vonTatjana Frank 21.05.2021

Empowerment

Die Stellung der Frau im Wandel der Zeit. Vieles wurde erreicht, vieles muss noch erreicht werden. Ich beleuchte die relevantesten Themen aus unterschiedlichen Perspektiven.

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Erst einmal ist es wichtig, dass es „den einen Feminismus“ nicht gibt. Schließlich gibt es zahlreiche unterschiedliche Theorien und Bewegungen, welche sich für verschiedene Themen stark machen und sich in Teilen sogar widersprechen. Es gibt dennoch einen Kern, der wahrscheinlich alle Feminismen miteinander verbindet. Letztlich setzt sich Feminismus für die Gleichstellung aller Menschen, gegen die Diskriminierung von Frauen und gegen Sexismus ein.

Hierbei kritisieren Feministen, dass auch in heutiger Zeit Männer die meiste Macht haben. Die Macht über Personen (zum Beispiel in den Chefetagen) und der Zugang zu Geld gehören dazu. Es geht jedoch ebenso darum, wen die Menschen als kompetent ansehen, wem zugehört wird, oder welche Personen in Geschichtsbüchern vorkommen (in der Geschichte wird über zahlreiche wichtige Frauen nicht berichtet oder deren Bedeutung wird klein geredet). Auch ist es nicht das Ziel des Feminismus, Frauen anstelle von Männern an die Macht zu bringen. Vielmehr geht es um mehr Selbstbestimmung und um eine gerechte Verteilung für jeden Menschen.

Intersektionaler Feminismus berücksichtigt viele Perspektiven

Mit dem intersektionalen Feminismus wird versucht, unterschiedliche Formen der Diskriminierung geltend zu machen und möglichst viele verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen. Weshalb ist das von Bedeutung? Viele Menschen denken bei Feminismus an das geänderte Sexualstrafrecht (seit 2016), das Frauenwahlrecht (seit 1918) oder auch an das Recht auf Abtreibung (in Deutschland noch nicht durchgesetzt).  Hierbei handelt es sich um wichtige Punkte, wofür die Feministen seit längerer Zeit kämpfen. Doch es gibt ebenso andere weitere feministische Themen, die bislang nicht so viel Aufmerksamkeit erhalten. Oftmals betreffen diese keine weißen Frauen, die aus der Mittelschicht stammen, sondern schwarze, behinderte, arme oder queere Frauen, trans- und inter-Personen. 

Beispielsweise kämpfen Asylbewerberinnen, behinderte und arme Frauen oft um das Recht, Kinder auf die Welt bringen zu „dürfen“ sowie in der Schwangerschaft eine ausreichend gute medizinische Versorgung zu erhalten. Ein intersektionaler Feminismus versucht, das alles mitzudenken.Zum Beispiel wurde in den letzten Jahren viel über die Quotenregelungen in den Managementpositionen gesprochen. Das ist aber auch gut so: Schließlich müssen Frauen eine Chance erhalten, in Bereichen tätig zu werden, die generell von Männern besetzt werden. 

Außerdem bekommen beispielsweise Arbeitskämpfe von Frauen deutlich weniger Beachtung, wo es um eine schlechte Bezahlung der Arbeit geht, zum Beispiel als Reinigungskraft. Meist sind Frauen Reinigungskräfte. Dabei handelt es sich häufig um Frauen, die über wenig Geld verfügen und/oder keinen deutschen Pass besitzen. Oftmals haben diese Menschen weniger Möglichkeiten, sich bei Journalisten Gehör zu verschaffen, sich an Politiker zu wenden oder sich zu organisieren. Demnach setzt sich der intersektionale Feminismus dafür ein, dass solche und zahlreiche weitere Perspektiven in der Gesellschaft wahrgenommen werden.

Feministische Anliegen können Widersprüche aufweisen

Mitunter scheinen sich feministische Anliegen auch zu widersprechen. Das Tragen eines Kopftuches (Hijab für Musliminnen) wird zum Beispiel viel diskutiert. Feministen setzen sich in Deutschland dafür ein, dass für Frauen eine freie Religionsausübung möglich ist. Für manche gehört hierzu, ein Kopftuch zu tragen. In einigen Kontexten ist das jedoch verboten: Lehrerinnen dürfen an zahlreichen Schulen beispielsweise keinen Hijab tragen. Es gibt andererseits feministische Bewegungen, die sich gegen das Tragen eines Kopftuches aussprechen. Diese teilen mit, dass Frauen von Männern (und in anderen Ländern durch das Gesetz) dazu gedrängt werden würden, sich zu verschleiern. Zudem kritisieren manche Religionen generell, weil diese Menschen und darunter vor allem Frauen unterdrücken würden. Dazu sind auch viele der Meinung, dass es um Freiheit und Selbstbestimmung gehen müsse und hierbei dürfe die Freiheit anderer nicht eingeschränkt werden.

Ist für Männer Feminismus auch sinnvoll?

Wo bleiben bei Feminismus die Männer? Genau mittendrin! Schließlich will Feminismus für Männer auch eine Befreiung sowie eine Erweiterung der Möglichkeiten. Demnach sollen Männer also zum Beispiel folgende Sachen dürfen:

  • Weinen
  • Gefühle zeigen
  • Keine Gewalt erleben müssen
  • Einen Rock tragen oder sich schminken, ohne dabei als „schwul“ oder „unmännlich“ zu gelten
  • Schwul sein, ohne eine Ausgrenzung zu erleben
  • Weniger Druck ausgesetzt sein, alle Verantwortung zu tragen und alles zu können

Durch die Geschlechterrollen in der Gesellschaft ist all das häufig nicht einfach oder gar nicht möglich. Allerdings geht es ebenfalls um eine Haltung und auch darum, dass sich für die Gleichberechtigung alle einsetzen. Ebenso heißt das, dass die Männer mehr Bereiche teilen müssen, zugleich jedoch ebenfalls mehr Möglichkeiten erhalten.

Feminismus ist wichtig

Zwar kämpfen Feministen auf sehr verschiedenen Ebenen und unterschiedliche Themen werden in den Mittelpunkt gestellt, doch es geht eigentlich generell darum, dass sich alle zusammenschließen und gegen Ungleichbehandlung, Ausbeutung und Zwang gemeinsam kämpfen.

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