vonTatjana Frank 10.05.2021

Empowerment

Die Stellung der Frau im Wandel der Zeit. Vieles wurde erreicht, vieles muss noch erreicht werden. Ich beleuchte die relevantesten Themen aus unterschiedlichen Perspektiven.

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Im Job und ebenfalls in anderen Lebensbereichen ist Sexismus ein Thema, das vor allem in letzter Zeit sehr aktuell ist. Das ist spätestens seit der #MeToo-Bewegung der Fall. Öffentlich äußern sich zahlreiche Frauen zu unangebrachten Kommentaren und sexistischem Verhalten männlicher Vorgesetzter und Kollegen. Das ist ein wichtiger Schritt, um auf dieses große Problem aufmerksam zu machen sowie deutlich zu machen, dass das nicht stillschweigend hingenommen werden kann. Das Problem ist damit leider längst nicht beseitigt und deshalb erleben Frauen im Berufsalltag in nahezu jeder Branche der Arbeitswelt Sexismus. Dieser zeigt sich in verschiedenen Ausprägungen und Formen, muss jedoch immer unterbunden werden.

Häufig unangebrachtes Verhalten

Es handelt sich um eine traurige Wahrheit: Im Job gibt es für Sexismus zahllose Beispiele. Die teils körperlichen und zahlreichen verbalen Übergriffe in Hollywood von dem Filmproduzenten Harvey Weinstein haben inzwischen große Bekanntheit erlangt. Dabei machten zahlreiche Schauspielerinnen publik, dass Weinstein ihnen zu nahe trat, sie bedrängte, sie ohne ein Einverständnis berührte, eindeutige Anspielungen machte, bis hin zu sexueller Belästigung. Allerdings passiert so etwas nicht nur auf Hollywoods großer Bühne, sondern in zahlreichen Unternehmen alltäglich. Egal, ob Familienunternehmen, mittelständische Arbeitgeber oder große Konzerne. Im Job ist der Sexismus leider in zahlreichen Fällen sehr direkt und offen. Hierbei werden Frauen auf ihr Aussehen reduziert, Witze, Blicke oder Gesten sind eindeutig anzüglich, Kommentare werden gemacht, welche mit einer respektvollen und professionellen Zusammenarbeit wenig zu tun haben oder es kommt zu Berührungen, welche zufällig erscheinen sollen, es jedoch nicht sind.

Es werden sogar teilweise Beförderungen und Gehaltserhöhungen angeboten und versprochen, um im Job Frauen näher zu kommen. Der Sexismus ist im Job mit solchen abstoßenden und erschreckenden Verhaltensweisen allerdings noch lange nicht vollständig beschrieben. Es werden manche Jobs sogar nach Attraktivität und Aussehen vergeben. Gezielt suchen Arbeitgeber nach hübschen Frauen oder sie beziehen das Aussehen zumindest mit in die Entscheidung ein. Falls bei mehreren Kandidaten die beruflichen Fähigkeiten ähnlich sind, kann ein attraktives Aussehen helfen. 

Im Job zeigt sich Sexismus jedoch nicht nur durch Kommentare oder Verhalten, welche in direkter Weise auf die Sexualität bezogen sind. Frauen berichten häufig davon, dass sie es im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen am Arbeitsplatz schwerer haben. Um es deutlich zu machen: Ob eine Frau oder ein Mann einen Vorschlag macht, kann sicherlich einen Unterschied machen. Demnach müssen weibliche Kollegen öfter darum kämpfen, im Job ernst genommen zu werden.Im Beruf ist es eine verbreitete und häufige Form von Sexismus, dass Frauen als weniger kompetent gelten und dementsprechend behandelt werden. Daher müssen sich Frauen beweisen, doch die Fähigkeiten von Männern hinterfragt niemand.

Gründe für den Sexismus

Einer Sache sind sich Experten beim Sexismus sicher: Es geht dabei typischerweise nicht direkt um Sex. Vielmehr ist der gezeigte Sexismus, ganz gleich, in welcher Form, ein Mittel zum Zweck. Dieser wird als Werkzeug verwendet, um Macht demonstrieren zu können. Wenn sich Männer gegenüber Frauen sexistisch verhalten, wollen sie sich auf diese Weise selbst in einer überlegenen Position darstellen oder sich damit höher stellen. Damit das erreicht werden kann, werden Frauen auf ihren Körper reduziert oder herabgewürdigt, damit die eigene Macht demonstriert werden kann. Die Hierarchie spielt im Berufsleben eine große Rolle und die eigene Position soll mit Machtspielen gefestigt werden. Zudem haben zahlreiche Männer Angst davor, von Frauen überholt zu werden und fühlen sich in ihrem Rollenverständnis und in ihrer Männlichkeit bedroht. Falls Männer dem eigenen Selbstverständnis nicht gerecht werden und andere Mittel nicht vorliegen, ist im Job Sexismus ein Weg, damit das angekratzte Ego gestärkt werden kann. Dabei handelt es sich um eine Herabwürdigung von anderen Personen als Zeichen von Macht, Kompetenz und Stärke.

Sich bei Sexismus am Arbeitsplatz richtig verhalten

Frauen, die am Arbeitsplatz Sexismus gegenüberstehen, wissen oftmals nicht, wie sie sich verhalten oder wie sie darauf reagieren sollen. Zunächst sind viele beschämt, ziehen sich zurück, fühlen sich schlecht oder suchen den Fehler sogar bei sich selbst. Die erste Reaktion ist statt offenem Ärger und Entrüstung vielmehr Scham. Zudem hinterlässt eine Demütigung durch Sexismus Selbstzweifel und eine langfristige Unsicherheit. Für Betroffene bleibt trotz der Debatte auf der gesamten Welt bezüglich Sexismus die Frage, was zu tun ist. Frauen sollten sich im Job aktiv gegen Sexismus wehren, selbst dann, wenn es schwer fällt. Dazu können sie den sexistischen Angriff mit kritischen Fragen hinterfragen, damit dem Angreifenden bewusst wird, wie unverschämt oder sexistisch er sich verhält. Eine Frau sollte auf sexistisches Verhalten nicht zurückhaltend und verhalten reagieren, sondern die Grenzen klar aufzeigen. Dabei spielen Sympathie und Nettigkeiten keine Rolle. 

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