vonfuchsbau 16.09.2018

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Am Ende der Straße lag der Bahnhof des Städtchens, und dessen Schienen trennten die Peripherie vom Kern. Um in diesen hineinzugelangen, mussten Autos Schranken passieren, welche ein Stückchen weiter am Bahnhof vorbeiführten. Für Passanten gab es eine Überführung, und für diejenigen, denen die vielen Gitterroststufen zu anstrengend waren, einen ebenerdigen Pfad über die Schienen, mit einem Hinweis ausgestattet, dass es verboten sei, ihn zu benutzen.

Hinter dem Bahnhof, nur zwei Parallelstraßen weiter, lag ein winziger Hauptplatz, auf dem sich das Rathaus, eine Bäckerei, Fleischerei und Käserei, eine Pizzeria und weitere Läden befanden, die ein Städtchen so brauchte. Zwischen dem Frisörsalon und dem Zoofachgeschäft lag Maksios Ziel; ein kleines Lebensmittelgeschäft, geführt von Familie Lewandowski. Marta, Verkäuferin, Ehefrau und Mutter, mochte ihn und schenkte ihm, seitdem er denken konnte, also seit er ein frisch eingeschulter Junge war, jedes Mal einen Lolli zu den Einkäufen. Diese Tradition war während der vergangenen acht Jahre unverändert und ohne Unterbrechung fortgesetzt worden.

Zielsicher schnappte sich Maksio eine Schokoladenmilch und zwei mit Käse überbackene Brötchen, staubte seinen obligatorischen Lolli ab und bedankte sich höflich, wie es sich geziemte. Mit diesem Proviant im Rucksack trat er den Weg zu seinem Lieblingsort an, einem besonders schönen Abschnitt des Deiches, wo er vorhatte, auf möglichst angenehme Art und Weise den Tag zu verplempern.

Maksio passierte einige wenige Kreuzungen, spazierte an der Schule und der Kirche sowie dem örtlichen Krankenhaus und schließlich auch an der Plattenbausiedlung am östlichen Stadtrand vorbei und war nur fünfzehn Minuten später am anderen Ende der Stadt angekommen. Dort traf er wieder auf den Deich, der einen weiten Bogen um die Stadt machte, stieg hinauf und wanderte weiter. Kurz später war er angekommen, an seinem Lieblingsort.

 Auf dem Rücken des Deiches legte er sich ins hohe Gras, hinter sich die Stadt, vor sich eine verlassene Graslandschaft. Versteckt vor den Blicken der ab und zu vorbeigehenden Passanten aß er, trank er, döste ein bisschen, sah den Wolken beim Vorbeiziehen zu, las einen Spiderman-Comic, warf seinen Stoffball nach oben, um ihn wieder zu fangen und betrachtete vor allem, was vor ihm lag: die unberührte Natur.

Hier auf der belebten Wiese fühlte er sich gut; wenn die Bienen und Hummeln um ihn herumflogen, Hasen aus dem Dickicht hervorhoppelten und die Grillen zur Flucht zwangen und das in allen Grün-, Gelb-, und Grautönen wachsende Gras über die Felder tanzte. Vereinzelte hohe Birken und buschige Ulmen wachten über dieses Fleckchen Erde, seine Bäche und Seen, die Kletten und Maulwurfhügel. An diesem gen Osten ausgerichteten Ort der Ruhe, an den sich selten ein anderer Mensch verirrte, konnte die Natur in ihrer Reinform noch gut beobachtet werden, dort, wo die Sonne stets auf-, aber nie unterging.

*

In einer Woche geht es weiter, mit den vier Füchsen

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