vonfuchsbau 27.08.2018

Der Fuchsbau

„Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Maksymilians Kopf war vollgestopft mit Gedanken, was ihn nicht sonderlich gestört hätte, wären es nicht solche von der Sorte, die sich nicht entwirren oder sortieren ließen. Das ist kein Zustand, stellte er fest und steuerte die nächstgelegene seiner liebsten Kneipen an. Was sollte er an diesem Abend schon anderes tun, als zu trinken und die vorhandene Verwirrtheit erst durch eine abnorme Klarheit und diese wiederum wenig später durch stumpfe Blödheit zu ersetzen?

Vor dem Omega, einer Spelunke mit schäbigem Interieur in einem für diese Zwecke viel zu schönen Kellergewölbe, streifte sich Maksymilian den nach wie vor dicht fallenden Schnee von seinen Schultern, rubbelte sein kurzgeschorenes blondes Haar mit einer Hand trocken und blickte umher, bevor er eintrat. Früher waren sie alle gemeinsam dorthin gegangen, vor allem, weil die Kneipe sich gleich unter Mateusz Wohnung befand. Hoffentlich begegne ich ihm nicht.

Erst ging es einen schmalen Gang entlang ins Innere des jahrhundertealten Gemäuers, dann die steinernen Wendeltreppen nach unten. Ein weiteres Mal an diesem Abend geriet Maksymilian ins Stocken, blieb auf halbem Weg hinunter stehen und sah, was sein Geist ihm auf den Treppenansatz projizierte, nämlich Michał, Mateusz und ihn, wie sie Arm in Arm dagesessen und sich schwer atmend, mit Tränen in den Augen und gleichzeitig lachend, von einer Prügelei mit irgendwelchen Idioten ausgeruht hatten. Der arme Mateusz, immer bekam er Ärger. Er und seine große Klappe.

Umgeben vom wohlbekannten modrigen Kellergeruch, langhaarigen Männern und Frauen und dem, was alle hier unten verband, dem laut aus den Boxen dröhnenden Heavy Metal, ließ sich Maksymilian am Tresen nieder, an dem ein Gast bereits mehr hing als saß und Unverständliches in sein lockiges blondes Haar brabbelte – wie es zum Erscheinungsbild einer solchen Bar nun mal dazugehörte – und weitere Musikliebhaber über ihr wichtigstes Thema fachsimpelten.

Um seine aufkeimende Nervosität zu besänftigen und anzukommen, bestellte Maksymilian einen doppelten Haselnusswodka, den er ohne langes Überlegen hinunterstürzte und der seinen Oberkörper auf Anhieb angenehm wärmte. Erst jetzt sah er sich genauer um. Alles war beim Alten geblieben. Wie jeden Mittwoch stand die gute Maja hinter dem Schanktisch, liebevoll und geduldig im Gemüt, ganz im Gegensatz zu ihrem Äußeren, das, so zumindest die Intention, abschrecken sollte. Sie trug ein kurzes schwarzes Spitzenkleid, um die Taille einen Nietengürtel, hatte mehrere Piercings im Gesicht sowie Tattoos an ihren Armen, ihrem Rücken und auch an anderen Stellen, wie Maksymilian sich zu erinnern vermochte.

»Schön, dass du dich wieder mal blicken lässt, Maksio. Wie geht’s dir?«

*

Wie es mit Maksymilian und seiner Wanderschaft durch Krakau weitergeht, erfahren wir kommende Woche!

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https://blogs.taz.de/fuchsbau/2018/08/27/der-fuchsbau-8/

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