vonTatjana Frank 19.04.2021

Empowerment

Die Stellung der Frau im Wandel der Zeit. Vieles wurde erreicht, vieles muss noch erreicht werden. Ich beleuchte die relevantesten Themen aus unterschiedlichen Perspektiven.

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Ob Genderstern, Doppelpunkt, Wechsel in der Aufzählung, Paarform oder generisches Maskulin – die Wogen gehen hoch, wenn das Thema geschlechtergerechte Sprache ist. Hierbei wird die Debatte emotional geführt.

Einige wollen, dass alle Geschlechter sichtbar gemacht werden sollen und andere reden von sprachlicher Bevormundung, da sie sich im Lesefluss gestört fühlen. Für Helena Trachsel, die Leiterin der Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich sei klar, dass es nicht um Gendersprache gehe, sondern darum, dass alle Menschen sprachlich miteinbezogen werden. In der Sprache sei es das Ziel, alle Menschen sichtbar zu machen.Auf dieselbe Frage fällt Susanne Brunners Antwort ganz anders aus. Zur Gleichberechtigung könne die Gendersprache nicht beitragen. Nur Gesetze und Verfassung könnten das. Von Susanne Brunner (Zürcher SVP-Gemeinderätin) wurde vor zwei Jahren ein Vorstoß zurückgewiesen, weil dieser nicht gendergerecht formuliert wurde. Daraufhin beschritt Susanne Brunner den juristischen Weg. Ihr wurde vom Bezirksgericht Recht gegeben. 

Für viele eine mentale Überforderung

Im Bereich der Gendersprache kommen bei vielen die neuen Veränderungszwänge und Forderungen als Explosion von Komplexität an. Dieser Umstellung fühlen sich zahlreiche Menschen nicht mehr gewachsen.Auf vielen Gebieten werden derzeit vom Bürger große Lernprozesse erwartet. Zum Beispiel hat der Bürger mittlerweile erst gelernt, die nationalen Interessen zusätzlich um die europäischen Belange zu erweitern. Jetzt soll der Bürger bereits schnell in seinem Denken Probleme auf globaler Ebene berücksichtigen.Hat der Bürger genderkonform gerade erst die Schreib- und Sprechweise Bürger*innen verstanden, so soll er mit den Begriffen „trans“, „queer“ und „nichtbinär“ schon jetzt jonglieren. Hat der Bürger gerade erst begriffen, dass die Begriffe „Zigeunerschnitzel“ und „Mohrenkopf“ nicht mehr richtig sind, muss er als nächstes bereits lernen, dass bei weißhäutigen Menschen eine Afrolookfrisur wegen „Cancel Culture“ oder „blackfacing“ nicht akzeptiert werden kann, während bei Menschen mit anderer Hautfarbe eine Blondfärbung der Haare korrekt ist.

Das kann ja alles für Diskussionen gerechtfertigt sein, doch die Bürger müssen mit gewissen Lernzeiten und guten Begründungen ebenso „mitgenommen“ werden und unnötige Übertreibungen sollten möglichst  vermieden werden. Schließlich kann nur auf diese Weise verhindert werden, dass ganze Bevölkerungsgruppen sich „ausklinken“ und das „Mitspielen“ verweigern. Es darf nicht zugelassen werden, dass in Deutschland und Europa eine Spaltung der Gesellschaft wie in den USA mit Trump erfolgte, wegen einer zu übertriebenen Umsetzung der neuen Forderungen entsteht. Zudem sind gewissenlose Agitatoren, welche all diese Neuerungen deutlich ablehnen, auf das altbekannte setzen und Verlustängste schüren, schnell gefunden. Ein alter und bewährter deutscher Grundsatz ist in diesem Fall „Eile mit Weile“ und dieser sollte ebenfalls auf diesem sensiblen Gebiet angewendet werden.

Vorerst kein Genderstern im Regelwerk der Rechtschreibung

Den Genderstern verwenden immer mehr Behörden und Unternehmen. Allerdings wird er vorerst nicht zum amtlichen Regelwerk der deutschen Sprache gehören. Stattdessen will der Rat für deutsche Rechtschreibung weiter die Entwicklung des Sprachgebrauchs beobachten. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat das laut einem Zwischenbericht in Mannheim beschlossen. Das Expertengremium will demnach zunächst die Entwicklung des Schreibgebrauchs weiterhin beobachten.Der Rat wolle sich laut dem Papier in seiner Bewertung von geschlechtergerechter Schreibweisen an der Verständlichkeit und Lesbarkeit orientieren. Es sei das Ziel, einem unkontrollierten Nebeneinander verschiedenster Variantenschreibungen entgegenzuwirken und in allen deutschsprachigen Ländern die Einheitlichkeit der Rechtschreibung zu erhalten.

Immer mehr Behörden, Unternehmen, Stadtverwaltungen und Hochschulen nutzen neue sprachliche Formen wie den Unterstrich („Bürger_innen“) oder den Genderstern („Student*innen“). Auf diese Weise sollen auch Personen angesprochen werden, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen. Laut Rechtschreibrat kann die Verwendung dieser Sonderzeichen zu grammatisch nicht richtigen Lösungen und Folgeproblemen führen.In Fragen der Orthographie ist der Rat für deutsche Rechtschreibung seit 2004 die maßgebliche Instanz. Dieser hat etwa 40 Mitglieder aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und dem Fürstentum Liechtenstein. In der Regel ist der Sitzungsort in Mannheim das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache. Die Geschäftsstelle des Rats befindet sich dort.

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https://blogs.taz.de/empowerment/gendersprache-des-einen-freud-des-anderen-leid/

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