. oder ivw.

 

Der Name ist Programm. Dort lassen sich Statistiken über Seitenbesuche von allen teilnehmenden Webseiten einfach einsehen. In der Monatsübersicht auf der ivw-Webseite lassen sich dann auch csv-Dateien downloaden. Das kann man dann in Graphen darstellen. Jetzt stellt sich die Frage über die Abweichung der Zählung von der Realität. Und das ist der Punkt an dem sich der Fuchs in den Schwanz beisst. Jeder Tracker zählt anders. Jeder Tracker definiert selbst was ein ‚Visit‘ ist. Die Abweichungen in den absoluten Zahlen von Tracker zu Tracker sind stellenweise aberwitzig. Abweichung des gleichen Messwertes von bis zu 30% in die eine oder andere Richtung kann man hier schon mal einplanen. Selbst wenn die exakten Daten vorhanden sind, ist die Form der Auswertung, die Aggregation der Daten eine Wissenschaft für sich. Wer misst misst Mist.

„Wenn alle den gleichen bekannten Fehler machen, lassen sich die Messung vergleichen“

Die Besucher der Webseite sind die Ursache des Messfehlers. Sie sind nicht gleich verteilt. Die Besucherin von taz.de hat eine andere Verteilung der Vorlieben, auch was ihre Daten angeht, als sagen wir die Besucherin von bild.de. taz ist nicht für jeden. Das ist OK so. ( Werbevideo bei youtube 1min 10sec)

Anders gesagt: externe Tracker liefern Zahlen/Information zum Optimieren, zum Vergleichen und zum Bewerten von Webseiten. Ihre Datenbasis – die Basis all ihrer Aussagen – ist die Summe der Besucherinnen die sich noch tracken lassen und weniger datenschutzaffin sind. Nichtmal absichtlich, sondern weil die Benutzerführung in der App es einfacher macht den Link anzusteuern, statt einen Browser mit TrackingProtection zu starten. Oder weil Chromes „Incognito“-Modus schon beim Namen irreführent ist. Oder vielleicht, weil Safaris Tracking Prevention nicht weit genug geht.

Für Webseitenbetreiber wird es zunehment komplizierter verlässliche Aussagen zu bekommen. Hallo Salesmenschen aus der Trackingindustrie! Ich habe da mal zwei Fragen. Auf wievielen Anti-Tracking Listen ist euer Dienst eingetragen? Woher weiss der Dienst wieviele Besucher nicht erfasst wurden?

 

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