vonTatjana Frank 03.05.2021

Empowerment

Die Stellung der Frau im Wandel der Zeit. Vieles wurde erreicht, vieles muss noch erreicht werden. Ich beleuchte die relevantesten Themen aus unterschiedlichen Perspektiven.

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Wenn eine Person sagt, dass sie Feministin ist, kommt bei vielen Menschen leider häufig ein bestimmtes Bild in den Sinn: Frauen mit unförmiger Kleidung und kurzen Haaren, die alles vermeintlich Weibliche (Beauty, Mode) und alle Männer hassen und sich ausdrücklich gegen alles Männliche wehren. Das ist mit Sicherheit Schubladen- und Klischee-Denken. Den einzigen, alleinigen Feminismus gibt es nicht, es gibt vielmehr einige Strömungen, also Feminismen. Diese entstanden durch eine jeweils andere Strömung oder entwickeln sich weiter. Die verschiedenen Formen des Feminismus werden in diesem Artikel näher vorgestellt.

Liberaler Feminismus

Die Anhängerinnen und Anhänger des liberalen Feminismus wollen im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft unabhängig vom Geschlecht Gleichheit bewirken. Kritisiert wird die geschlechtliche Ungleichheit in der Demokratie und in Gesellschaften. Es gibt kein ausgearbeitetes Genderkonzept. Hierbei sind die Kernthemen Antidiskriminierung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die berufliche Gleichstellung. Kritisiert wird an dieser Strömung, dass die Anhänger Argumentationen nutzen, wie beispielsweise die Verschwendung von weiblichem Humankapital wegen diskriminierender Sperren zu den qualifizierten Berufen. Die Strömung sei damit zu nah an dem Neoliberalismus.

Konservativer Feminismus

Auch bei diesem Feminismus geht es um Geschlechterdifferenzen. Eines der Kernthemen ist die Chancengleichheit im Beruf. Es wird hierbei mit weiblichen Fähigkeiten in Beziehung und Kommunikation argumentiert, die sich die Politik und Wirtschaft zunutze machen kann. Bei konservativen Feministinnen und Feministen wird die intersektionale Ungleichheit nach dem Geschlecht, der Migration, der Klasse und der Sexualität ebenso wie beim Differenzfeminismus und beim liberalen Feminismus in den Fokus gerückt.

Differenzfeminismus

Der Gleichheitsgedanke ist bei Anhängerinnen und Anhängern des Differenzfeminismus regelrechter Schwachsinn. In den Fokus wird vielmehr der biologische Unterschied zwischen Frauen und Männern gestellt und es herrscht die Meinung, dass Frauen im modernen „Männerstaat“ unverzichtbare Aufgabenbereiche zugeschrieben werden. Frauen müssten so als potenzielle Mütter für Frieden, Liebe und Fürsorge stehen. Hier wird das Positive von Weiblichkeit in den Fokus gerückt. Auch eine Richtung ist vorhanden, die Frauen zur Natur eine große Nähe nachsagt, dem ökologischen Feminismus, die Gegner einer patriarchalisch-kapitalistischen Ausbeutung sind. Zudem legt der radikale Differenzfeminismus das Patriarchat als ein System zugrunde, worin Männer über Frauen herrschen. Hervorgehoben wird weibliche Solidarität, die Geschlechterdifferenz wird bestätigt und gemeinsam gehen sie gegen eine Herrschaft der Sexualpolitik vor (zum Beispiel Gewalt gegen Frauen und Kontrolle der weiblichen Sexualität).

Schwarzer Feminismus

In den 1960er Jahren entwickelte sich diese Form des Feminismus in den USA. Schwarze Männer kämpften damals im Rahmen von der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und insbesondere weiße Frauen aus dem Mittelstand hielten die Demo-Schilder im Zuge der zweiten Feminismus-Welle hoch und machten aufmerksam auf ihre Bedürfnisse. In keiner von diesen beiden Bewegungen sahen sich schwarze Frauen mitgenommen beziehungsweise repräsentiert und gingen daher selbst auf die Straße. Dabei rückte der schwarze Feminismus die Überkreuzung von Rassismus und Sexismus in den Fokus. Diese Form des Feminismus ist damit für den intersektionalen Feminismus der Vorreiter.

Intersektionaler Feminismus

Geprägt wurde der intersektionale Feminismus von Kimberlé Crenshaw, einer US-amerikanischen Rechtsprofessorin. Crenshaw nannte diese Bewegung „Prisma“, damit die Art und Weise verstanden werde, wie oft unterschiedliche Formen der Ungleichheit zusammenwirken und sich mitunter gegenseitig verschärfen. Außerdem bedeutet intersektional (englisch intersection = Kreuzung) „überschneiden“. Demnach können sich bei Menschen soziale Identitäten überlappen.Das bedeutet, dass sich zahlreiche Ungleichheiten gegenseitig überschneiden, wie beispielsweise Rassismus, Sexismus, Armut, Kastensysteme und Menschen werden Chancengleichheit und ihre Rechte verweigert. Über Generationen hinweg erstrecken sich die Auswirkungen. Die Verfechterinnen und Verfechter des intersektionalen Feminismus wollen genau darauf aufmerksam machen.

Sozialistischer Feminismus

In der kapitalistischen Gesellschaft wird hier die strukturelle Ungleichheit nach Geschlecht, Rasse und Klasse kritisiert. Scharf kritisiert wird insbesondere die häufig unbezahlte Care-Arbeit, welche den Frauen im neopatriarchalem Kapitalismus zugeschrieben wird. In der modernen Welt ist die Frauenunterdrückung untrennbar mit der Kapitalismus-Geschichte zusammenhängend. Folglich zielen feministische Veränderungsforderungen auf strukturelle Verbindungen zwischen Kapitalismus und Patriarchat ab.

Öko-Feminismus

Die Ausbeutung von Frauen und Natur im patriarchalen Kapitalismus wird im ökologischen Feminismus kritisiert.

Queer-Feminismus

Außerdem übt der queere Feminismus radikale Kritik an der Heteronormativität und ist intersektional ausgerichtet. In den Fokus werden Themen wie Sexualität, Körper, Konsumkritik, Antirassismus, Internet und in der sexuellen Kommerzialisierung sexuelle Gewalt. Für Anhängerinnen und Anhänger des Queer-Feminismus und insbesondere für Judith Butler, eine Philosophin, gebe es so zahlreiche Geschlechter, wie es Menschen gebe.

Netzfeminismus

Als Netzfeminismus oder als eine dritte Welle des Feminismus kann das, was in heutiger Zeit in unzähligen Blogs, in den Sozialen Medien sowie in Facebook- und Instagram-Accounts passiert, betitelt werden. Einem breiten Publikum können über das Internet Themen wie Gleichberechtigung, Misogynie, Gender Pay Gap und dergleichen viel verständlicher und viel schneller bekannt gemacht sowie verbreitet werden.Auch wenn sich Feminismen in manchen Punkten unterscheiden, verfolgen sie dennoch alle drei Dinge: Freiheit, Selbstbestimmung und Gleichheit für alle Menschen, welche in sämtlichen Lebensbereichen verwirklicht werden soll. 

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