vonTatjana Frank 25.05.2021

Empowerment

Die Stellung der Frau im Wandel der Zeit. Vieles wurde erreicht, vieles muss noch erreicht werden. Ich beleuchte die relevantesten Themen aus unterschiedlichen Perspektiven.

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Über eine Journalistin tweetet jemand, dass diese Scheiße rede, er würde sie aber gerne klarmachen. Bei solchen Bemerkungen kann einem regelmäßig die Luft wegbleiben. Dabei handelt es sich jedoch um keinen Sonderfall. Solche Kommentare erhalten Frauen in allen erdenklichen Bereichen sogar täglich an den Kopf geworfen. Solche sexistischen Äußerungen sind oftmals getarnt als wohlwollender Rat, als vermeintliches Kompliment oder gar als Stammtischparole. Es handelt sich hierbei um eine Spielart des Sexismus, was die Angelegenheit nicht besser macht. Zudem trifft diese Art der Abwertung nicht nur Frauen. Männer können ebenfalls betroffen sein.

Was ist Sexismus eigentlich?

Den Begriff kennt jeder und alle verbinden damit etwas. Das Wort Sexismus stammt aus den USA und wurde erstmals in den 1960er Jahren benutzt. Hierbei setzt sich der Begriff zusammen aus „Sex“ und „Rassismus“. Gemeint ist damit die Diskriminierung und Benachteiligung eines Menschen aufgrund seines biologischen Geschlechts – ganz gleich, ob Frau oder Mann. Es handelt sich bei Sexismus also um ein Sammelbegriff für unterschiedliche Formen der Übergriffigkeit und für die Herabwürdigung des anderen Geschlechts. Damit liegt eine Ungleichbehandlung vor. Allerding ist im Grundgesetz im Art. 3 GG (Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich) der sogenannte Gleichbehandlungsgrundsatz verankert.

Betroffene von Alltagssexismus

Geschlechterübergreifend würde niemand widersprechen, dass es sich bei Sexismus um etwas herabsetzendes, ungutes und im sozialen Bereich zu verurteilendes handelt. Schließlich verfolgt Sexismus immer ein Ziel: Eine Person wird objektiviert und kann dadurch letztlich zu einem Sexobjekt werden. Sexismus ist trotzdem allgegenwärtig. Dabei beschränken sich „sexuelle Belästigung“ sowie „Sexismus“ nicht nur auf Frauen. Von sexueller Belästigung und geschlechterbezogener Diskriminierung können Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sein. Zum Beispiel berichtet ein Mann, der Dudelsack-Auftritte durchführt, dass ihm häufig gefragt werde, was er wohl unter dem Schottenrock trage. Daher hat er dem Alltagssexismus den Kampf angesagt. Allerdings belegen Studien, dass Frauen im Alltag deutlich öfter sexuelle Belästigung erfahren und sexistisch herabgewürdigt werden als Männer. Einige Beispiele hierauf: Frauen hatten bis vor nicht all zu langer Zeit im Vergleich zu Männern deutlich weniger Rechte. Laut dem „Gender Pay Gab“ erhalten Frauen auch heute noch weniger Geld als Männer für die gleiche Arbeit. Oftmals werden Frauen außerdem reduziert auf ihr Äußeres. 

Macht als Grund für Sexismus

Viele Frauen werden von Männern diskriminiert und belästigt. Dieser Umstand verdeutlicht das Machtgefälle zwischen den Männern und den Frauen, das gesellschaftlich noch nicht aufgelöst ist. Schließlich steht ein sexistisches Verhalten oftmals im Zusammenhang mit einer Machtausübung. Es ist über die Jahrhunderte ein gesellschaftliches System hervorgegangen, welches die Männer bevorzugt. Immer mehr weichen Machtzirkel und patriarchale Strukturen auf, was jedoch eben sehr langsam erfolgt. Die Gesellschaft wird an zahlreichen Stellen noch davon beherrscht. Vor allem ist das in der Arbeitswelt der Fall, in der immer noch Führungspositionen öfter von Männern besetzt sind. Ein ungleicher sozialer Status wird durch Sexismus zwischen den Geschlechtern hergestellt und sogar verfestigt. Daher wird nicht über Einzelfälle berichtet, sondern leider nach wie vor über einen gesamtgesellschaftlichen Zustand.

