vonfuchsbau 09.07.2018

Der Fuchsbau

„Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Der Vorhang bewegte sich. Er schaukelte kaum merklich hin und her. Zwischen den Rahmen und Zargen des weiß lackierten hölzernen Kastenfensters waren keine Fugen zu sehen, und doch, ein leichter Luftzug drang ins Innere dieser Krakauer Altbauwohnung in der Ulica Świętego Jana* Nr. 30. Es war Ende Januar und die Straßen, Autos, Dächer, Fensterbretter und Laternen in eine dreißig Zentimeter dicke Schneedecke gehüllt.

Maksymilian Nowak döste auf seinem Sofa, das er bereits Wochen zuvor nahe an den Heizkörper beim Fenster geschoben hatte, um möglichst viel Wärme abzubekommen, bevor sie im hohen und schlecht zu heizenden Schlafzimmer im zweiten Stockwerk dieses Mietshauses verloren ging. Sein Kopf lag auf einem kleinen Federkissen, auf dem laienhaft ein Häuschen, eine Sonne und ein angedeutetes Meer gestickt waren. Trotz des wenig ansehnlichen Motives hing Maksymilian sehr an diesem Kissen, denn er hatte es von Valeska bekommen, und sie war es auch gewesen, die den Bezug bestickt hatte.

Zu seiner Linken befanden sich die Heizung, der leicht schwingende Vorhang und das Fenster, zu seiner Rechten die Rückenlehne seines Sofas und dahinter das restliche Zimmer: ein großes ungemachtes Bett, ein rundes Holztischlein, auf dem sich eine dem Jugendstil nachempfundene Tischlampe und diverse Bücher befanden, ein Schrank mit wenig Kleidung darin, denn die meiste lag entweder im Wäschekorb oder auf dem Boden verteilt, unter der Schmutzwäsche ein Radio in einer Ecke des Zimmers sowie viele weitere Bücher, die anscheinend immer genau an den Stellen fallengelassen worden waren, an denen Maksymilian sie ausgelesen hatte.

Doch all das interessierte den jungen Mann nicht. Er sah nach vorne, durch den türlosen Rahmen, in dem verwaiste Türangeln den einzigen Blickfang darstellten, ins Wohnzimmer, in dem sich auch eine Kochnische befand. Dort standen ein weiteres Sofa, ein Esstisch, ein Rasierpinselbaum und ein Elefantenfuß – die eine Pflanze auf dem breiten Fensterbrett, die andere auf dem Boden neben dem Sofa. Des Weiteren lagen zahllose geschlossene und aufgeklappte Bücher sowie beschriebene Blätter aus Notizheften zwischen halb aufgegessene Speisen auf schmutzigem Geschirr. An der Wand über dem Herd hing eine Uhr, und nur sie war, bis auf wenige draußen vorbeifahrende Autos, an diesem Abend in dieser Wohnung zu hören.

* Straße des heiligen Jan

Kommenden Montag geht es weiter! Und wir sind schon jetzt gespannt, was es mit dem Fuchsbau auf sich hat…

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kommentare

  • Hallo,

    ich finde die Idee einen Fortsetzungsroman zu veröffentlichen super! Davon gibt es mittlerweile viel zu wenige! Viel Glück damit.

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