vonTatjana Frank 01.04.2021

Empowerment

Die Stellung der Frau im Wandel der Zeit. Vieles wurde erreicht, vieles muss noch erreicht werden. Ich beleuchte die relevantesten Themen aus unterschiedlichen Perspektiven.

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Der Studie liegen Daten vor, die sich auf die Zeit vor der Corona-Pandemie beziehen. Weltweit erlebten demnach schon 736 Millionen Frauen durch einen Partner oder durch Nötigung Gewalt.

Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gewalt gegen Frauen allgegenwärtig. Für zahlreiche Frauen beginnt diese bereits in sehr jungen Jahren. Von 15 bis 49 Jahren erlebe jede dritte Frau (weltweit 736 Millionen Frauen) durch sexuelle Übergriffe oder durch einen Partner irgendwann im Leben Gewalt. 641 Millionen der Frauen, also die große Mehrheit, erlebe die Gewalt in der Partnerschaft oder in der Ehe. In einer Beziehung habe laut WHO weltweit jede vierte Frau unter 24 Jahren schon Gewalt erlebt. Zudem berichteten etwa sechs Prozent der Frauen von Übergriffen von Männern, mit denen sie nicht in einer Beziehung standen. Die WHO geht zudem davon aus, dass in Wahrheit die Zahl deutlich höher liege, da nach einer Vergewaltigung Frauen häufig stigmatisiert werden. 

Besonders betroffen sind Frauen in ärmeren Ländern

Nach eigenen Angaben hat die WHO für diese Angaben über 300 Studien ausgewertet. Diese bezieht sich auf Daten zwischen 2000 und 2018. Die Autoren beziehen sich insgesamt aus den 194 WHO-Mitgliedsländern auf Material bezüglich Gewalt gegen Frauen. Aufgrund veränderter Methoden seien Vergleiche zu früheren Studien nicht möglich. Der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, es gebe überall auf der Welt Gewalt gegen Frauen. Laut WHO sind jedoch vor allem Frauen aus ärmeren Ländern betroffen. Dabei haben in einigen Ländern die Hälfte der Frauen Übergriffe erlebt. Am niedrigsten sei die Rate mit 16 Prozent in einigen europäischen Ländern, gefolgt mit 18 Prozent von Zentralasien, 20 Prozent Ostasien und 21 Prozent Südostasien.

Gleichberechtigung hilfreich gegen Gewalt

Für die Frauen habe die Gewalt verheerende Folgen. Es gebe zum einen Verletzungen, allerdings litten diese Frauen ebenfalls öfter unter Depressionen, Geschlechtskrankheiten, häufiges Fieber, Angstattacken oder übertragenen Krankheiten wie zum Beispiel HIV. Einige würden ungewollt schwanger werden. Der WHO zufolge gehen Attacken auf Frauen zurück, wenn mehr Gleichberechtigung vorliegt, sichere Arbeitsplätze und mehr Bildungsangebote. Auch müssten die Behörden dafür sorgen, dass auf Geschlechterstereotype beruhende, diskriminierende Vorurteile ausgeräumt werden. 

Es gibt viele Formen der Gewalt gegen Frauen

Leider ist für Mädchen und Frauen der gefährlichste Ort das Zuhause. Bundesfrauenministerin Franziska Giffey betonte, dass in Deutschland an fest jedem dritten Tag eine Frau von ihrem Ex-Partner oder Partner getötet werde. Zudem werde statistisch gesehen alle 45 Minuten eine Frau durch Partnerschaftsgewalt Opfer versuchter oder vollendeter gefährlicher Körperverletzung. Zu einem sehr überwiegenden Teil (81 Prozent) seien hier die Betroffenen Frauen. In Wahrheit dürften die Zahlen sogar noch deutlich höher liegen, da in der BKA-Auswertung (Bundeskriminalamt) lediglich die bei der Polizei gemeldeten Fälle vorliegen. 

Ebenfalls unabhängig von einer Partnerschaft werden Frauen Opfer von Gewalt. Hierbei reicht die Palette von Bedrohung, Stalking, Körperverletzung, sexuellen Übergriffen, Zwangsprostitution, Freiheitsberaubung, Vergewaltigung bis hin zu Mord und Totschlag.

An wen sich Betroffene wenden können

In der Gesellschaft geht Gewalt alle etwas an. Damit häusliche Gewalt wirksam bekämpft werden kann, ist deshalb eine Zusammenarbeit von allen Verantwortlichen in den staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen notwendig. Anlaufpunkte – ebenfalls für Personen aus dem Bekanntenkreis der Betroffenen – sind:

  • Polizei: In Deutschland sind Justiz und Polizei verpflichtet, Betroffenen von häuslicher Gewalt Schutz zu bieten. Die Polizei ist bei unmittelbarer Gefahr erreichbar über die kostenlose Notrufnummer 110. Die Polizei hat in allen Bundesländern rechtliche Möglichkeiten, aus der gemeinsamen Wohnung eine gewalttätige Person zu weisen und diesem ein Betretungsverbot zu verfügen. Demnach darf die gewalttätige Person für mehrere Tage die Wohnung nicht betreten. Außerdem können Betroffene in Fällen von Stalking oder häuslicher Gewalt auf der Grundlage des Gewaltschutzgesetzes beim Familiengericht ebenfalls längerfristigen Schutz beantragen.
  • Hilfetelefone: Zunächst scheuen zahlreiche Betroffene von Gewalt den Gang in eine Beratungsstelle oder zur Polizei. Ein niedrigschwelliger erster Schritt können dann Hilfetelefone und -chats sein. Dann kann gemeinsam überlegt werden, welche Möglichkeiten weiterer Hilfe vorliegen.
  • Beratungsstellen: Vor Ort gibt es viele Beratungseinrichtungen, die betroffenen Frauen oder ihrem Umfeld Beratung anbieten. Betroffene können beim Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland nach Angeboten in der Umgebung suchen.
  • Frauenhäuser: Für Frauen, die von Gewalt betroffen sind und ihren Kindern gibt es in Deutschland über 350 Frauenhäuser und über 40 Zufluchts- und Schutzwohnungen mit über 6.000 Plätzen. Nach einer Einrichtung in der Umgebung kann bei der Frauenhauskoordinierung gesucht werden.

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