Eine Studie der „Fondation Jean Jarès“, das in ganz Europa durchgeführt wurde, kommt zu dem gleichen Schluss. Frauen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien wurden darin über ihre Erfahrungen mit Sexismus in der Arbeit befragt. Demnach erlebten über 50 Prozent der Frauen aus Deutschland schon anzügliche Blicke, Bemerkungen oder Gesten am Arbeitsplatz. Zudem wurden bei 39 Prozent der Körper oder die Kleidung kommentiert. Obendrein erhielten 15 Prozent Nachrichten mit einem sexualisierten Inhalt oder obszöne Vorschläge.

Beispiele für Alltagssexismus

  • Zunächst gibt es körperbezogene Aussagen, Sexting oder sexistische Witze. Bei Sexting handelt es sich um das Versenden von Inhalten, die sexualisiert sind. Bis hin zu „Hate Speech“ sind in diesem Bereich viele „dumme“ Sprüche möglich und es handelt sich dabei um keine verunglückten Komplimente. 
  • Bei Frauen werden auch sportliche Leistungen häufig heruntergespielt und kleingeredet. Ein Beispiel dafür ist Fußball. Sport ist jedoch ein Bereich, in dem schädlichen Klischees bei Geschlechtern mit positiven Vorbildern entgegengewirkt werden kann.
  • Auch legen sich viele Menschen immer noch auf veraltete Geschlechterrollen fest. Obwohl viele Frauen arbeiten, sollen diese nach der Ansicht einiger Männer zugleich auch den Haushalt alleine verrichten.
  • Eine Form des Sexismus liegt vor, wenn dieser vermeintlich „wohlwollend“ ist. Wenn der Chef nun eine Mitarbeiterin von den Geschäftsreisen ausschließt – „aus Rücksicht auf die Familie“ – und das allerdings die einzige Möglichkeit ist, um an eine Beförderung zu kommen, liegt ebenfalls Sexismus vor.
  • Es ist ebenfalls Sexismus, wenn Frauen außerhalb ihres Tätigkeitsfeld Aufgaben zugewiesen werden, wie zum Beispiel Kaffee zu holen, wenn sie gerade die einzige Frau im Raum sind – und es dafür genügend weitere männliche Kollegen gegeben hätte. 
  • Oft werden Frauen Kommentare bezüglich ihrer Kleidung gemacht. Allerdings sind Kommentare zu Kleidung, Make-up oder Frisur im Job fehl am Platz. Es geht dort schließlich um Kompetenz und nicht um das Aussehen. 
  • Ein weiteres sexistisches Verhalten ist das Hinterherpfeifen, also das „Catcalling“. Es passiert selbst im Jahr 2021 immer noch, dass Frauen auf der offenen Straße angehupt werden oder ihnen hinterhergepfiffen wird. Es handelt sich hierbei um kein Kompliment, vielmehr ist ein solches Verhalten inakzeptabel.

Sexismus kann nicht einfach verschwinden, vielmehr muss etwas dagegen unternommen werden. Die Devise sollte also lauten: Sichtbar machen, enttarnen, offenlegen. Im Alltag sollte Sexismus nicht geduldet werden. Versteckter Sexismus sollte immer direkt angesprochen werden.

Demnach handelt es sich bei Sexismus um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dieses Problem wurde in den skandinavischen Ländern bereits besser gelöst: Dass Männer zum Beispiel in Elternzeit gehen, ist dort deutlich akzeptierter und es gibt dort auch mehr Frauen in Führungsrollen.

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