vonTatjana Frank 26.04.2021

Empowerment

Die Stellung der Frau im Wandel der Zeit. Vieles wurde erreicht, vieles muss noch erreicht werden. Ich beleuchte die relevantesten Themen aus unterschiedlichen Perspektiven.

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Alle Menschen sind wertvoll und müssen die gleichen Rechte haben. Dabei dürfen die vorhandenen gesellschaftlichen Machtverhältnisse und die damit verbundenen Ungleichheiten nicht im Weg stehen – laut der Überzeugung des intersektionalen Feminismus. Die Corona-Pandemie zeigt: Vielleicht ist diese Haltung heute wichtiger als zuvor.

Derzeit beschäftigt der Ausbruch des Coronavirus die gesamte Welt und kluges Handeln wird erforderlich. Allerdings braucht es für ein gutes Krisenmanagement nicht ausschließlich wissenschaftliche Forschung. Auch soziale und politische Antworten sind wichtig. Zudem müssen diese im Gegensatz zu Impfstoffen und Medikamenten nicht erst gefunden werden. Die klaffende Lücke der Ungleichheit kann der Feminismus schließen, welche sich aktuell wie unter einem Brennglas erkennen lässt. Weshalb die Corona-Pandemie eine feministische Antwort braucht, wird in diesem Artikel mitgeteilt.

Alle Menschen sind wertvoll

Alle Menschen sind wertvoll und haben einen Anspruch auf die gleichen Rechte. Dem dürfen existierende gesellschaftliche Machtverhältnisse und dementsprechend auch die Ungleichheiten nicht im Weg stehen. Für die Gesellschaft ist ein 30-jähriger Bankangestellter nicht wichtiger als eine 55-jährige Kassiererin. Genauso gilt das für die 65-jährige Asthmatikerin, die nun via Smartphone ihren Enkelkindern Geschichten vorliest oder die 45-jährige Aktivistin sowie Farmarbeiterin, die auch weiterhin in Südafrika dafür sorgt, dass weltweit in Supermärkten Trauben und Wein aus Südafrika ankommen und die sich zugleich für die Rechte der Farmarbeiter einsetzt.

Antworten für Ungleichheiten sind notwendig

Wer macht sich derzeit nicht Gedanken um sich selbst oder die Liebsten? Alle haben mitunter Angst und mindestens ein mulmiges Gefühl. Die Pandemie ist schließlich bis in den letzten Winkel des Lebens der Menschen vorgedrungen. Wahr ist jedoch auch, dass die Krise die Bürger unterschiedlich hart trifft. Besonders leiden Personen ohne ein sicheres Zuhause, die von rassistischer Diskriminierung, ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, von ungleichen Machtverhältnissen und Armut betroffen sind. Der aktuelle Ausnahmezustand trifft insbesondere alleinerziehende Mütter und ältere Frauen, die ohnehin laut den Vereinten Nationen häufig arm oder armutsgefährdet sind, mit schonungsloser Härte.Ein Blick auf Pandemien früherer Zeiten lässt schon jetzt erahnen, wie langfristig die Folgen der Corona-Krise vor allem für Frauen sein können: Durch Ebola sind die Einkommen aller Menschen in Westafrika zwar gesunken, doch im Vergleich zu dem Einkommen der Frauen kehrten die Einkommen der Männer schneller auf den Stand zurück, der vor der Epidemie vorlag, sagt Julia Smith, eine Gesundheitsforscherin, in der New York Times. Frauen verdienen dabei im Vergleich zu Männern weltweit etwa 23 Prozent weniger. Außerdem besitzen die Männer generell 50 Prozent mehr Vermögen. Durch die Pandemie wird diese Ungleichheit verschärft.

Existenzsicherung und eine gerechte Bezahlung sind wichtig

Kurzarbeit und Entlassungen sind derzeit zu einer Existenzbedrohung geworden. Weltweit ist die Bedrohung durch die Corona-Krise vor allem für Frauen existentiell, was zum Beispiel die Textilindustrie in Bangladesch zeigt: Vor allem sind Arbeitsplätze und somit Existenzgrundlagen der Näherinnen in Gefahr, da bei den Textilfirmen Stornierungen eintreten. Auch sind Frauen auf Weinfarmen in Südafrika besonders betroffen: Falls infolge des Corona-Virus der Weinimport sinkt, werden zuerst Saison-Arbeiterinnen ihre Arbeit verlieren. Colette Solomon, die Direktorin von Women on Farms Project sagt, dass in Südafrika Farmarbeiterinnen als systemrelevant eingestuft werden, doch diese Relevanz spiegele sich nicht in den prekären Arbeitsbedingungen und den viel zu niedrigen Löhnen wider. In einer gerechten Welt darf diese Doppelmoral keinen Platz haben. Demnach sind Wertschätzung und Anerkennung wichtig, doch Zuspruch und Applaus in TV-Spots für systemrelevante Berufe sowie Pflege reichen nicht aus. Für diese entscheidende Arbeit braucht es sichere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung. 

Nicht nur bei Sonnenschein Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit

Die Politik darf auch in Zeiten der Corona-Krise weitere Verantwortungen zu den Themen Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit nicht übersehen. Zum Beispiel ist daher auch nach wie vor ein Lieferkettengesetz notwendig, damit unter gewissenlosen Geschäften von einigen deutschen Unternehmen Mensch und Natur nicht leiden. Die besonderen Risiken für die Frauen müssen Unternehmen kennen und lokale Frauenrechtsorganisationen dafür einbeziehen. Entsprechende Gesetze haben andere Länder in Europa bereits verabschiedet, beispielsweise zum Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit in Lieferketten. Auch in Deutschland ist das erforderlich. Schließlich sind Menschenrechte keine Bürde, vielmehr ist die Einhaltung ein Teil der Verantwortung. Das ist ebenfalls für den Zugang zu wichtigen sozialen Grunddiensten wie zum Beispiel Bildung gültig. Von den Schulschließungen weltweit sind schon jetzt 1,5 Milliarden Schüler und Schülerinnen sowie Studierende betroffen. Von diesen werden hunderte Millionen nie wieder in ein Klassenzimmer zurückkehren.

Die globalen Nachhaltigkeitsziele dürfen die Antworten auf das Corona-Virus nicht aus den Augen verlieren. Die Klimakrise rückt während der Pandemie in den Hintergrund. Schon jetzt fordern einzelne Stimmen in Industrie und Politik, zugunsten der Wirtschaft die bisherigen Maßnahmen zum Umweltschutz zurückzunehmen. Das wäre jedoch ein Schritt in die falsche Richtung. Vielmehr erfordert die Krise nachhaltige Antworten. Auch zählt dazu eine angemessene Bezahlung der global Beschäftigten und eine Stärkung der weltweiten Sozial- und Gesundheitssysteme.

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