vonTatjana Frank 24.11.2021

Empowerment

Die Stellung der Frau im Wandel der Zeit. Vieles wurde erreicht, vieles muss noch erreicht werden. Ich beleuchte die relevantesten Themen aus unterschiedlichen Perspektiven.

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Kurz gefasst: Die Gleichberechtigung darf kein Luxus sein. Denn Gleichberechtigung ist kein verschwenderischer, kostspieliger oder den Rahmen sprengender Genuss. Bezüglich der Gleichberechtigung trifft nichts davon zu oder darf zutreffen. Dennoch: Es gibt zahlreiche Paare, die es sich einfach nicht leisten können, die Arbeit und die Sorgearbeit gerecht aufzuteilen. Woher kommt es zu diesen Umständen?

Männer verdienen generell mehr

Es ist bereits seit Jahrzehnten ein rege diskutiertes Thema, dass Männer grundsätzlich mehr Geld für ihre Arbeit erhalten. Dennoch geht es nur langsam voran in diesem Bereich. Schließlich verdienen Frauen im Vergleich zu Männern selbst in heutiger Zeit weniger. Der Grund hierfür leuchtet ein: Typische Frauenberufe werden häufig schlechter bezahlt. Frauen wird eine wichtige Rolle im Bereich der Fürsorge zugeschrieben und in Gehaltsverhandlungen haben sie generell das Nachsehen. Zudem sind weibliche Personen in einer heterosexuellen Partnerschaft oft jünger als ihre männlichen Partner. Auch in diesem Fall verdienen sie aufgrund geringerer Berufserfahrung weniger. Diese Umstände verkehren also zu einem Teufelskreis.

Frauen und Männer sind demnach gleich viel und gleich lange auf der Arbeit tätig, aber dennoch verdient der Mann meist mehr. Das ist sicherlich schon nicht leicht hinzunehmen. Wenn jedoch die Familienplanung mit Kindern, dem Haushalt und eventuell noch die Pflege von Angehörigen hinzukommen, muss eine Person aus der Partnerschaft Stunden in der Arbeit kürzen. Hier hat der Staat ernüchternde Vorgaben angesetzt: Die besser verdienende Person aus der Partnerschaft wird steuerbegünstigt, die mehr arbeitet. Dazu kommen noch die Elterngeldregelungen. Auch in diesem Bereich ist es weniger schmerzhaft, wenn die schlechter verdienende Person aus der Partnerschaft, die Teilzeit arbeitet, über eine längere Zeit Elterngeld erhält.

Sollten sich Partner trotzdem für die Gleichberechtigung entscheiden?

Innerhalb einer Partnerschaft können sich die beteiligten Personen sicherlich für die Gleichberechtigung entscheiden. Allerdings sieht die Realität anders aus: Das Ehepaar ist verantwortlich für die Miete, die Kinder sowie die zu pflegenden Angehörigen. Für das Alter möchte das Paar ebenfalls etwas Geld zurücklegen. Ist es wirklich wahr, dass ein Ehepaar im 21. Jahrhundert eine Gleichberechtigung mit je 30 Stunden Arbeitszeit als eine kostspielige Investition betrachten muss? Die traurige Wahrheit ist diese: Meist arbeitet die Frau in Teilzeit für 20 Stunden und der Mann ist in Vollzeit für 40 Stunden tätig. Durchschnittlich sind beide Varianten 60 Stunden Arbeit. Doch aufgrund Ehegattensplitting sowie Pay Gag gibt es im finanziellen Bereich pro Monat einen Unterschied, der sich etwa im vierstelligen Bereich bewegt. Beim Thema Elterngeld verhält es sich meist ähnlich. Aus diesem Grund können sich selbst die überzeugtesten Feministinnen und Feministen nicht so einfach für eine Gleichberechtigung in der Ehe entscheiden.

Es gibt etliche Frauen, die sich fast schon dafür schämen, dass sie ein Leben in der klassischen Rollenverteilung leben. Beinahe scheint es so, als ob sich die Frauen verantwortlich dafür fühlen, diese Verhältnisse zu leben. Doch im Grunde ist es beinahe schon absurd, die Verantwortung ganz auf sich selbst zu laden. Letztlich sind die Strukturen, worin die Menschen leben, leider patriarchalisch. Zudem ist es im Grunde eine Schande, dass Ehepaare, die sich innerhalb der Ehe eine Gleichberechtigung wünschen, auf ihrem Weg so große Steine vorfinden müssen.

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