vonfuchsbau 15.10.2018

Der Fuchsbau

„Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Während Maksio noch sicherstellte, dass niemand sie beobachtete, stand Mateusz bereits im Inneren des Gebäudes und streckte seinem Weggefährten erneut eine Hand hin.

»Komm!«

Aufgeregt und vom Abenteuer beflügelt ließ Maksio, entgegen seiner Art, die Vorsicht links liegen und sprang mit einem großen Satz, die Hände aufs Fensterbrett gestützt, in die Empfangshalle der Brauerei.

»Nicht schlecht«, lobte Mateusz.

Die beiden sahen zwei geparkte Pritschenwagen mit leeren Paletten und Fässern darauf. Sowohl auf den Wagen als auch auf den Fässern war das Wappen der Brauerei zu sehen: ein antiker Dreimaster auf stürmischer See. Abgesehen von ein paar im Raum verteilten Kisten mit Krimskrams und der Arbeitskleidung, die an Haken an einer der Wände hing, standen in der hinteren Hälfte der feinsäuberlich geputzten kleinen Halle parallel nebeneinander aufgestellt zwei riesige Schreibtische aus Holz. Dahinter befanden sich Schränke mit Mappen und Papierstapeln darauf, zwischen denen zwei Türen lockten.

Maksio und Mateusz begannen in Schubladen zu stöbern, Boss und Arbeiter zu spielen, sich die Hände sinnloserweise mit dem Firmenlogo zu stempeln und vergaßen beinahe, weshalb sie eigentlich eingebrochen waren. Maksio rüttelte aus Jux an einer der Türen, die jedoch verschlossen war. Die daneben aber erwies sich als Tor zu dem Schatz, den sie gesucht hatten. Eine weitere Halle fanden sie vor, die mindestens doppelt so groß war wie der Eingangsbereich. Sie fingen an, vor Freude herumzuspringen, selbst Maksio, dem das Bier zwar egal war, der sich aber freute, am Ziel angelangt zu sein.

Da waren zwei Gänge zwischen drei dicken Wänden, bestehend aus unzähligen Kisten Bier. Stellenweise waren die Bierflaschen nur fahrlässig auf die oberen Kisten gelegt worden. Anscheinend waren mehr Flaschen als Kistenplätze vorhanden. Drei Stapel bedeuteten drei Sorten Bier: Helles, Weißes und Dunkles.

Mateusz bekam einen seiner manischen Anfälle, begann vor lauter Freude mit einer hohen, unangenehmen Stimme zu kreischen und zog unachtsam und wahllos ein Bier von einem der Stapel, dass mit einem Rutsch ein paar der Flaschen auf den Boden knallten und zerbrachen. Bis auf das Sprudeln des auslaufenden Gerstensaftes war es mucksmäuschenstill. Beide standen mit geöffneten Mündern da. Mateusz tänzelte mit der einen Flasche in der Hand rückwärts, damit das klebrige Bier seine Schuhe nicht durchnässte. Für Maksio war es zu spät, denn seine Sportschuhe samt Füße waren bereits patschnass.

Diesmal war es Maksio, der einfach drauf pfiff – zum zweiten Mal an diesem Tag entgegen seiner Art. »Was soll’s?«

Mateusz lachte lautstark auf. »Ja, er hat’s kapiert! Was soll’s?«

Den Kronkorken des Bieres hebelte Mateusz von der Flasche, indem er sie an die Kante einer Kiste legte und mit der flachen Hand draufschlug. Es ploppte, der Verschluss flog über einen der Stapel aus ihrem Sichtfeld und aus der Flasche trat ein wenig Schaum.

»Hier.«

+++

Wir sind gespannt, wie es weitergeht 🙂

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