
Ein letztes Foto aus Juba, im Südsudan. Das war unser Übertragungswagen, mit dem wir unsere Fernsehgeschichten überspielt und mit dem die Live-Schaltungen nach Wien per Satellit übertragen wurden, ein sogenanntes SNG. Andere pflanzen Maschinengewehre auf solche Kleinlastwagen und wir unsere Satellitenschüssel.
Das folgende Video habe ich mit meinen Iphone vom Flugzeug aus gedreht. Die Maschine der Egyptair ist gerade auf dem Weg über Khartum nach Kairo in Juba gestartet und dreht eine Schleife über den ersten Zweig des Nils, dann über eine Nilinsel, bevor der zweite Teil des afrikanischen Flusses auftaucht. Für mich ist es faszinierend, dass dieser selbe Fluss viereinhalb Flugstunden weiter nördlich vor meinem Bürofenster in Kairo vorbeifließt. Noch etwas anderes ist hier auffällig. Das Flugzeug ist gerade aus Juba, der wahrscheinlich zukünftigen Hauptstadt des Südsudan gestartet und es ist bereits nur noch Buschland und keine einzige Straße mehr zusehen.
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=vHH5WnaYcCo&feature=player_embedded[/youtube]
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Das geht lange so weiter. Auch eineinhalb Flugstunden weiter nördlich bietet sich das gleiche Bild. Soweit das Auge reicht keine Straße. Der Südsudan ist so groß wie Frankreich und besitzt 60 Kilometer asphaltierter Straßen.
Zurück in Kairo überschlagen sich die Ereignisse. Gestern Abend saß ich mit einem tunesischen Bekannten beim Abendessen. Er war wahnsinnig aufgeregt. Gerade seit einer Woche ist er aus Tunis zurück und hatte viel von den dortigen Demonstrationen zu erzählen und wir haben viel darüber diskutiert, welche Auswirkungen Tunesien auf den Rest der Arabischen Welt haben könnte. Könnten die arabischen Regime wie ein Kartenhaus ähnlich wie einst in Osteuropa zusammenstürzen und welche Form würde das etwa in Algerien oder in Ägypten annehmen? Aber vielleicht war hier auch der Wunsch die Mutter des Gedankens.
Die wurden immer wieder von dem Klingelton des Handys meines tunesischen Bekannten unterbrochen. Anrufe aus Tunesien: alle versuchten zu begreifen, was in Tunis nach der Rede des Präsidenten Ben Ali geschehen wird? Denn der hat sich an diesem Abend vor die Kamera gestellt und hat eine radikale verbale Kehrwende gemacht.
„Ich werde es nicht dulden, dass ein weiterer Tropfen Blut vergossen wird,“ sagte er. Er habe angeordnet, dass Sicherheitskräfte ihre Waffen nur noch dann einsetzen dürften, wenn sie bedroht würden. „Ich verstehe die Tunesier und ihre Forderungen. Ich bin traurig darüber was nach 50 Jahren Dienst an meinem Land geschehen ist, nach dem Militärdienst und nach meinen 23 Jahren Präsidentschaft“, erklärte er und fügte hinzu; „Wir müssen es schaffen bis 2014 eine angemessene Versöhnung zu erreichen“.
Zu diesem Zeitpunkt hat er nämlich in der gleichen Rede versprochen, endet seine Amtszeit und er werde sie auch nicht wieder antreten. Er versprach bis dahin umfassende Reformen. Kurz darauf tauchten auch erstmals Oppositionsführer im staatlichen Fernsehen auf.
Die Frage, die im Raum steht. Reicht das nach 66 Toten von den Händen der Sicherheitskräften seit Beginn der Proteste Mitte Dezember? Soviele hat die Internationale Federation für Menschenrechte in Paris gezählt. Allein 13 in den letzten zwei Tagen. Ist das Ben Ali letzte Karte oder tatsächlich ein Schritt zu umfassenden Veränderungen? Das folgende Video wurde von der tunesischen Bloggerin Nawaat hochgeladen. Es wurde angeblich nach der Rede Ben Alis aufgenommen. Ist das korrekt, dann stimmt mich das nicht allzu optimstisch. Aber vielleicht hat sich das Ganze noch nicht die ganze Kommandokette nach unten herumgesprochen.
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Mich interessiert vor allem, was meine tunesischen Leser und Leserinnen dieses Blogs dazu meinen? Postet!!!
Und dann ist da noch der Libanon. Da verweise ich auf meinen Artikel und meinen Kommentar, die beide heute veröffentlicht sind. Die Lage ist Beirut ist äußerst angespannt.
Dieses Jahr begann in meiner Region sehr turbulent. Erst der Anschlag auf die koptische Kirche in Alexandria, da war das Jahr noch keine halbe Stunde alt. Dann die sich überschlagenden Ereignisse in Tunesien, das Unabhängigkeitsreferendum im Südsudan und nun auch noch der Sturz der Regierung im Libanon. Mal sehen, wie das alles weitergeht.